"Verwandlungen des Stauferreiches", ein Tagungsband

„Verwandlungen des Stauferreichs, drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa“ lautet der Titel des Buches, in dem die Vorträge der rund 30 Wissenschaftler veröffentlicht und kommentiert sind, die sich Ende 2008 im Rahmen eines Kolloquiums Gedanken zur Mannheimer Ausstellung der Reiss-Engelhorn-Museen „Staufer und Italien“ 2010 gemacht hatten.

9783806223651-bEs handelt sich hier um wissenschaftliche Vorträge, die an den Leser hinsichtlich historischer Vorbildung und „Sprachkompetenz“ gewisse Ansprüche stellen. „Verwandlungen des Stauferreichs“ ist aber auch nur die Erste einer Reihe von Publikationen zur Ausstellung, die – wie das doppelbändige Begleitbuch zur Ausstellung – auch den Lesege- und Wahrnehmungswohnheiten durchschnittlich vorgebildeter, an Geschichte interessierter Menschen entgegengekommen ist. Der hier vorgestellte Tagungsband hingegen vermittelt neben detaillierten historischen Informationen und Zusammenhängen aus der Stauferzeit vor allem eine hochinteressante wissenschaftliche Diskussion über das Thema „Herrschaft und Innovation im Mittelalter“.

Drei Innovationsregionen der Stauferzeit

Denn für die Wissenschaftler war das vorgegebene Thema „Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa“ bei dem sogar die Regionen schon vorher ausgewählt waren, eine echte Herausforderung, die noch durch den Zusammenhang zu den Staufern einen besonderen Reitz erfahren hatte. Die Verbindung des Themas Innovation im Mittelalter mit der publikumswirksamen Herrscherdynastie der Staufer verlangt einiges an Arbeit, will man sie nicht nur zeitlich, sondern auch in ihren Wirkzusammenhängen darstellen. Immerhin ist die Geschichtswissenschaft von der Vorstellung, dass „große Männer“ Geschichte machen, längst abgekommen, die realen Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen und strukturellen Entwicklungen in den ausgewählten Regionen und dem Handeln der Herrscher kaum erforscht.

Tatsächlich zeigen die Referenten, dass die Stauferzeit eine der prägendsten und innovativsten Epochen für die europäische Geschichte gewesen war und dass hierbei die ausgewählten Regionen, Rhein-Main-Neckar, Oberitalien und Sizilien, eine wesentliche Rolle gespielt hatten.

Herrschaft und Innovation im Stauferreich

Ob, um es einmal Laienhaft auszudrücken, diese innovativen Entwicklungen trotz, wegen oder unabhängig von den Staufern stattgefunden hatten, sind im Grunde die wesentlichen Fragen, die die wissenschaftliche Diskussion des Kolloquiums bestimmt hatte. Die Veränderungen selbst sind in vielen Bereichen wie Architektur, Technik, Herrschaftsformen, Kultur, Wissenschaft oder Ökonomie und Verkehr relativ gut auszumachen. Die konkreten Prozesse und Triebkräfte die zu den jeweils spezifischen regionalen Ausformungen von Strukturveränderungen geführt hatten, sind hingegen noch Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion, ebenso die nachweisbaren gegenseitigen Beeinflussungen der „Innovationsregionen“. Die auf dieser Basis entwickelte Ausstellung stellt im Grunde erst den Beginn eines langjährigen internationalen Forschungsprojektes dar. Dabei geht es, legt man das vorliegende Vortragsspektrum und die jeweils am Ende eines Themenkomplexes publizierten Kommentare sowie die abschließenden Bemerkungen zu Grunde, auch um eine grundlegende Strukturierung des Forschungsfeldes und eine Verständigung auf gemeinsame Begriffsdefinitionen als Arbeitsgrundlage.

Internationale Stauferforschung

Die Im Tagungsband abgehandelten Themenbereiche umfassen neben den Staufern selbst, Formen und Veränderungen von Herrschaftsorganisation, Konflikten und ihren Lösungsstrategien, Netzwerke, Waren, Wissens- und Kulturtransfer, natürlich Spiritualität, Architektur und vieles Andere mehr. Dabei war das Wissenschaftlerkollegium nicht nur international, sondern auch ausgesprochen interdisziplinär. Die Herausgeber des Tagungsbandes sehen in „Verwandlungen des Stauferreichs“ bereits ein Standardwerk der stauferzeitlichen Geschichte, das dem Ausstellungsbesucher eine wissenschaftliche Vertiefung des in der Ausstellung Präsentierten, der Fachwelt eine Grundlage zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema bietet. Durch die mit Tagung und Ausstellung neu angestoßene Stauferforschung dürfte „Verwandlungen des Stauferreichs“ sicherlich nicht das einzige aktuelle Standardwerk zum Thema bleiben. Denn schon im Herbst 2009 hatte die zweite Tagung, ebenfalls unter Beteiligung der Reiss-Engelhorn-Museen stattgefunden. Und

Schneidmüller, Weinfurter, Wieczorek (Hrsg.): Verwandlungen des Stauferreichs.
Theiss Verlag 2010. Hardcover mit Schutzumschlag, 496 Seiten.

 

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Eingeordnet unter 3 Mittelalter, Ausstellungen, Rezension

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