Die germanischen Prunkgräber von Stráže und Zakrzów

Die germanischen Prunkgräber von Stráže und Zakrzów die in dem Buch „Wanderer zwischen den Welten“ behandelt werden, gehören zur östlichen Gruppe der germanischen Prunkgräber der römischen Kaiserzeit des 3. Jahrhunderts, die in Skandinavien, Mitteldeutschland und Osteuropa Schwerpunkte ausformen.

WandererIm Gegensatz insbesondere zur mitteleuropäischen Gruppe, die sich durch eine gewisse Anhäufung sowohl der Gräber als auch der Bestattungen auszeichnet, besteht die östliche Gruppe aus weit verstreuten Gräbern mit wenig Bestattungen. Besonders auffällig vor allem an den Gräbern von Stráže und Zakrzów ist jedoch die überaus reiche Ausstattung der Grablegen, wie Dieter Quast, Autor von „Wanderer zwischen den Welten“, betont.

Es ist aber nicht nur der Reichtum der Grabausstattung, unter anderem in Form von teils recht gewichtigen Edelmetallartefakten und hochwertigen Schmuckgegenständen, die die beiden 2009 im Rahmen einer Sonderausstellung des Römisch- Germanischen- Zentralmuseums in Mainz vorgestellten germanischen Prunkgräber hervorhebt. Auch die relativ ungewöhnliche Steinmauerkonstruktion der Grabkammern verlangt nach plausiblen wissenschaftlichen Interpretationen. Die Tatsache, dass sich hier wie in den anderen zeitgenössischen germanischen Prunkgräbern ebenfalls bedeutende Luxusgegenstände aus dem römischen Reich fanden, wirft die Frage nach dem Verhältnis der germanischen Eliten zu den Römern und umgekehrt auf. Da trifft es sich gut, dass die Ausstellung und damit das Buch zu den beiden germanischen Prunkgräbern auf das Projekt „Germanische Fürstengräber der Römischen Kaiserzeit im Spannungsfeld zwischen Römischem Reich und germanischem Umfeld“ zurückgeht, dass seit einigen Jahren Teil des Forschungsschwerpunktes „Eliten“ im Römisch Germanischen Zentralmuseum ist.

Die germanischen Eliten und das Römische Reich

Nach einer knappen Darstellung der Rahmenbedingungen, also der Krise des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert, führt Quast zunächst in die Verteilung und Bedeutung der germanischen Prunkgräber im Barbaricum dieser Zeit ein, um sich in den folgenden Kapiteln auf die östliche Gruppe und schließlich auf Lage, Fundgeschichte und Datierung der Gräber von Stráže und Zakrzów zu konzentrieren. Die Beiträge zu den Bestatteten beziehungsweise deren Überreste, Bestattungsritus und Grabbau dienen dem besseren Verständnis des Hauptteils des Buches: die Vorstellung, Beschreibung und Interpretation vor allem der römischen Artefakte unter der Überschrift „Luxus aus dem Römischen Reich“. Ohne zu verstehen, welche Funktion die Grabbeigaben sowohl als Gegenstände als auch rituell hatten, lassen sich letztendlich auch kaum ernsthafte Schlussfolgerungen über die zentrale Fragen zum Verhältnis der germanischen Eliten zum Römischen Reich und umgekehrt ableiten.

Vernetzung der germanischen Eliten

Die Kapitel „Das Bankett –mit Speis und Trank ins Jenseits“, „Körperpflege und Spiel, Kleidung und Schmuck – barbarische Rangabzeichen und Herrschaftssymbole“ und „Bilderwelten – kultische Kommunikation“, helfen nicht nur die Grabbeigaben selbst besser in die Welt der germanischen Eliten jener Zeit einordnen, sondern auch, die Interpretation des historischen Kontextes nachvollziehen zu können.

Für Quast und die an den Forschungen beteiligten Wissenschaftler kristallisiert sich letztendlich heraus, dass die germanischen Eliten der sich im 3. Jahrhundert formierten Stammesverbände durchaus teilweise „romanisiert“ waren. Die Prunkgräber mit ihren römischen oder römisch imitierten Beigaben, lassen auf einen regen kulturellen Austausch zwischen Römischem Reich und germanischen Eliten auch außerhalb der bislang angenommenen römischen Einflusssphäre und über die bekannten Konflikte hinaus, schließen. Intensive diplomatische Kontakte, barbarische Kriegerkontingente in römischen Diensten und nicht zuletzt die weiträumige Vernetzung der germanischen Eliten untereinander waren Grundlage eines gegenseitigen Kulturtransfers.

Nicht zuletzt bestätigen in diesem Kontext auch die schriftlichen Quellen, dass eine politisch- militärische Kooperation zwischen den germanischen Eliten und den römischen Machthabern durchaus in beiderseitigem Interesse gewesen war.

Germanische Eliten als Wanderer zwischen den Welten

Diese Schlussfolgerungen sind inhaltlich sicherlich nicht revolutionär. Was aber sowohl die zugrundeliegende Forschung als auch Buch und Ausstellung mit dem so passenden Namen „Wanderer zwischen den Welten“ so spannend machen, ist die Tatsache, das sich aus den früheren Spekulationen zu diesem Thema nun immer klarere und plausiblere Modelle der historischen Prozesse jener Zeit herauskristallisieren, das Bild auch der germanischen Eliten und der komplexen Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen germanischer und römischer Geschichte immer schärfere Konturen annimmt.

Das vorliegende Buch ist, ohne Zugeständnisse an das wissenschaftliche Selbstverständnis des Römisch- Germanischen- Zentralmuseums, gut zu lesen. Detaillierte Informationen zu den Artefakten und vor allem auch die visuell hervorragende Dokumentation der Exponate und nicht zuletzt die entsprechend dem Buchinhalt gegliederten Literaturhinweise machen Band 6 aus der Reihe „Mosaiksteine, Forschungen am Römisch- Germanischen Zentralmuseum“ für jeden am Thema Interessierten zu einer wahren Fundgrube.

Dieter Quast: Wanderer zwischen den Welten – die germanischen Prunkgräber von Stráže und Zakrzów. Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 2009. Gebunden, 64 Seiten.

 

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