1618 bis 1648: Dreißigjähriger Krieg – Buch von J. Arndt

Dies ist ein ideales Buch für Einsteiger in die Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs. Johannes Arndt legt hier eine Gesamtdarstellung vor, die herausarbeitet, wie das Reich, Europa vor Ausbruch der großen Auseinandersetzung beschaffen war, wie der Krieg verlief und welche Wahrnehmungen die betroffenen Menschen in dieser Zeit hatten.

Die europäischen Konfliktherde, im Westen die Niederlande, im Süden Italien, in denen jeweils auch die Spanier und die Franzosen aufeinander trafen, zeigen, ebenso wie der nordische Raum mit Dänemark, Schweden und Polen, wie groß das kriegerische Potenzial schon vor 1618 war. Arndt gelingt es, dieses Szenario kurz und knapp zu umreißen.

Kurzer und informativer Abriss des Kriegsverlaufs

Weiter geht es auf fünfundachtzig Seiten mit einer, auf das Wesentliche reduzierten, chronologischen Darstellung des Krieges. Der Münsteraner Professor teilt die Periode in vier Abschnitte: den böhmischen Aufstand, Tilly und Wallenstein gegen den dänischen König, das Eingreifen Schwedens, den Kampf Habsburgs gegen Frankreich, Schweden und die Niederlande sowie den mühevollen Weg zum Frieden.

Johannes Arndt berücksichtigt dabei neue Forschungsergebnisse. So zum Beispiel die Bedeutung, die die finanzielle Abhängigkeit sowohl des Kaisers Ferdinand II. als auch Friedrich V. von ihren jeweiligen Geldgebern hatte – ein wesentliches Moment für die Fortführung des Krieges nach 1620 und dessen weitere Eskalation.

Oder zur gängigen, heute aber in der Literatur als falsch angesehenen Sicht, dass im Westfälischen Frieden insbesondere die „Souveränität der Reichsstände“ festgeschrieben wurde. Arndt schreibt dagegen: In der Forschung wird heute betont, dass von einer solchen Zuschreibung keine Rede sein kann.

Auch das Leben abseits der „großen“ Geschichte kommt vor

Etwas fremd, einfach hinten angehängt, wirken auf den ersten Blick die Kapitel zu den Fragen: Wie sahen die Soldaten, wie die Zivilisten diese Zeit des Krieges? Dennoch: Gerade sie sind es wert, gelesen zu werden. Hier gelingen dem Autor gute Einblicke in die „militärische Gesellschaft“ der damaligen Zeit. Dies wie auch der Teil über das Erleben von Not, Gewalt und Hunger der Bürger und Bauern basieren auf Entdeckungen und Erkenntnissen der letzten Jahre.

Zuletzt noch zum Thema Medien: Flugblätter erlebten im Dreißigjährigen Krieg, nach der Reformationszeit, eine zweite Blüte. Anlässe wie die Vertreibung Friedrichs V. aus Böhmen oder Gustav Adolf Siegeszug bescherten hohe Auflagen. Aber auch Zeitungen, so zeigt Arndt, schafften im Dreißigjährigen Krieg den Durchbruch. In den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts werden im Reich mehr dieser Publikationen gedruckt, als im Rest Europas zusammen.

Ein hervorragendes Preis/Leistungsverhältnis

Noch eine Anmerkung: Das Preis/Leistungsverhältnis dieses Buchs (im typischen kleinen Reclam-Format) ist herauszuheben. Wo bitte gibt für sechs Euro (!) eine Publikation, die den Leser sehr gekonnt und sehr übersichtlich in die Welt des großen Krieges einführt. Und mehr noch, es schafft auch dem tiefer mit der Materie befassten Rezipienten neue Einsichten zu vermittelt. Wer dann noch mehr wissen möchte, dem sei zum Beispiel die Aufsatzsammlung von Hartmann/Schuller (Der Dreißigjährige Krieg.Facetten einer folgenreichen Epoche) empfohlen.

Johannes Arndt: Der Dreißigjährige Krieg 1618 – 1648. Reclam Sachbuch, Stuttgart. 2009. 256 Seiten.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg, Rezension

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