Ein Buch über die Feldzüge Alexanders des Großen

„Alexander der Große und seine Feldzüge“, ein Buch über Machtpolitik, Strategien, Schlachten und Armeen während der Eroberung des makedonischen Weltreiches. Die Veröffentlichung bei Theiss ist die deutschsprachige Ausgabe eines Buches von Osprey Publishing, einem auf Militärgeschichte spezialisierten britischen Verlag, der für seine hervorragend recherchierten und illustrierten Publikationen bekannt ist.

2246 - Alexander der GroßeAuch „Alexander der Große und seine Feldzüge“ zeichnet sich durch anschauliche Landkarten und Grafiken, Chronologien, Zeichnungen, Fotos und Kästen mit ergänzenden Kompaktinformationen sowie Schaubildern zu den beschriebenen Schlachten aus. Und die Informationen: kompakt, sachlich und kompetent.

Bewaffnung und Struktur antiker Streitkräfte

Ruth Sheppard, Dozentin für Alte Geschichte am St John´s College in Oxford und Herausgeberin mehrerer Bücher zu militärhistorischen Themen hat in „Alexander der Große und seine Feldzüge“ auf ein Vorwort beziehungsweise eine Einführung verzichtet und stattdessen die politischen Entwicklungen in Griechenland und Persien seit dem 5. Jahrhundert, die damit verbundenen Perserkriege und schließlich den Aufstieg Makedoniens unter Philipp II. in den ersten Kapiteln dargestellt. In diesem Zusammenhang erfährt der Leser wie unterschiedlich sich die antiken Streitkräfte der zahlreichen Stadtstaaten, Bündnisse und Reiche zusammensetzten, wie sie organisiert waren und welche Kriegstaktiken und Kampftechniken sich aus eben diesen Unterschieden, die sich auch in Bewaffnung und Training ausdrückten, ergaben.

Das Weltreich Alexander des Großen

Philipp II. hatte sich nicht nur durch machtpolitisches Geschick, sondern auch durch eine große militärische Reformbereitschaft und hervorragende Qualitäten als Feldherr ausgezeichnet. So konnte sein Sohn Alexander III., der bereits sehr erfolgreich an den Kriegszügen seines Vaters teilgenommen und zudem eine hervorragende intellektuelle Ausbildung genossen hatte, für seine ehrgeizigen Pläne auf eine gut organisierte und flexibel einsetzbare Armee zurückgreifen.
Die war bei der Thronbesteigung Alexanders auch dringend notwendig, galt es doch zunächst, die unruhigen nördlichen Nachbarn Makedoniens, die Thraker, die Triballer und Illyrer militärisch in ihre Schranken zu verweisen und nicht zuletzt durch die Zerstörung Thebens Alexanders Führungsanspruch in Griechenland zu untermauern. Erst danach war Alexander der Große bereit, gegen das persische Reich zu ziehen und sein Weltreich zu erobern, das sich vom Balkan bis nach Ägypten, Afghanistan und Indien erstreckte.

Belagerungstechnik und Flotte Alexander des Großen

Das Buch „Alexander der Große und seine Feldzüge“ ist nicht nur geprägt von der detaillierten Beschreibung der Schlachtabläufe oder den verblüffend präzisen Angaben über Truppenstärken, Ausrüstung, Waffengattungen und deren Einsatzmöglichkeiten, Informationen zu  taktischen Entscheidungen und natürlichen und logistischen Rahmenbedingungen der Militärkampagnen. Hier finden sich mit der „Belagerung von Thyros“ auch ausführliche Darstellungen über Alexanders Belagerungstechniken und Flotteneinsätze, Informationen die üblicherweise vor der Beschreibung der spektakulären Landschlachten des genialen Feldherrn in den Hintergrund gedrängt werden.

Militärgeschichtliche der Epoche Alexander des Großen

Das Buch ist ohne Zweifel ein hervorragender historischer und militärhistorischer Überblick über die Perserkriege, die „Makedonisierung“ der griechischen Welt und die Hellenisierung des Orients, in deren Mittelpunkt Alexander der Große steht.

Bedauerlich nur die oft recht unelegante, manchmal wohl zu eng am englischen Originaltext orientierte Übersetzung, die gelegentlich zu inhaltlichen Unklarheiten und stilistischen Merkwürdigkeiten führt und manchmal den Wunsch nach einer Überprüfung des Textes am englischsprachigen Original aufkommen lässt.

Ruth Sheppard: Alexander der Große und seine Feldzüge. Theiss 2009. Gebunden mit Schutzumschlag, 256 Seiten.

 

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