"Technik der Antike", ein Buch über das antike Ingenieurwesen

Ob gewaltige Aquädukte, zerstörte Gebirgslandschaften oder gepflasterte Fernstraßen, die Relikte antiker Ingenieurskunst sind noch heute unübersehbar. Teilweise versehen antike Bauwerke noch heute ihren Dienst.

9783806220803-bSo selbstverständliche Hilfsmittel wie Wasserhähne, Kolbenpumpen, Ventile oder Flaschenzüge haben ihren Ursprung in der antiken Technologie. Mit ihrem Buch „Technik der Antike“ hatte sich die Archäologin Brigitte Cech zur Aufgabe gemacht, „die beeindruckenden technischen Leitungen der griechischen und römischen Antike möglichst umfassend und vor allem verständlich darzustellen.“

Die Technik von Sonnen und Wasseruhren

Zweifellos dient es dem Verständnis des Lesers, wenn im ersten Kapitel zunächst einmal die Quellenlage vorgestellt und kurz diskutiert wird und im Zweiten die Grundlagen des antiken Ingenieurswesens, wie Energiequellen und naturwissenschaftliche Erkenntnisse folgen. Und wer in der Schule nicht so recht verstanden hat, warum er die Lehrsätze des Thales von Milet oder den Satz des Pythagoras pauken sollte und welche Begeisterung die intime Kenntnis rechtwinkliger Dreiecke mit ihren Katheten und Hypotenusen beim Mathematiklehrer auslösen konnte, der wird spätestens beim Kapitel antike Messtechnik eine erste Idee von der Bedeutung der Geometrie für das Ingenieurswesen erhalten. Messtechnik in der Antike, das sind die verschiedenen ausgeklügelten Prinzipien der Sonnen- oder Wasseruhren zur Zeitmessung. Zur Messtechnik gehört aber auch die Winkel- und Entfernungsmessung, das Berechnen von Steigungen oder das Abstecken von rechten Winkeln.

Antike Tunnel und Wasserleitungen

Ob für den Straßen, Tunnel- oder Brückenbau, ob zur Planung und Konstruktion gewaltiger Wasserleitungen, zur Errichtung von Staudämmen oder mächtiger Gebäude, die Messtechnik war hier von ebenso großer Bedeutung wie die im 5. Kapitel beschriebene Bautechnik. Dabei ging es auch in der Antike hochmodern zu. Die Messverfahren und -geräte entsprachen, wie Brigitte Cech in ihrer „Technik der Antike“ feststellt, weitgehend denen der modernen Geodäsie vor der Einführung elektronischer Geräte.

Betrachtet man die imposanten architektonischen Leistungen der Antike, so stellt sich dem Betrachter immer wieder die Frage: „wie haben die das bloß gemacht“. Durch die Lektüre von „Technik der Antike“ erhält man detaillierte Antworten auf diese Frage. Das werden die unterschiedlichsten Mauertechniken vorgestellt, die Baumaterialien wie beispielsweise der auch unter Wasser aushärtende Mörtel erklärt oder Baugerüste, Fundamentierung, Bogen- und Gewölbebau behandelt.

Wasserversorgung der Stadt Rom

Faszinierend auch das weite Feld der Wassertechnik mit ihrer Kanalisation, Leitungssystemen oder Hebe- oder Energiegewinnungstechniken. Agrar-, Schiffbau-, Kriegs- und Bergbautechnik runden das Gesamtspektrum ab. Die Anhänge mit antiken Maß- und Gewichtseinheiten, der Funktionsweise der römischen „Rechenmaschine“ Abakus, der mathematisch-technischen Konstruktion Uhrenflächen von Sonnenuhren, Beispielen der messtechnischen Bestimmung der Breite eines Flusses oder der Höhe einer Mauer, Daten zur Wasserversorgung der Stadt Rom und nicht zuletzt ein umfassendes Literaturverzeichnis regen zur Vertiefung des Themas „Technik in der Antike“ an.

Tatsächlich hat es Brigitte Cech nicht geschafft, über das Thema umfassend zu informieren. Das ist sachlich im Rahmen eines rund 250-seitigen Buches auch gar nicht möglich. Wollte man Cechs Anspruch in dieser Hinsicht gerecht werden, wäre eine Enzyklopädie mit zahlreichen Bänden erforderlich. Aber es ist der Autorin gelungen, die unglaubliche Bandbreite und die Nachhaltigkeit antiker Ingenieurskunst bis in unsere Zeit hinein zu vermitteln.

Antike Ingenieurleistungen als Problemlösungsstrategien

Um dem selbst gestellten Anspruch gerecht zu werden, die technischen Leistungen der griechischen und römischen Antike vor allem verständlich darzustellen, wäre eine weniger fachliche Wortwahl und ein nicht ganz so nüchterner Stil sicherlich hilfreich gewesen. Das Buch „Technik in der Antike“ ist aber durchaus empfehlenswert, ist es der Autorin doch gelungen, die von ihr ausgewählten einzelnen Aspekte antiker Technik anhand exemplarischer antiker Projekte und vor allem technischer Illustrationen zu veranschaulichen. Die Archäologin, die am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien für Montan- und Industriearchäologie habilitiert hat, geht bei der Darstellung ihrer Beispiele problemorientiert vor. Die Stärke dieses Überblicks über Aspekte der antiken Technik liegt daher vor allem darin, dass es sich nicht um eine relativ unvermittelte Leistungsschau antiker Ingenieurkunst handelt. Die vorgestellten antiken technischen Verfahren und Lösungen erklären sich bei der Autorin immer wieder aus der Aufgabenstellung und den natürlichen und physikalischen Rahmenbedingungen mit denen sich die Menschen damals wie heute auseinandersetzen müssen.

Brigitte Cech: Technik in der Antike. Theiss Verlag 2010. Gebunden mit Schutzumschlag, 256 Seiten.

 

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