Von den Pyramiden bis zur Haghia Sophia – große Bauwerke der Antike

Auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag: es geht nicht um Architektur im engeren Sinne, selbst wenn das Buch „Große Bauwerke der Geschichte“ mit der Beschreibung der zeichnerischen Rekonstruktion teils weitgehend untergegangener Bauwerke beginnt.

datei3_jhnigBereits bei den ersten vorgestellten Bauwerken, den ägyptischen Pyramiden, wird deutlich, dass es um die kulturgeschichtlichen Hintergründe der architektonischen Höchstleistungen unserer antiken Vorfahren geht. Und auch, wenn das mit den großformatigen farbigen Rekonstruktionszeichnungen von Jens Jähnig ausgestattete Buch den historisch informierten Leser inhaltlich nicht häufig überrascht, so räumt der Autor Holger Sonnabend mit weit verbreiteten falschen Publikumsvorstellungen zu Bauwerken und deren Geschichte immer wieder gründlich auf.

Der wahre Name des Pharao Cheops

Das beginnt mit so einfachen Dingen wie dem Namensgeber der Cheopspyramide. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot war es nämlich, der dem  zwischen 2551 und 2528 vor unserer Zeitrechnung regierenden Pharao Chnum Chufu im 5. vorchristlichen Jahrhundert den Namen verliehen hatte, unter dem er heute nahezu ausschließlich bekannt ist: Cheops. Herodots Schilderungen über den Bau der Pyramiden ist es auch zu verdanken, dass sich bis heute die alttestamentarische Vorstellung durchgesetzt hat, das Volk Israel sei von den Ägyptern zwecks Pyramidenbau versklavt worden. Jähnig hingegen bezeichnet die Israeliten historisch korrekt als „Arbeitsmigranten“, die von den „guten Beschäftigungsmöglichkeiten im Nachbarland angelockt“ worden seien.
Den Palast von Knossos entlarvt Jähnig als phantasievolle Rekonstruktion aus Beton und den angeblich historischen König Minos als antiken Mythos, der allerdings einer ganzen realen Kultur seinen Namen gegeben hat.

Aphaia, die Unsichtbare von Aegina

„Große Bauwerke der Antike“ erzählt über die Motive der Bauherren, sich im monumentalen Prachtbauten zu verewigen, über Menschliches, über geschichtliche Hintergründe und über die Art unserer antiken Vorfahren, materielle Zeitzeugen von Geschichte zu erklären, die bereits damals längst in Vergessenheit geraten war.

Als Beispiel sei hier der Aphaia-Tempel von Aegina genannt. Der Tempel zu Ehren einer Göttin, mit dem Namen „die Unsichtbare“, also Aphaia, wurde im 7. Jahrhundert  an einer Stelle der aufstrebenden Handelsmacht Aegina errichtet, an der sich bereits eine vermutlich aus dem 14. vorchristlichen Jahrhundert stammende Kultstätte der wohl kretischen Göttin Britomaris befunden hatte. Als der Tempel gebaut wurde, wußten die Aegineten nichts mehr über den Ursprung der kretischen Göttin, die hier den Namen Aphaia trug. Und so entwickelte sich eine Legende, in der die Zeustochter Britomaris vor dem Liebeswerben des kretischen Minos auf die Insel Aegina geflohen und dort für immer in einem Wald verschwunden war. Zu Ehren der seitdem „Unsichtbaren“ war das Heiligtum und der spätere Tempel errichtet worden, der weniger wegen der Legende, sondern wegen seines außergewöhnlichen Giebelschmucks im 19. Jahrhundert berühmt geworden war.

Die lange Liste der sieben Weltwunder

Unter den 25 ausgewählten Bauwerken der antiken Monumente finden sich natürlich auch die sieben Weltwunder. Dabei ist die Liste der sieben Weltwunder länger als man glaubt. Denn schon in der Antike wetteiferten die außergewöhnlichen Monumente um die Aufnahme in das „antike Weltkulturerbe“ und die „Juroren“ in Form der griechischen und römischen Geschichtsschreiber waren sich diesbezüglich durchaus nicht einig. Das Buch „Große Bauwerke der Antike“ erzählt jedenfalls auch vom Leuchtturm von Alexandria, vom Koloss von Rhodos, selbstverständlich dem Collosseum in Rom, dem Pergamonaltar oder dem rätselhaften Grabmal des Theoderich in Ravenna. Es ist jeweils die ganze Lebensgeschichte der Bauwerke, die da erzählt wird, angefangen von den Hintergründen der Entstehung, ihrer historischen Bedeutung, ihres Untergangs und ihres Verbleibs, gegebenenfalls ihrer gar nicht so seltenen Renaissance im 19. Jahrhundert unter allerdings anderen kulturgeschichtlichen Vorzeichen als bei ihrer Entstehung.

So erfährt der Leser natürlich auch, wie die Figuren des Westgiebels des Aphaia-Tempels in die Glyptothek nach München kamen oder Pergamonaltar und babylonisches Ishtar-Tor ihren Weg in das Berliner Pergamonmuseum fanden. Man lernt den kreativen Archäologen Arthur Evans kennen, der um 1900 den Palast von Knossos wiedererstehen ließ oder  den bauwütigen Kaiser Antonius Pius, der unter anderem den Juppiter-Tempel von Heliopolis zu seiner monumentalen Größe ausbauen ließ.

Von der Cheopspyramide zur Haghia Sohpia

Die 25 Monumente sind gut gewählt, führen sie doch sehr anschaulich durch die zentralen Kulturen der Antiken Welt, und durch den gesamten Zeitraum, beginnend mit dem Pharao Chepos und seiner Pyramide aus dem 3. vorchristlichen Jahrtausend und endend mit der Haghia Sophia, deren erster Vorgängerbau von Konstantin dem Großen 326 nach Christus errichtet und deren 558 errichtete Nachfolgekirche 1453 nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken zur Moschee wurde.

Jens Jähnig, Holger Sonnabend: Große Bauwerke der Antike, von den Pyramiden zur Haghia Sophia. Primus Verlag 2009. Gebunden mit Schutzumschlag, 159 Seiten.

 

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