Versunken. Entdeckt. Gerettet

Schiffsfunde aus Mittelalter und Früher Neuzeit

Mit den spektakulärsten nordeuropäischen Unterwasserfunden aus Mittelalter und Neuzeit wartet die Ausstellung „Versunken. Entdeckt. Gerettet“ im Schwedenspeicher des Museum Stade auf. Vom 22.April. bis zum 16. September 2012 präsentieren die Ausstellungsmacher des geschichtsträchtigen Ortes Schätze der Unterwasserarchäologie. Dabei konnte sich das Team vom Schwedenspeicher unter anderem die Unterstützung so renommierter Einrichtungen wie des Archäologischen  Landesmuseums Schloss Gottdorf oder des Deutschen Schifffahrtsmuseums Bremerhaven sichern.
Blick in die Ausstellung
Ladung und Ausrüstung
Foto: Michael Hensel
Die Ausstellung präsentiert die wichtigsten Fundregionen mit ihren zentralen Schiffsfunden. Der Vordersteven eines gehobenen Schiffs wird in voller Größe über zwei Etagen des Museums gezeigt. Darüber hinaus thematisiert die Ausstellung die aktuelle Diskussion zur Bezeichnung der verschiedenen Schiffstypen. Was ist eigentlich eine Kogge? Was für Konsequenzen haben die Neudatierungen der Poeler Kogge und des Gellenwracks für diese Diskussion? Beide Schiffe sind nach neuesten Datierungen 400 Jahre jünger als bisher gedacht und datieren offenbar ins 18. Jh. Um die bekannten Wracks ranken sich nach wie vor viele Fragen und Rätsel, die vorgestellt werden und die Faszination an historischer Schifffahrt wecken sollen. Anhand der originalen Schiffsteile bietet sich also die besondere Möglichkeit, den Besuchern die Herausforderungen bei der typologischen Einordnung von Schiffen vor Augen zu führen.
Unterwasserarchäologie von der Ostsee über die Nordsee bis in die Elbe
Netze sichern die freigelegte
„Darßer Kogge“
Foto: Roland Obst
Mit Funden der Darßer Kogge, vom Gellenwrack aus dem Wrack von Weimar-Wendorf und vom Rostocker Grapenschiff präsentiert die Ausstellung wichtige Funde aus der Ostsee. Mit dem Wrack von Hedwigenkoog ist die Fundregion Nordsee präsent und das Wrack von Wittenbergen, und das Karschau-Schiff bringen die Funde der Elbe und Schlei in den Schwedenspeicher. Ein echtes Highlight aber ist das Wrack vor Bützfleth. Mit dem Forschungsschiff Tiedenkieker können Interessierte zu festgelegten Terminen (siehe Ausstellungshomepage) Wrackfahrten buchen und die Arbeit der Unterwasserarchäologen life miterleben. Ergänzt wird dieses Angebot um Wrackfahrten für Kinder und Jugendliche. Vor Stade liegt das bisher einzige bekannte Binnenschiff des 17. Jh. am Grund der Elbe, das in einer spannenden Inszenierung direkt in die Ausstellung projiziert wird.
Ein Museum an der archäologischen Quelle
Lageskizze „Wrack Bützfleth“
Foto: Archaeologisches Landesmuseum
Schloss Gottorf
Martin Mainberger
Das Museum Schwedenspeicher ist ein in mehrfacher Hinsicht idealer Ort für die Ausstellung, deren Anliegen es ist, durch die ausgestellten Funde, die didaktische Aufbereitung und das Rahmenprogramm, die Geschichte der Seefahrt und der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von Mittelalter und Früher Neuzeit lebendig werden zu lassen.
Der Schwedenspeicher liegt nicht nur direkt am alten Hansehafen in Stade, direkt neben dem heutigen Museum kamen bei der berühmten Stader Hafengrabung von 1989 zudem zahlreiche Schiffsfunde zutage. Die haben auch in der großen Hanseausstellung, die seit der Neueröffnung des Museums „Schwedenspeicher“ 2011 präsentiert wird, ihren Platz gefunden. Der Stader Hafen wurde während seiner Nutzung vom 10. Jahrhundert bis ins Jahr 1989 nie ausgebaggert, es liegt auf der Hand, dass die im Schlamm konservierten Funde ein einzigartiges Archiv der Stadt- und der damit verbundenen Schifffahrtsgeschichte darstellen.
Die Ausstellungsfläche des großen Museums der kleinen Stadt umfasst insgesamt immerhin 1650 qm. Und nachdem es im Frühjahr 2011 – völlig neu und modern gestaltet – neu eröffnet wurde, braucht das Museum Schwedenspeicher auch konzeptionell keinen Vergleich zu scheuen, denn es ist trotz seiner stadtgeschichtlichen Ausrichtung alles andere als ein klassisches Heimatmuseum.
In der Dauerausstellung begibt sich der Besucher auf Forschungsreise
Der Schwedenspeicher
Foto: Axel Hartmann, Köln
Bereits die Wrackfahrten im Rahmen der Sonderausstellung „Versunken. Entdeckt. Gerettet“ zeigen, dass sich das Museumsteam der Tatsache bewusst ist, dass ein Museum neben dem wissenschaftlichen kulturkonservierenden Auftrag auch Erlebnisraum für Erwachsene und Kinder sein sollte. Ganz besonders deutlich aber wird die Philosophie des Hauses, wenn man den „Reiseführer für Familien und Individualisten“ zur Dauerausstellung betrachtet. Statt eines Ausstellungskataloges oder der weitverbreiteten Audioguides, die – nach Auffassung der Museumsmacher – häufig in einem sehr anonymen und isolierten Museumsbesuch münden, kann der Besucher ein kleines schwarzes Büchlein erstehen, den legendären Notizbüchern nachempfunden, die im 19. Und 20. Jahrhundert bei Künstlern wie Oscar Wilde, Van Gogh oder Ernest Hemingway so beliebt gewesen waren. Auf 200 Seiten findet der Besucher Hintergrundinformationen zur Ausstellung, Tipps und Links für weitere Recherchen, Rätsel- und Knobelaufgaben, Platz für eigene Notizen und vieles mehr.
Ein Museum über alte Zeiten, originell und jung
Ein Reiseführer für Familien und Individualisten
Foto: Museen Stade
Auch unabhängig von der Ausstellung ist das A6 Büchlein tatsächlich ein Reiseführer für Familien und Individualisten – sowohl in die Geschichte, als auch in die Umgebung. Und auch nach dem ersten Gebrauch behält es seine Attraktivität und Nützlichkeit. Eine wirklich originelle Idee, die sich nicht nur an Kinder, sondern an Geschichtsinteressierte jeden Alters richtet. Das Museum Schwedenspeicher versteht sich als ein „Museum in Bewegung“, in dem es ständig Neues zu entdecken gibt. Ein Anspruch, den das Team nach dem überzeugenden Auftritt des „jungen Hauses“ nun auch langfristig unter Beweis stellen muss. Ob das gelingt, wird sich herausstellen. Wer sich dafür interessiert, kann den Stader Museumsleuten auf facebook und twitter folgen.
Quelle: Pressematerial des Museums, sowie der „Reiseführer Für Familien und Individualisten“.
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Eingeordnet unter 3 Mittelalter, Archäologie, Ausstellungen, Schifffahrtsgeschichte

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