Tilly – Biografie eines katholischen Feldherrn

Johann Tserclaes Graf Tilly war einer, wenn nicht der erfolgreichsten Feldherren der ersten Hälfte des Dreißigjährigen Kriegs. Er hatte das Pech am Ende seiner Karriere, da war der Wallone schon 72 Jahre alt, auf Gustav Adolf zu treffen – und zu unterliegen. Dies und das wahrscheinlich zu Unrecht an seinem Namen klebende Odium, der Schlächter von Magdeburg zu sein, verdunkeln bis heute das Bild Tillys.

Über den streng katholischen General, der den Habsburgern und vor allem Maximilian von Bayern diente, gibt es wenig Biografisches. Marcus Junkelmann hat jetzt ein kleines Buch zu diesem Krieger, der so ganz anders war als zum Beispiel sein machtbesessener Zeitgenosse Wallenstein, vorgelegt.

Tillys Bild schwankt zwischen Heiligem und Kriegsverbrecher

Junkelmann nähert sich der Person Tilly, über die es so wenig verbürgtes über sein Denken und Leben gibt, und deren Bild in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch zwischen „Heiliger und Kriegsverbrecher“ schwankt, auf zwei Wegen. Zuerst mit einer eher kursorischen Gesamtdarstellung von Leben und Wirken des Feldherren, dann mit einer gekonnten Herausarbeitung des Persönlichkeitsbildes.

Der erste Teil der Darstellung ist fragmentarisch aufgebaut, laufend unterbrochen durch Originalquellen – z. B. von Maximilian von Bayern verfasste Abordnungen. Ein rechter Lesefluss mag da, bei aller Qualität der Zitate und umfangreich erläuterten Bilder, nicht aufkommen.

Ein Denkmal wurde ihm erst 1844 errichtet

Dennoch, der Leser kann sich schnell ein Bild über Tillys Aufstieg, seine Kriegsführung, die der spanischen Schule entsprang, seine Niederlage bei Breitenfeld und letztlich seinen Tod in Ingolstadt machen. Ein Denkmal, auch dies erfährt der Leser, wurde ihm erst 1844 durch den bayerischen König Ludwig I. gesetzt. Es steht noch heute in der Münchener Feldherrenhalle.

Der zweite Teil des Buches, das Persönlichkeitsbild, ist der deutlich interessantere. Hier zeichnet Junkelmann, trotz der dürftigen Quellenlage, ein ausgewogenes, plastisches Bild des Wallonen. Er geht u. a. der Frage nach, warum Tillys Niederlage gegen den Schwedenkönig dessen Image so nachhaltig negativ beeinflusst. Er sieht die Antwort in der Konfrontation des „als progressiv eingestuften Protestantismus und der katholischen Restauration.“

Die gilt ebenfalls für die Behandlung der Katastrophe von Magdeburg. Tilly, der die Stadt dringend als Stützpunkt benötigt hätte, wird, vor allem in der zeitgenössischen Flugblattliteratur, als Vertreter des dunklen Katholizismus, wie als Zerstörer und Schänder Magdeburgs verunglimpft. Häufig an Stelle des Kaisers, der, so viel Respekt war dann doch noch, nicht offen angegangen wurde.

Tilly war stets ein Mann des Religionskrieges

Wenn auch der Generalleutnant, der „habsburgisch aus Neigung, bayerisch-wittelsbachisch aus Pflichtgefühl“ handelte, nicht der für den katholischen Glauben wütende Krieger war, nach Junkelmann gilt: „Ohne Zweifel war und blieb Tilly im Herzen stets ein Mann des Religionskrieges…“.

Fazit: Ein lesenswertes Buch, vor allem für an der Frühen Neuzeit Interessierte, die bisher wenig über den pflichtbewussten Feldherren in Erfahrung bringen konnten. Es zeigt ihnen einen Soldaten, und keinen Condottiere, wie es so viele in seiner Zeit waren. Schade nur, dass der Autor in seinen Literaturangaben die sicherlich teilweise kritisch zu sehende Biografie von Bernd Rill nicht aufführt.

Marcus Junkelmann ist freischaffender Historiker. Bekannt wurde er unter anderem mit seiner Biographie über Gustav Adolf.

Marcus Junkelmann: Tilly. Der katholische Feldherr. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg. 120 Seiten.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

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