Ernst von Mansfeld –Biografie eines Kriegsunternehmers

Die vorherrschende Meinung über den Söldnerführer und Kriegsunternehmer im Dreißigjährigen Krieg, Ernst von Mansfeld, ist vernichtend. Er gilt als Glücksritter, brutaler Plünderer und hat den Ruf käuflich zu sein. Walter Krüssmann rückt diese Charakterisierung in seiner gelungenen Biografie zurecht.

 Ein wesentlicher Faktor für das miserable Image des Luxemburger Söldnerführers ist nach Analyse des Autors in der von bayerischer Seite veranlasste Schrift, die „Acta Mansfeldica“, die alle negativen Seiten Mansfelds betont und in der Literatur, auch dank einer extrem habsburgfreundlichen Biografie aus dem 19. Jahrhundert, bis heute ihren Niederschlag findet.

Eine echte, gelungene Biografie

Das Buch – ursprünglich als Dissertation in Köln eingereicht – schildert den Lebensweg des Kriegsunternehmers wissenschaftlich präzise, ohne aber in die leider häufig anzutreffende schwerfällige Gelehrtensprache zu verfallen. Und es gelingt dem Autor – soweit die Quellenlage dies zulässt – Ernst von Mansfeld erlebbar, begreifbar zu machen. Eben eine echte Biografie – mit vielen Fakten über die Zeit, in der er lebte.

Mansfelds Weg vom unehelichen Grafensohn in Luxemburg (geboren 1580), seinem Kampf um Erbe und Rang, sein erstes militärisches Wirken für die spanischen Habsburger und sein 1610 erfolgter Seitenwechsel zu den Protestanten, werden ausführlich dargestellt.  Als mittelloser Militär brauchte Mansfeld die Rückendeckung mächtiger und vor allem zahlungsfähiger Auftraggeber. Die Suche nach ihnen, aber auch die mehr oder weniger offenen und ehrlichen Versuche, mit der Gegenseite, sprich Habsburg, wieder ins Geschäft zu kommen, durchziehen das gesamte berufliche Leben des Kriegsunternehmers.

Walter Krüssmann untersucht ausführlich Mansfelds Beziehungen zum Markgrafen von Ansbach, dem in Pfälzer Diensten stehen Christian von Anhalt, zu Venedig, Savoyen, den Niederlanden, den böhmischen Rebellen, dem Ex-Böhmen König Friedrich V. und einigen mehr. Im Umfeld der Verhandlungen taucht auch immer wieder die Regentin der spanischen Niederlande, Isabella, auf.

Mansfeld brauchte Geld, Geld, Geld

Bei allem ging es vor allem um Geld. Geld für sich und für seine Söldner. Das Buch macht deutlich, mit welchen Zwängen ein nicht von Mächtigen beauftragter General – wie dies bei Tilly oder Wallenstein der Fall war –  zu kämpfen hatte. Auch die Söldner der anderen Armeen plünderten oder mordeten. Für Mansfelds Soldateska war es jedoch häufig die einzige Möglichkeit zu überleben. Seinen Gegnern bot sich hier eine vorzügliche Quelle, den schlechten Ruf des Söldnerführers weiter zu festigen.

Mansfelds Wirken im böhmischen Krieg, sein Kampf in der Pfalz, sein kurzfristiger Auftritt im Elsaß (Hagenauer Fürstentum) und später sein Eingreifen in den niederländischen Krieg zeigen nach Krüssmann die sinkende Bedeutung des Söldnerführers. Über die Besetzung Frieslands (1622/24) bis zur Niederlage gegen Wallenstein bei der Dessauer Brücke (1626) ging es weiter bergab mit Mansfelds Unabhängigkeit und seinem Einfluss. Auf der Suche nach neuen Geldgebern starb der Grafensohn im November 1626 in Bosnien. Er wurde 46 Jahre alt.

Fazit: Das Buch von Walter Krüssmann ist, trotz des sehr hohen Preises, für alle Leser sehr empfehlenswert, die sich intensiv mit der Person, aber auch mit der Zeit, den ersten acht Jahren des Dreißigjährigen Krieges, intensiver beschäftigen möchten. Sie erfahren  – und dies auf jüngstem Forschungsstand – viel über das damalige Militärwesen, die Fürstenhäuser, ihre Winkelzüge und ihre ewige Geldknappheit. Und, um es noch einmal besonders zu betonen, sie gewinnen ein facettenreiches Bild einer Person, die die ersten kriegerischen Jahre des 17. Jahrhunderts mit geprägt hat.

Krüssmann, Walter: Ernst von Mansfeld. Grafensohn, Söldnerführer, Kriegsunternehmer gegen Habsburg im Dreißigjährigen Krieg. Duncker & Humblot, Berlin. 2010. 742 Seiten.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg, Rezension

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