Odyssey auf der Suche nach den Wrack der SS Gairsoppa

Als das betagte Dampfschiff SS Gairsoppa am 17. Februar 1941 vor der britischen Küste von einem deutschen U-Boot torpediert wurde, da nahm es nicht nur seine Landung, bestehend aus Roheisen, Tee und Silberbarren mit auf den Meeresgrund, sondern auch 31 der 32 Besatzungsmitglieder.

Odyssey- Tauchroboter Zeus. Foto: Odyssey

Odyssey- Tauchroboter Zeus. Foto: Odyssey

Um nun die Ladung zu bergen, die 1941 einen Wert von umgerechnet knapp 700.000 Euro verkörperte, hatte die britische Regierung einen Bergungsvertrag ausgeschrieben. Den Zuschlag hatte am 25.01.2009 die US-Amerikanische Aktiengesellschaft Odyssey Marine Exploration Inc. erhalten, die sich im Sommer 2010 auf die Suche nach dem Unglücksschiff machen wollte.

Die Suche nach der SS Gairsoppa

Tatsächlich muss die SS Gairsoppa erst noch gefunden werden, bevor mit der Bergung der auf einen heutigen Wert von knapp 80 Millionen Euro geschätzten Ladung begonnen werden kann. Zwei Jahre, so war vertraglich festgelegt, hatten die privaten Schatzsucher nun Zeit, um das Schiff auf eigene Kosten zu suchen, Fundort und Wrack zu dokumentieren und die Ladung zu bergen. Als Lohn winkt immerhin der größte Teil der „Beute“. Misslingt das Vorhaben, so bleibt Odyssey Marine Exploration auf den Kosten sitzen. Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Greg Stemm allerdings gab sich in einer Pressemitteilung optimistisch. So liege das Wrack, über dessen Lage man recht gute Informationen habe, mit rund 2000 Metern in einer für Such- und Bergungsaktivitäten moderaten Tiefe. 90 Tage, so prognostizierte Stemm, werde man voraussichtlich für die Suche benötigen.

Odysseys Schätze der Vergangenheit

Sicherlich ist der Vertrag mit der britischen Regierung ein sehr willkommenes, weil offensichtlich relativ sicheres Geschäft für das kommerzielle Meeresforschungsunternehmen. Spektakuläre wirtschaftliche Erfolge der Aktiengesellschaft, die erst im Februar 2009 durch die Entdeckung von Sir John Balchins Flaggschiff Victory auf sich aufmerksam gemacht hatte, liegen vor allem mit der 2003 entdeckten SS Republik, einem Schiff des Amerikanischen Bürgerkriegs und dem ein wenig myteriösen Fundort aus der Kolonialzeit von 2007 mit dem Code-Namen „Black Swan“ bereits ein wenig zurück. Ansonsten ist das hochriskante Geschäft vor allem geprägt von juristischen Auseinandersetzungen hinsichtlich der Berge- und Verwertungsrechte von Odyssey- Entdeckungen, die die Verwertung einiger interessanter Funde seit langem verzögern.

Odyssey und die kommerzielle Archäologie

Obwohl Odyssey Maritime Exloration in seinen Publikationen großen Wert auf die Einhaltung höchster archäologischer Standards bei Suche, Dokumentation und Bergung legt, ist die kommerzielle Meeresforschung, die naturgemäß mit Schatzsuche verbunden ist, recht umstritten. Da gibt es Archäologen, die die privaten Unternehmungen eher als Raubgrabungen denn als archäologische Kampagnen sehen. Andere Fachleute begrüßen die private Initiative, die es immerhin auch ermöglicht, bei entsprechender Herangehensweise über die Archäologie und Dokumentation der natürlich auch kommerziell lukrativen Fundstätten, Erkenntnisse zu generieren, die ansonsten mangels geeigneter Mittel schlichtweg für immer untergegangen wären.

Und natürlich spielen auch nationale, hoheitliche Ansprüche und fiskalische Interessen bei der Bewertung der kommerziellen Archäologie eine große Rolle. Das Geschäft mit der Schifffahrtsgeschichte beinhaltet dabei auch internationale Komplikationen.

SS Gairsoppa ein Veteran in der Atlantikschlacht

Bei der SS Gairsoppa allerdings scheinen die Verhältnisse klar. Das Wrack liegt eindeutig in britischen Hoheitsgewässern, die Ladung ist britisches Eigentum und der abgeschlossene Bergungsvertrag garantiert vollkommene Rechtssicherheit für alle Beteiligten.

Als das Schiff auf Kiel gelegt wurde, geschah dies unter dem Namen SS War Roebuck im Auftrag des Britischen Ministeriums für Kriegstransporte. Bereits während des Baus übernahm jedoch die British India Steam Navigation Company 1919 das Schiff und nannte es in SS Gairsoppa um. Viele Jahre befuhr das in Newcastle gebaute 5237 Tonnen- Schiff als Fracht- und Passagierdampfer die Gewässer im fernen Osten, Australien und Ost-Afrika, bevor es noch während seiner Heimreise aus Kalkutta im Januar 1941 vom Britischen Ministerium für Kriegstransporte verpflichtet wurde.

SS Gairsoppa, torpediert und versenkt

Ohne Geleitschutz steuerte der Konvoi SL-64, dem sich die Gairsoppa angeschlossen hatte einen Treffpunkt mit dem eskortierten Geleitzug HG-63 im Atlantik an. Schwere See und Stürme machten es dem alten, schwerbeladenen Dampfschiff, dessen Spitzengeschwindigkeit gerade einmal bei 10 Knoten lag, schwer, den Anschluß an den sogenannten 8- Knoten- Konvoy zu halten. Als sich das Wetter noch verschlechterte, sah sich der Kapitän der SS Gairsoppa gezwungen, den Geleitzug, dem er wegen Brennstoffmangels nicht mehr folgen konnte, zu verlassen und nach Galway in Westirland zu steuern, um dort Kohle zu bunkern.

Auf diesem Weg wurde die SS Gairsoppa durch ein Deutsches Aufklärungsflugzeug geortet und am 17.02.1941 vom U-Boot 101 torpediert und versenkt. Obwohl die 32- köpfige Mannschaft in die Boote gegangen war, erreichte 13 Tage später nur ein einziger Überlebender die irische Küste.

SS Gairsoppa, Seegrab oder Schatztruhe?

Sollten sich noch Überreste von Mannschaftsmitgliedern an Bord des Wracks der Gairsoppa befinden, droht bereits die nächste Kontroverse um die „Schatztaucherei“. Bereits jetzt jedenfalls werden in Kommentaren zu Berichten über das Bergungsvorhaben auf den online-portalen britischer Zeitungen die Vorwürfe der Störung der Totenruhe und Entweihung eines Seegrabes aus Profitgründen laut. Für den Fall, dass tatsächlich menschliche Überreste in dem Wrack gefunden werden, enthält der Vertrag nach Informationen der Londoner „The Sunday Times“ strikte Regeln, die bei der Bergung einzuhalten sind. Darüber, ob in diesem Zusammenhang unter Umständen auch ein Abbruch der Bergungsarbeiten vorgesehen ist, ist derzeit nichts bekannt. Noch aber muss das Schatzschiff gefunden werden und 2011 hat das inzwischen unter Zeitdruck stehende Unternehmen „Odyssey“ mit dem russischen Schiff „Yuzhmorgeologiya“ eine gewichtige Unterstützung hinzugechartert.

 

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Eingeordnet unter 20. Jahrhundert, Archäologie, Schifffahrtsgeschichte, Unterwasserarchäologie

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