Ferdinand III. – Buch über die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs

Dies ist das erste Werk, das sich nach 100 Jahren mit dem Habsburger Kaiser Ferdinand III. (1608 bis 1657) detailliert auseinandersetzt. Mit diesem Hinweis steigerte der Verlag die Neugierde potentieller Leser. Was Lothar Höbelt vorgelegt hat, ist allerdings keine Biografie, die den Herrscher oder gar den Menschen, um den es laut Titel geht, intensiv beleuchtet. Was vorliegt, ist eine gründliche Beschäftigung mit dem Umfeld und der Zeit, in der der Habsburger gelebt und regiert hat.

Angefangen mit der Familie, die bei Ferdinands Geburt 1608 noch in Graz lebte. Weiter mit der  Zeit Ferdinands als Thronfolger und zunächst erfolgreichem Generalissimus. Viele Details dann aus seiner Regierungszeit, die immerhin von 1636 bis zu seinem Tod 1657 dauerte. Viel über die spanische Partei, die Verstrickung in die italienischen Zwistigkeiten, die Schweden und den scheinbar unaufhaltsamen militärischen  Abstieg Habsburgs. Nur bleibt Ferdinand? Da scheint nur wenig bis nichts von seinem Denken, seinem Wollen durch.

Welche Rolle spielt Ferdinand bei der Schlacht von Nördlingen?

 Zwei Dinge sind es, mit denen der Name Ferdinand in der Literatur eng verknüpft ist: Erstens die Schlacht von Nördlingen. Hier erlebte 1634 der noch nicht regierende Habsburger zusammen mit dem spanischen Kardinalinfanten das erste große militärische Erfolgserlebnis. Was aber war seine Rolle bei diesem grandiosen Sieg über die schwedische Armee unter Horn und Weimar? Nach Höbelts Schilderung scheint Ferdinand bei der ganzen Sache recht unwichtig gewesen zu sein, er war halt anwesend. Ferdinands Fazit der Schlacht wird dem Leser leider auf Italienisch präsentiert – typisch für den Autor, der dies sehr häufig dem Leser glaubt zumuten zu können..

Der Friedensschluss von Münster – tatsächlich wider Willen?

Der zweite wichtige Abschnitt, in dem  Ferdinand eine große Rolle spielte, ist der Abschluss des Westfälischen Friedens 1648. Hier wird die Zwickmühle, in der der Kaiser steckte, sehr deutlich. Einerseits aus militärischen Gründen die Notwendigkeit zum schnellen Friedensschluss, die Schweden standen schließlich bereits in Prag. Auf der anderen Seite die Solidarität mit den spanischen Habsburgern und Ferdinands Heiratspolitik mit diesem Zweig der Familie. Aber ohne die Preisgabe der Spanier, so Frankreichs ultimative Forderung, gäbe es kein Ende des Dreißigjährigen Krieges. Ob dem Kaiser dieser Friedensschluss dann tatsächlich so gegen den Strich ging, bleibt offen, schließlich wurde doch geheiratet..

Ein Aufscheinen einer Analyse der Person Ferdinand findet der Leser wenigstens im Schlusskapitel. Hier spricht Höbelt von einem fleißigen Kaiser, einem intelligenten obendrein. Einem Regenten, der allerdings keine langfristigen Pläne verfolgte, sondern sich lieber den kurzfristigen Herauforderungen stellte.

Ein sperriges Werk – angereichter mit vielen italienischen Zitaten

 Was den Stil, die Verständlichkeit des Textes betrifft, ist leider ein einschränkendes Urteil nötig. Das Buch ist sperrig. Der Autor plagt den Leser häufig mit Schachtelsätzen, von einer Länge über neun bis zehn Zeilen, vollgestopft mit Details. Eher ein Buch für ein Fachpublikum?

Auf der anderen Seite bedient sich Höbelt einer bewusst der jetzigen Zeit angepassten Sprache, so wenn er den dänischen König als Kong Christian bezeichnet oder österreichischen Vertreter in Münster als „Mr. Njet“. Oder er schreibt von „unserem Helden“. Dann doch ein Werk, das sich an ein breiteres, geschichtsinteressiertes Publikum wenden möchte?

In Summe: Ein Werk, das über die Liebe zum Einzelnen, zum Teilstück den Blick aufs Ganze sehr vermissen lässt. Gerade die komplexe zweite Periode des Dreißigjährigen Krieges und die folgende Zeit, die so oft vernachlässigt wird, hätte eine solche Leistung verdient. Ferdinand III. sicher auch.

Höbelt ist a.o. Professor an der Universität Wien.

Höbelt, Lothar: Ferdinand III. Friedenskaiser wider Willen. Ares Verlag, Graz. 2008. 488 Seiten.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg, Rezension

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