Schatzschiff aus dem 2. Weltkrieg SS Gairsoppa gefunden

Am 26.09.2011 gab das US-amerikanische Meeresforschungsunternehmen Odyssey Marine Exploration (OME) die Entdeckung und Identifizierung des Wracks des Geleitfrachters SS Gairsoppa bekannt.

Das 84 Meter Forschungsschiff OdysseyExplorer der Odyssey Marine Exploration

Das 84 Meter Forschungsschiff OdysseyExplorer der Odyssey Marine Exploration

Mit 31 Mann Besatzung und Silber im heutigen Wert von rund 80 Millionen Euro war das damals schon betagte Dampfschiff am 17. Februar 1941 vor der irischen Westküste von einem deutschen U-Boot auf den Grund des Meeres torpediert worden.

Die 7 Millionen Unzen Silber, die 1941 einen Wert von rund 600.000 £ verkörperten, sind nach Aussage  des Unternehmens die wohl größte Ladung von Edelmetall, die jemals vom Meeresboden geborgen wurde. Recht optimistisch beurteilt der Geschäftsführer der OME, Greg Stemm die Möglichkeiten der für 2012 geplanten Bergung des Schatzes, der immerhin – eingeschlossen im stählernen Rumpf  der Gairsoppa  – in rund 4700 Metern Tiefe auf dem Meeresboden lagert. Den gleichen Optimismus hatte Stemm bereits im Januar 2010 an den Tag gelegt, als er vermutete, dass das Wrack mit rund 2000 Metern in einer für Suche und Bergung recht moderaten Tiefe liege.

Die Suche nach der SS Gairsoppa

Der Tiefsee-Tauchrobotter Zeus wird zu Wasser gelassen

Der Tiefsee-Tauchrobotter Zeus wird zu Wasser gelassen

Den Zuschlag für den lukrativen aber auf zwei Jahre befristeten exklusiven Bergungsvertrag mit der britischen Regierung hatte OME im Januar 2009 erhalten. Mitte 2010 hatte man ursprünglich mit der Suche nach dem Wrack des ehemaligen Geleitzugfrachtersbeginnen wollen. Mit der bewährten Hightech-Ausstattung des Unternehmenseigenen Forschungsschiffes „Odyssey Explorer“, zu der modernste Sonartechnologie und der Tiefsee-Tauchroboter „Zeus“ gehörten, sollte die Suche nicht mehr als 90 Tage dauern, so jedenfalls die Prognose Stemms im Januar 2010. In diesem Jahr war aber von einer Suche nach dem Schatzschiff nichts mehr zu hören. Auf Nachfrage vertröstete das Unternehmen beharrlich auf kommende Presseinformationen.

Nicht nur die Nachricht, die die Presse über die vorübergehende Erweiterung der Forschungsflotte dann Anfang Juni 2011 erreichte, lies wohl auf gewisse Kapazitätsengpässe des Unternehmens schließen, die bereits in den vergangenen Jahren durch gecharterte Schiffe ausgeglichen werden mussten. Angesichts der zahlreichen „Claims“, die das Unternehmen neben dem Gairsoppaprojekt inzwischen abgesteckt hat, schien das Odyssey eigene Forschungs- und Bergungsschiff, die „Odyssey Explorer“ allein zweifellos überfordert. Immerhin müssen Schiff und Mannschaft neben ihren Hauptaufgaben für Odyssey in Charter immer wieder auch für andere Unternehmen in See stechen.

Das Loch, das der Torpedo des deutschen U-Boots in den Rumpf der Gairsoppa gerissen hat

Das Loch, das der Torpedo des deutschen U-Boots in den Rumpf der Gairsoppa gerissen hat

Eigentlich wäre der exklusive Bergungsvertrag mit der britischen Regierung Ende 2011 ausgelaufen, und damit eine lukrative „Verwertung“ des noch gar nicht geborgenen Silberschatzes wohl gescheitert. In seiner Pressemitteilung vom Juni 2011 hatte George Stemm dann aber die Verlängerung des Vertrages um ein Jahr bekanntgegeben und die feste Absicht formuliert, im Juli mit der Suche zu beginnen. Wieder war Stemm optimistisch, schließlich sei die ungefähre Position ja durch das Logbuch des U-Bootes, das die Gairsoppa versenkt hatte, die anderen Schiffe des Konvois und nicht zuletzt durch den einzigen Überlebenden der Tragödie bekannt.

Die „Yuzhmorgeologiya“ ein Forschungsschiff der Extraklasse

Eine Leiter, die zum Vordeck führt. Links kann man die Luken zum Laderaum erkennen.

Eine Leiter, die zum Vordeck führt. Links kann man die Luken zum Laderaum erkennen.

Wohl um sicher zu gehen, hatte Odyssey Anfang Juni 2011 mit dem russischen Forschungsschiff „Yuzhmorgeologiya“ speziell für die Suche nach der Gairsoppa ein echtes Schwergewicht der Meeresforschung hinzugechartert. Die Yuzhmorgeologiya ist mit ihren 104 Metern Länge nicht nur 28 Meter länger als die Odyssey Explorer, sie verfügt mit ihren 17 Labors, sechs Werkstätten und speziellen Forschungsbereichen auch über ein weites Spektrum an Untersuchungs- und Konservierungsmöglichkeiten. Das reicht vom Computerzentrum über Labors für Biologie, Geologie oder Analytische Chemie bis hin zum Digitallabor. Und natürlich ist das Schiff vollgestopft mit elektronischer Sensorik, die zudem noch um spezielles Hochleistungsequippment für die Gairsoppasuche ergänzt wurde.
Und während die Odyssey Explorer die fortgeschritteneren Projekte des Meeresforschungsunternehmens abarbeitet, so hieß es jedenfalls noch im Juni, sollte das mächtige russische Schiff mit der Sicherheitsstufe „Eisklasse“ im unwirtlichen Atlantik vor der irischen Küste das Schatzschiff aus dem 2. Weltkrieg aufspüren und spätestens im Laufe des nächsten Jahres die lukrative Silberladung abbergen.

Tatsächlich aber sei es – wie die aktuelle Verlautbarung verrät – dann doch die unternehmenseigene Odyssey Explorer gewesen, die das Wrack mit dem Tauchroboter Zeus 300 Meilen vor der irischen Küste in rund 4700 Metern Tiefe entdeckt und Lage und Zustand mit Scan und Fotos ausgiebig dokumentiert habe.

Schatzbergung für Frühjahr 2012 geplant

Das Skylight über dem Maschinenraum der SS Gairsoppa

Das Skylight über dem Maschinenraum der SS Gairsoppa

Nun machen sich die „Schatztaucher“ an die Planungen zur Bergung des lukrativen Silberschatzes im Frühjahr 2012, dessen Nettowert zu 80% an OME gehen wird. Da kann und muss man es sich durchaus leisten, externe Expertise hinzuzukaufen. Denn das Ausräumen der Gairsoppa-Laderäume in 4700 Metern Tiefe ist trotz allem Optimismus des Geschäftsführers auch für Odyssey eine Herausforderung. Man darf annehmen, dass in diesem Zusammenhang dann die Yuzhmorgeologiya zum Einsatz kommen wird.

Unbegründet ist der Optimismus nicht. Denn eine der zur Beratung herangezogenen Gesellschaften hatte bereits in 3000 Metern Tiefe erfolgreich vier Decks eines großen Stahlrumpfes geöffnet. Zudem haben einige Mitglieder des Odyssey-Teams Erfahrungen mit modernen Bergungsmethoden im Rahmen von Militär- oder  Regierungsaktionen in Tiefen von bis zu 6000 Metern. Stemm jedenfalls erklärt: „Wir haben  bereits eine vollständige Analyse der besten Werkzeuge und Techniken erstellt, um die Bergung der Ladung effektiv und im Zeitplan durchzuführen.“ Förderlich ist in diesem Zusammenhang sicherlich auch, dass das Wrack auf ebenem Kiel liegt und der Silberschatz wahrscheinlich über die Ladeluken zugänglich sein wird. Ein Spaziergang wird die Bergungsaktion bei aller Hightech nicht werden. Der Tauchroboter Zeus jedenfalls benötigte allein für seinen Weg zum Meeresboden rund dreieinhalb Stunden.

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Eingeordnet unter 20. Jahrhundert, 5 Neuzeit, Archäologie, Unterwasserarchäologie

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