Der Dreißigjährige Krieg – ein Buch über die Facetten einer Epoche

Ein neues Buch über eine schon oft beschriebene, aber immer noch spannende und die Forschung anregende Epoche. Was beinhaltet das Werk? Zwölf Aufsätze, die das Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges behandeln, gehalten in Rahmen der Historischen Woche der Katholischen Akademie Bayern. Die zeitliche Spanne reicht vom Europa um 1600 bis zur Bedeutung des Westfälischen Friedens.

Was leistet das Buch, was nicht? Um mit dem letzten anzufangen: Es ist kein Einsteigerwerk. Wer sich noch nicht mit dem Zeitalter beschäftigt hat, das hier in Facetten, sprich einzelnen Themenblöcken behandelt wird, kann an vielen Stellen den Zusammenhang, das Ganze nicht sehen. Als Ergänzung, als Vertiefung einzelner Aspekte, ist es dagegen, in den meisten Fällen hervorragend geeignet.

Inhaltlich geht es um einzelne Personen: Tilly, Wallenstein und Maximilian von Bayern, aber auch um die Frage, wie Menschen die Krisen dieses großen Kriege psychisch verarbeitet, wie sie diese wahrgenommen haben. Daneben finden sich Überlegungen zur Bedeutung der böhmischen Erhebung, zum Schlachtfeld „Altes Reich“, und warum der schwedische König, Gustav Adolf, sich denn in diese Auseinandersetzung eingemischt hat.

Aufsätze spiegeln den neuesten Stand der Forschung

Alle Überlegungen, so versichert das Vorwort der Herausgeber, sind auf dem neusten Stand der historischen Forschung. Die Namen der Autoren, hier insbesondere Johannes Burckhardt, Bernd Roeck und Marcus Junkelmann, garantieren dies sicherlich. Wie gleichfalls den wissenschaftlichen – sprich neutralen – Umgang mit einer so tief von religiösem Hass und Bösartigkeit durchzogen Zeit.

Wie kam es zur religiösen Zuspitzung vor dem Dreißigjährigen Krieg?

Zwei Aufsätze – dies ist keine Wertung – seien herausgehoben. Wer verstehen möchte, warum und wie es zu der konfessionellen Zuspitzung vor Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs kommen konnte, erfährt viel bei Axel Gotthard. Wie der Friedenswille, der zumindest mehr recht als schlecht über Jahre im Reich vorherrschte, von den Theologen, später auch den Juristen, zunehmend in Frage gestellt, unterminiert wurde. Der Alleinvertretungsanspruch stand im Vordergrund, den Andersgläubigen galt es „auszutilgen“.

Die Folgen waren gravierend: Mit dem Anschwellen des religiösen Extremismus schwand das politische Vertrauen in die jeweils andere Seite. Das Reich verlor seine politischen, friedlichen Problemlösungsmöglichkeiten (Reichstag, Reichsgericht), Sprachlosigkeit breitete sich aus. Was entstand, waren konfessionelle Militärbündnisse. Und letztlich folgte ein langer, furchtbarer Krieg.

Warum griff Gustav II Adolf in den Krieg ein?

Johannes Burkhardt macht einen originellen Versuch, um der Frage auf den Grund zu gehen, warum sich der schwedische König, Gustav II Adolf, in den Dreißigjährigen Krieg einmischte. In einer fiktiven Pro- und Contra-Argumentation werden Schutz der evangelischen Religion, Sicherung der Dominanz im Ostseeraum oder die Verwirklichung des alten Gotentraums auf Eroberung auf ihre Glaubwürdigkeit und Stichhaltigkeit überprüft.

Fazit des Diskurses: So recht kann keine der damals wie heute genannten Begründungen allein überzeugen. Es war wohl ein Bündel von Gründen, die Schweden in den Krieg führten. So endet auch die Frage zum jüngsten Forschungsansatz, ob Gustav Adolf den Eroberungszügen „seiner“ Goten gen Europa tatsächlich nachfolgen wollte, mit „das müssen wir dem Leser überlassen.“

Leider hat die Aufsatzsammlung aber auch einen Schwachpunkt. Frank Kleinehagenbrock ist es mit seinem Teil „Der schwedisch-französische Krieg“ nicht gelungen, dem sicher am schwersten zu fassenden Abschnitt des großen Krieges einen roten Faden zugeben. Dennoch in Summe ist den Herausgebern zu zustimmen, wenn sie schreiben: „So ist eine facettenreiche Darstellung des Dreißigjährigen Krieges entstanden, die nicht wenige neue Fragestellungen und Perspektiven bietet.“

Hartmann, Peter C. und Schuller, Florian (Hrsg.): Der Dreißigjährige Krieg. Facetten einer folgenreichen Epoche. Regensburg, 2010. 214 Seiten.

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