Rezension: Lenker, Warlords, Profiteure

Anhand von vierzehn Personenskizzen aus dem Dreißigjährigen Krieg umreißt Manfred Gindle die Ereignisse einer Zeit, die geprägt ist von Auseinandersetzungen um Glauben, Macht und Profite, die die Mitte Europas im 17. Jahrhundert mit Not, Elend und Tod überzogen.
Manfred Gindle unterteilt die Protagonisten des Dreißigjährigen Krieges nach ihrer Rolle, die sie in den drei Jahrzehnten währenden Konflikten um Macht, Geld und Glauben spielten. Allen voran dabei die Herrschenden, die Kaiser, Könige und Fürsten wie der Habsburger Ferdinand II, der Wittelsbacher Maximilian, Friedrich V. oder Johann Georg von Sachsen. Manfred Gindle beschreibt deren Motive, Fähigkeiten, Schicksale und Verstrickungen ebenso, wie die der Kriegsherren, deren Bekanntester Wallenstein sein dürfte. Da gibt es aber auch noch Figuren wie Octavio Piccolomini, den Intriganten, den offensichtlich unfähigen aber eben einflussreichen Matthias Gallas. Oder die Mörder Wallensteins, von denen einige zu den Profiteuren der unübersichtlichen Machtverhältnisse und Ränkeschmieden gehörten, andere wiederum zu den Verlierern.
Eine Gesamtschau auf die Hintergründe des Dreißgjährigen Krieges
Lenker, Warlords, Profiteure: Diese Kategorien lassen sich nicht immer eindeutig einzelnen Personen zuordnen. Manche Protagonisten spielten auf vielen Hochzeiten, waren politisch und wirtschaftlich erfolgreich, als Feldherren und Ökonomen oder auch nur als Strippenzieher hinter den Kulissen. Vierzehn Personen unterschiedlichen Standes, mal mehr, mal weniger talentiert, stellt der Autor in seinem neuen Buch vor. Eine wichtige Rolle spielten sie alle im historischen Geschehen des 17. Jahrhunderts, ob als Sieger oder Verlierer. Aber obwohl sich Manfred Gindle vordergründig lediglich mit den einzelnen Persönlichkeiten befasst, ergeben diese Personenskizzen doch eine interessante Gesamtschau auf die Hintergründe des Dreißigjährigen Krieges.
Der Autor vermittelt historische und politische Zusammenhänge
Die vom Autor vorgestellten Persönlichkeiten haben zweifellos die historischen Ereignisse ihrer Zeit geprägt. Die enge Verknüpfung der jeweiligen Schicksale miteinander, die mal glücklichen, mal unglücklichen Umstände, die über Wohl und Wehe der Mächtigen ihrer Zeit bestimmten, die oft eher triebgesteuerten Entscheidungen Einzelner, die sich im Nachhinein als jeweils falsch, richtig, genial oder dumm herausstellten, zeigen jedoch auch, wie begrenzt der Einfluss des einzelnen Beteiligten – und sei er noch so mächtig – auf den Verlauf der Geschichte tatsächlich war. Und so besteht der Reitz von Manfred Gindles Buchdebüt nicht nur in der Summe der lebendig beschriebenen Portraits historischer Persönlichkeiten, sondern in der Herstellung der Zusammenhänge zwischen dem Handeln der Protagonisten, den machtpolitischen Ausgangslagen und Konstellationen, den persönlichen und politischen Interessen und nicht zuletzt den gesellschaftlichen Zwängen und Konventionen, denen sich auch die Mächtigsten unterzuordnen hatten.
Geschichte aus der Feder eines Journalisten
Der Autor schreibt seine „Geschichten der Geschichte“ in lockerer journalistischer Form. Da werden bei der Bewertung der Persönlichkeiten nicht nur moderne Historiker zu Rate gezogen, sondern auch Zeitgenossen mit ihren unterschiedlichen Interessen und Parteinahmen. Bei der Lektüre von Lenker Warlords, Profiteure wird der Leser Stück für Stück in den Bann der Intrigen, Eitelkeiten und eiskalten Machtkalküle der so chaotisch scheinenden historischen Epoche gezogen. Und langsam aber sicher beginnt auch der, dem das Gewimmel von Fürsten, Königen, Feldherren, Feldzügen, Schlachten und Scharmützeln, Protestanten, Calvinisten, Katholiken, Schweden, Fensterstürzen und Intrigen als viel zu unübersichtlich schon immer ein Gräuel war, die Hintergründe und Zusammenhänge zu begreifen. Gindle gelingt es, dem Leser über seine Personenskizzen Übersicht über die komplexen Hintergründe des Dreißgjährigen Krieges zu verschaffen. Es gelingt ihm zudem, dem Leser die historischen Persönlichkeiten nahe zu bringen, ohne sie zu glorifizieren oder zu diffamieren. Und es gelingt ihm, seine Leser zu packen – was will man mehr.
Manfred Gindle: Lenker, Warlords, Profiteure. Vierzehn Personenskizzen aus dem Dreißgjährigen Krieg. Create Space Independent Publishing 2012. Taschenbuch 108 Seiten. (Amazon). Ebenfalls als E-Book: Kindle-Edition 2012.
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