Die Forschungsschiffe von Cook, Flinders & Co

HMS Discovery

Als sich im 18. und 19. Jahrhundert die aufgeklärten Forscher Europas aufmachten, die Welt zu erkunden, da hatte auch die Geburtsstunde der speziellen Forschungsschiffe geschlagen.

Auch wenn die Reisen von James Cook, William Bligh oder Matthew Flinders unter Befehl der britischen Admiralität standen und die Schiffe wie Investigator, Endeavour, Resolution, Discovery, Beagle oder Bounty offiziell Kriegsschiffe waren, für den militärischen Flotteneinsatz waren diese Spezialfahrzeuge ganz sicher nicht geeignet. Dass  es dennoch die Royal Navy war, die ihre Schiffe und Kapitäne in die Weiten der meist noch unerforschten Welt schickte, hatte ganz praktisch-strategische Gründe. England, Frankreich und nicht zuletzt Holland waren in jener Zeit dabei, ihre miteinander konkurrierenden Kolonialreiche auszubauen und die Suche und Inbesitznahme neuer Länder, die Abgrenzung der Interessenssphären und die formale und militärische Sicherung von Gebietsansprüchen setzten eine möglichst genaue Kenntnis von Land und Leuten in den fernen Gefilden voraus.

Wissenschaft im Dienste der Krone

Für Admiralität und Krone waren die Schiffe der Forschungsreisenden Vermessungsschiffe, die die Aufgabe hatten, möglichst die ganze Welt zu kartographieren- nur so ließ sie sich aufteilen, beherrschen und wirtschaftlich nutzen. Die wissenschaftlichen Begleiter wie Forster, Darwin und viele andere waren dabei von unschätzbarem Wert. Mit den auf Kampfkraft oder Schnelligkeit getrimmten richtigen Kriegsschiffen jener Zeit, waren allerdings die wissenschaftlichen Aufgaben und die speziellen Anforderungen, die die Vermessungsreisen mit sich brachten, nicht zu bewältigen. Spezialschiffe mussten her.

Alle Schiffe, die von der Admiralität speziell für Vermessungsaufgaben beschafft wurden, waren Handelsschiffe, bauchige, recht schwerfällige Frachter mit geringem Tiefgang und großem Fassungsvermögen. Die robusten Kohletransporter, die an den englischen Küsten entlang und die Flüsse hinaufsegeln konnten, stellten dabei einen großen Teil der britischen „Forschungsflotte“.  Auch die HMS Endeavour, das Schiff der ersten Reise von James Cook (1768 – 1771) war mit ihren 368 Tonnen so ein robustes „Arbeitstier“ der Meere und als solches hervorragend für Forschungsfahrten geeignet. Für das flachbodige Schiff mit verstärktem Kiel waren seichte Küstengewässer kein Problem. Und auch ohne Vorhandensein eines Reparaturdocks, lies sich das Schiff für grundlegende Reparatur- und Wartungsarbeiten an den Strand ziehen. Immerhin war dieser Schiffstyp dafür konstruiert, auch am Strand be- und entladen zu werden. Zwischen 300 und 400 Tonnen Wasserverdrängung hatten die Schiffe üblicherweise, die damit zwar nicht zu den Großen ihrer Zeit gehörten, es aber hinsichtlich Platzangebot mit deutlich größeren Kriegsschiffen aufnehmen konnten.

HMS Resolution- der Kohlefrachter aus Whitby

Für den Einsatz als Vermessungs- Forschungsschiff, mussten jedoch einige Umbauten vorgenommen werden. Als Beispiel sei hier die HMS Resolution genannt, das Schiff der zweiten Forschungsreise von James Cook 1772 – 1775). Immerhin 462 Tonnen groß war die 34 Meter lange Bark, natürlich wie die meisten damaligen Forschungsschiffe, ein Kohlenschiff aus dem britischen Kohle- und Walfängerhafen Whitby. Der Ankauf des gerade einmal 14 Monate alten Schiffes hatte die Admiralität 4.151 Pfund gekostet, der Aus- und Umbau immerhin weitere 6.565 Pfund. Ein zusätzliches Deck für die mitreisenden Wissenschaftler, für Arbeitsräume und Ausrüstung mussten eingebaut werden, was auch konkrete Auswirkungen auf die Gestaltung des Oberdecks hatte, das zudem für den Transport von Pflanzen genutzt wurde. Oberlichter mussten an geeigneter Stelle installiert werden, um den Forschern, vor allem den Kartographen, die Arbeit zu erleichtern. Natürlich gehörten für die jahrelangen Reisen auch Laderäume für Proviant, Instrumente, Ausrüstung, Tauschgüter dazu, ganz davon abgesehen, dass ja auch die unzähligen Gegenstände der fleißig sammelnden Wissenschaftler und Offiziere untergebracht werden wollten

William Bligh und Cooks dritte Reise

Aus einem robusten Frachtschiff ein veritables Forschungsschiff zu machen, war also recht aufwändig, das gilt auch für eines der wohl berühmtesten Schiffe, der mit 215 Tonnen vergleichsweise kleinen HMS Bounty. Der ehemalige Kohletransporter Namens Bethia war nämlich für einen wirtschaftspolitischen Spezialauftrag in ein schwimmendes Treibhaus für Brotfrüchte umgebaut worden. Zwar hatte die Reise, die 1789 mit der Meuterei so unglücklich enden sollte, keinen wissenschaftlichen Hintergrund, der mit der Mission beauftragte William Bligh jedoch war ein erfahrener Spezialist für Forschungsreisen. Immerhin hatte er als Steuermann der HMS Resolution an Cooks dritter Reise (1776- 1779) teilgenommen, die von einem –wie könnte es anders sein- umgebauten Kohlefrachter, der 299 Tonnen großen HMS Discovery begleitet worden war.

Auf seiner zweiten, diesmal erfolgreichen „Brotfruchtmission“ gehörte 1791 zu Blighs Midshipmen, also Offiziersanwärtern, auf dem umgebauten 406 Tonnen- Frachter HMS Providence, übrigens ein gewisser, damals 17- Jähriger Mattew Flinders. Flinders war es, der 1801/02 mit seinen 334 Tonnen Forschungsschiff HMS Investigator (ehemals Kohlefrachter) im Auftrag seiner Majestät Australien vollständig umrundet und kartographiert hatte.

Südpolarschiff Gauss

Die Reihe der Beispiele für frühe Forschungsschiffe könnte natürlich noch fortgesetzt werden, insbesondere wenn man auch die anderen Regionen der Welt, wie Arktis oder Antarktis hinzunimmt. Gemeinsam ist fast allen, dass es sich um für den jeweiligen Einsatz umgebaute Zivilschiffe handelte. Es sollte noch einige Zeit vergehen, bis beispielsweise 1901 mit dem deutschen Südpolarschiff Gauss Schiffe eigens für wissenschaftliche Zwecke gebaut wurden.

 

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Schifffahrtsgeschichte, Zeitalter der Entdeckungen

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