Madaba und die antike Mosaikkarte

Mit der Kopie der Mosaikkarte von Madaba verfügt die Antikensammlung der Göttinger Georg- August- Universität über ein einzigartiges Dokument. Sie gilt als eines der ältesten Zeugnisse antiker Kartographie.

KartetotesmeerDie im jordanischen Madaba freigelegte Mosaikkarte des Heiligen Landes verbindet das kartographische, biblische und kirchliche Erdenbild ihrer Zeit. Etwa im mittleren 6. nachchristlichen Jahrhundert war das einzigartige Mosaik entstanden, das 1884 im Rahmen der Errichtung einer griechisch-orthodoxen Kirche im frühbyzantinischen Vorgängerbau entdeckt und in den Neubau  integriert worden war. Ursprünglich dürfte die in großen Teilen erhaltene Mosaikkarte den Kirchenboden vor dem Altarraum in ganzer Breite ausgefüllt haben und etwa 15,6 Meter breit und 6 Meter tief gewesen sein.

Restaurierung und Kopie der Mosaikkarte von Madaba

War das im heutigen Jordanien gelegene Madaba in frühbyzantinischer Zeit ein boomender Wallfahrtsort für die Pilger auf dem Weg zum Berg Nebo, so sind es heute die Touristen, die nicht zuletzt wegen der vielen antiken Mosaikböden des Ortes, hier Station machen. Nicht zuletzt der Besucherandrang führte dazu, dass das Originalmosaik in der St. Georgs- Basilika zusehends zerfiel und 1965 auf Initiative des Göttinger Alttestamentlers, Prof. Dr. Herbert Donner durch den Direktor des Trierer Landesmuseums Dr. Heinz Cüppers grundlegend restauriert werden musste. Dabei musste das Mosaik völlig aufgenommen, auf Klebebahnen wieder zusammengesetzt und schließlich in einen neuen Grund eingelassen werden. Denn die Mosaiksteine hatten sich nicht nur größtenteils vom Boden gelöst, dieser hatte sich zudem aufgeworfen und drohte zu springen. Es lag nahe, im Rahmen dieser aufwändigen Generalsanierung eine Kopie anzufertigen, die einzige, die mit Hilfe der originalen Abformungen erstellt wurde und nun in der Göttinger Gipsabgusssammlung zu finden ist.

Genaueste antike Darstellung Jerusalems

Das in mühsamer Kleinarbeit Stift für Stift handkolorierte Oberflächenprofil der Mosaikkarte von Madaba lässt sich durch die senkrechte Anbringung an der Wand durch den Besucher hervorragend betrachten und gibt zahlreiche markante geographische Einzelheiten preis. So gilt beispielsweise die Darstellung Jerusalems mit seinen mächtigen Mauern, der prächtigen von Ost nach West laufenden Säulenstraße und einzelnen Gebäuden wie beispielsweise der konstantinischen Grabeskirche, als die genaueste antike Darstellung der Topographie von Jerusalem überhaupt. Den Betrachter leitet die Karte, die an der Wand des Römersaals der Abgusssammlung immerhin noch 10,5 mal 5,6 Meter einnimmt, nicht nur durch die rund 157 topografischen Inschriften durch eine historische Landschaft und seine Monumente. Es ist auch die Bildersprache, die besticht. So finden sich in der Darstellung des Toten Meeres zwar Schiffe, nicht aber Fische. Im Nildelta hingegen kann man sogar die einzelnen hier vorkommenden Fischarten erkennen.

Die antike Landkarte als illustrierter Reiseführer

Selbstverständlich sucht man bei einer antiken Karte die Maßstäblichkeit vergeblich. Trotzdem enthält das Kartenbild eine Fülle von Informationen, die dem antiken Reisenden die Orientierung ermöglichte. Die Ausrichtung der dargestellten Orte zu den Himmelsrichtungen und zueinander, die zahlreichen Beschriftungen, die religiösen Symbole, die verschiedenen Landschaftsbilder geben einen erstaunlich guten Überblick über die Gesamtgeographie der dargestellten Region. Im Grunde handelt es sich um wesentlich mehr als eine Karte, es ist ein kompletter sehr detaillierter Reiseführer, in diesem Fall für die Zielgruppe der Pilger, die offensichtlich vom Osten ins Heilige Land reisend, in Madaba Zwischenstation auf ihrem Besuch der Heiligen Stätten machten.

Der nördliche, nicht erhaltene Teil des Mosaiks umfasst die Städte des Libanon. Der rechte Bildrand erfasst die Halbinsel Sinai und das Nildelta. Unten wird die Karte durch das Mittelmeer mit den Städten Askalon und Gaza begrenzt und der obere Teil endet in der arabischen Wüste. Das Tote Meer und natürlich das prächtige Jerusalem bilden die Mittelachse. Zweifellos ist das überkommene Mosaik nur noch ein Fragment und sicherlich wird die gesamte Fülle der Informationen, die dieses Werk ursprünglich beinhaltete nicht mehr zu rekonstruieren sein. Denn so detailreich die Reste der Mosaikkarte auch sein mögen, ihre Aussagen erschließen sich vollständig nur im Gesamtzusammenhang.

 

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Eingeordnet unter 3 Mittelalter, Archäologie, Ausstellungen

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