HMS Warrior, die Wiedergeburt eines Panzerschiffes

Zwei Männern ist es zu verdanken, dass das bei seiner Indienststellung im Jahr 1860 modernste und revolutionärste Panzerschiff, die HMS Warrior der Royal Navy, heute in seinem Originalzustand als einer der Publikumsmagneten in Portsmouth Historic Dockyard zu besichtigen ist.

HMSWarriorSir John Smith, Mitglied des britischen Parlaments, hatte sich bereits 1962 durch die Gründung einer Stiftung, des Manifold Trust, für die britische Denkmalpflege stark gemacht. 1967 führte er die Kampagne zum Erhalt und Wiederaufbau der HMS Warrior durch, die in jener Zeit bereits seit 50 Jahren ein elendes Dasein als schwimmender Öltank gefristet hatte. Als sich aus dieser Kampagne schließlich ein vom Duke of Edinburgh unterstütztes Warrior- Komitee entwickelte, aus dem wiederum der Maritime-Trust entstand, war der wichtigste Schritt zur Rettung des damals mehr als 100 Jahre alten Panzerschiffes getan.

Die Rettung der HMS Warrior

John Smith, der feststellte: „wenn jedes Kriegsschiff des 19. Jahrhunderts noch existieren und einer Erhaltung zugänglich wäre, meine erste Wahl würde immer noch auf die Warrior fallen“,  stellte über seinen Manifold Trust die am Ende rund 10 Millionen £ Restaurationskosten sicher und das Schiff konnte 1979 dem Maritime Trust übergeben werden. Der schleppte den Rumpf des ehemals so stolzen Kriegsschiffes die rund 1300 Kilometer von seinem Liegeplatz im Hafen von Milford in Wales zur Gray Werft in Hartlepool, wo er am 3. September 1979 festmachte, um hier wieder in seinen Originalzustand des Jahres 1861 versetzt zu werden.

Das war keine leichte Aufgabe, denn nach den gerade einmal 10 Jahren aktiven Einsatzes als Kriegsschiff, fristete das Schiff die folgenden rund 100 Jahre sein Dasein als Depotschiff, schwimmende Lagerhalle und Öltank. Natürlich war die HMS Warrior zu diesem Zweck weitestgehend ausgeschlachtet und seiner Waffen, Maschinen und Einrichtungen beraubt worden. Und selbstverständlich existierten für eine originalgetreue Rekonstruktion kaum noch Pläne und Informationen. Intensive Forschungsarbeit war erforderlich.

Die Restaurierung der HMS Warrior

Es war sicherlich ein Glücksfall, dass das Royal Naval Museum den Restauratoren mit dem erst kurz zuvor entdeckten Tagebuch des Henry Murray hilfreich unter die Arme greifen konnte. Der 1861 als 14- jähriger Fähnrich auf der HMS Warrior dienende  Murray nämlich hatte in seinem Tagebuch Pläne und Diagramme, detaillierte Zeichnungen sämtlicher Einrichtungen, Ausrüstungen, Geräte angefertigt und dargestellt, wo und wie alles funktionierte. Unter anderem auf dieser Basis konnte das Panzerschiff innerhalb der folgenden acht Jahre originalgetreu in allen Details wiederhergestellt werden.

Zuvor aber galt es, den verbliebenen Rumpf von rund 80 Tonnen Müll und Schlamm und etwa 200 Tonnen Betonböden zu befreien, die die verrottenden Originalplanken bedeckten. Jedes Detail, jeder Bereich wurde natürlich sorgfältig vermessen, fotografiert und dokumentiert. Dabei erwies sich die Tatsache, dass unter anderem Teile im gepanzerten Mittschiffsbereich seit dem zweiten oder dritten Einsatz der Warrior als Kriegsschiff unverändert erhalten geblieben waren, als unschätzbarer Vorteil für die Rekonstruktion des gesamten Schiffes.

Die Rückkehr der Warrior

Die Wiederaufbauarbeit begann mit Reparaturen des beschädigten Buges, dabei konnte die von Tauchern geborgene Originalgalion wieder angebracht werden. Als ungewöhnliche Quelle für den Ersatz der verrotteten Planken des Schiffes dienten knapp 2000 Quadratmeter Piniendielen eines abgerissenen Lagerhauses in Bradford. Selbstverständlich gehörte auch das Entfernen von Rost und Farbe zu den Restaurationsarbeiten. Dabei fanden die Restauratoren an einigen Stellen bis zu 120 Schichten Farbe.

Als die HMS Warrior im Jahre 1987, originalgetreu in allen Details, fertiggestellt worden war, da hätte sie ohne Schwierigkeiten wieder in den aktiven Dienst in Königin Victorias Navy übernommen werden können. Auch der Fähnrich Henry Murray würde sich auf der neuen alten Warrior,  die am 16. Juni 1987 nach viertägiger Reise ihre triumphale Rückkehr in den Heimathafen Portsmouth feierte, sicherlich problemlos zurechtfinden.

Für den Bankier Sir John Smith, der am 28.02.2007 im Alter von 83 Jahren starb, war die Rekonstruktion der HMS Warrior wohl eine seiner wichtigsten Aktionen, auch wenn er Zeit seines Lebens zahlreiche denkmalpflegerische Projekte initiierte und finanzierte. Darunter befanden sich so bedeutende Projekte wie die Rekonstruktion von Brunels SS Great Britain, deren gestrandeter Rumpf zu diesem Zweck von den Falklandinseln bei Argentinien nach Großbritannien überführt werden musste.

 

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Eingeordnet unter 20. Jahrhundert, Ausstellungen, Schifffahrtsgeschichte

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