Cook/Forster- die Sammlung in Göttingen

Dass sich mit der Cook/Foster Sammlung ausgerechnet in der kleinen Universitätsstadt Göttingen eine der bedeutendsten ethnologischen Sammlungen überhaupt befindet, hat interessante historische Hintergründe.

800px-Endeavour,_Thomas_Luny_1768In der 2009/2010 in Bonn gezeigten Ausstellung „James Cook und die Entdeckung der Südsee“ stellten die Artefakte der Göttinger Cook/Foster- Sammlung einen wesentlichen Teil der Präsentation dar. In Göttingen selbst allerdings fristen einige Artefakte der immerhin mehr als 500 Stücke umfassenden Sammlung von Weltrang ein eher bescheidenes öffentliches Dasein als Teil der nur Sonntags für zwei Stunden für das Publikum geöffneten Lehrsammlung des ethnologischen Instituts der Universität Göttingen. Der Rest schlummert im Archiv der Einrichtung.

Die Cook/Forster- Sammlung umfasst mehr als 230 Jahre alte Gegenstände, vor allem von der zweiten Südseereise Cooks, an der als Wissenschaftler die deutschen Naturforscher Johann Reinhold Forster und sein Sohn Georg teilnahmen und die unter anderem Besuche der Tonga- Inseln, der Neuen Hebriden (heute Vanatu) und der Osterinsel beinhaltete. Das sich diese Sammlung „natürlicher und künstlicher Kuriositäten“ aus der Südsee, wie Gegenstände von besonderem wissenschaftlichen Interesse im 18. Jahrhundert genannt wurden, in Göttingen etablieren konnte, liegt vor allem in der Geschichte der Göttinger Universität selbst begründet. Die 1734 gegründete und 1737 eingeweihte Georg- August- Universität war nämlich eine der ersten Reformuniversitäten Europas, ausdrücklich dem Gedanken der Aufklärung verpflichtet. Auf der Suche nach neuen, wissenschaftlichen Erklärungen der Welt, waren die Erkenntnisse der Cookschen Forschungsreisen und ihre Dokumentation durch die exotischen Artefakte von großem Interesse für die Göttinger Wissenschaftler. Und es ist kein Zufall, dass die Begriffe Völkerkunde und Ethnographie in dieser Zeit in Göttingen geprägt worden waren.

Johann Friedrich Blumenbach und das Akademische Museum Göttingen

Aber natürlich gehört mehr als nur Interesse zum Aufbau einer ethnologischen Sammlung, die ja nicht nur die Cook/Foster- sondern auch international herausragende Sammlungen aus anderen Regionen der Welt umfasst. So ist die Entstehung der heute so bedeutenden Sammlung nicht zuletzt dem engagierten und einflussreichen göttinger Wissenschaftler Johann Friedrich Blumenbach zu verdanken, der 1773 das Akademische Museum als moderne Forschungs- und Lehranstalt etablieren konnte. Blumenbach war es auch, der gute Beziehungen zum späteren Präsidenten der Royal Sociaty, Joseph Banks unterhielt, über den die frühesten Artefakte aus der Südsee nach Göttingen fanden. Kein Wunder, denn die Royal Sociaty war jene weltweit führende naturwissenschaftliche Organisation, die Cooks Forschungsreisen nicht nur unterstütze, sondern auch konkrete Forschungsaufträge an den britischen Kapitän vergab.

Cook- Sammlung als Geschenk des britischen Königs Georg II.

Nicht nur Blumenbach sondern das ganze wissenschaftliche Kollegium Göttingen verfügte über ausgezeichnete internationale Kontakte. Und da 1714 das Kurfürstentum Hannover, zu dem auch Göttingen gehörte, mit dem britischen Königreich unter George II. vereinigt worden war, nutzte Blumenbach seine ausgezeichneten Beziehungen, um sich direkt über den britischen König einen Teil der „Kuriositäten“ der dritten Cook-Reise für Göttingen zu sichern. Das königliche Geschenk im Wert von immerhin 105 britischen Pfund begründete 1873 letztendlich das Herz der Sammlung des Akademischen Museums.

Die sogenannte Forster- Sammlung, also Artefakte aus der zweiten Cook-Reise ist wiederum den engen Verbindungen zwischen Hannover und Großbritannien zu verdanken. Georg Forster nämlich war dem Ruf des Collegium Carolinum in Kassel gefolgt und hatte dort eine Professur angenommen. Für seinen Vater, hatte Georg eine Professur in Halle gesichert. Seit 1778 besuchte Georg Forster gelegentlich die excellente Göttinger Universitätsbibliothek und lernte dabei, vermittelt über seinen Vater den Göttinger Orientalisten Johann David Michaelis kennen. Die Freundin der Tochter Michaelis, Therese Heyne wurde später Forsters Frau. Dies ist in diesem Zusammenhang vor allem wichtig, weil über diesen Weg bereits einige herausragende Südseeartefakte der Forsters als Gastgeschenke ihren verschlungenen Weg in die Universitätssammlung gefunden hatten.

Der Nachlass des Johann Reinhold Forster

Es waren übrigens die Forsters selbst, die dafür sorgten, dass ein großer Teil ihrer privaten Sammlung über ganz Europa verstreut worden war. Während viele der Artefakte am Ende im Pitt Rivers Museum in Oxford landeten, machten die Fosters andere „Kuriositäten“ schlicht weg zu Geld. Zum einen zum begleichen von Schulden, zum anderen, um bei den Käufern, die sich die Ethnographika als Prestigeobjekte zulegten, Ansehen, gesellschaftliche Verbindungen und wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. Trotzdem konnte sich Göttingen Göttingen 1799 den aus rund 160 Stücken bestehenden Südsee- Nachlass des Johann Reinhold Forster sichern und damit aus der bereits sehr ansehnlichen Cook- Sammlung die Cook/Forster- Sammlung entstehen lassen.

 

 

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