Der Römerofen im LWL- Ziegeleimuseum Lage

Als Beitrag zum Varusjahr verstanden die Wissenschaftler des LWL-Ziegeleimuseums in Lage ihr archäologisches Experiment der Rekonstruktion eines funktionsfähigen Ziegelofens einer römischen Garnisonsziegelei.

27889Römische Ziegel, das sind nicht nur einfach Bausteine zum Mauern von Häusern und Befestigungen. Da gibt es die Leistenziegel, sogenannte Tegulae, die Hohlziegel oder Imbrices, die Lateres, also Bodenziegel und viele andere Designs und Formate, mit denen die Römer eben nicht nur Mauern, sondern auch Heizungsanlagen in den Bädern gebaut, Dächer gedeckt und Stirnseiten verziert hatten. Und natürlich wurden Ziegel auch zum Bau von Brennöfen zur Herstellung von Ziegeln verwendet.

Ein solcher nach originalem Vorbild rekonstruierter Brennofen wurde im August.2009 im Ziegeleimuseum des Landesverbandes Westfalen Lippe im Rahmen eines ärchäologischen Experiments erstmals in Betrieb genommen, in einer Gegend, wo nie zuvor eine römische Ziegelei gestanden haben dürfte. Denn die Römer hatten die Ziegel, die sie für ihre Bauten im rechtsrheinischen Germanien benötigten von den Garnisonsziegeleien der Rheinstützpunkte bezogen. Und es war tatsächlich das Militär als einer der größten Ziegelproduzenten der damaligen Zeit, die das gebrannte Baumaterial auch in unseren Kulturkreis einführte. Eine der frühesten römischen Militärziegeleien wurde durch Zufall 1963 bei Bauarbeiten in Dormagen entdeckt. Und ein Nachbau des Ofens eben dieser Garnisonsziegelei, die von der legio I (Germanica) betrieben worden war und ihre Ziegel auch für den Bau des Lagers Bonn geliefert hatte, begründete mit der originalgetreuen Rekonstruktion ein nach Aussage des Projektleiters Dr. Andreas Immenkamp „in seiner Art und Größenordnung bislang einzigartiges Projekt experimenteller Archäologie“.

Experiment zu römischen Brennverfahren

Bereits im Mai 2008 wurde mit der Produktion der Ziegel für den Ofenbau begonnen, natürlich ebenfalls im Ziegeleimuseum im historischen Ringofen, der dort sowohl als Museumsstück als auch zur kommerziellen Produktion von Ziegeln für Restaurierungen eingesetzt wird. Und pünktlich zur Eröffnung der Ausstellung „Varus und die Ziegel Roms“ im März 2009, standen rund 5000 handgestrichene und gebrannte römische Ziegelrepliken (Lateres) zur Verfügung um mit der Ofenrekonstruktion zu beginnen.

Nachdem der Ofen mit immerhin vier Metern Höhe fertiggestellt war, wurde er mit „römischer Keramik“ gefüllt, die unter kontrollierten Bedingungen gebrannt wurde. Denn es wäre ja kein wissenschaftliches Experiment, wenn man nicht auch messen und kontrollieren würde. Letztendlich wollte man ja nicht nur herausfinden, wie so ein Ofen gebaut wurde, sondern man will vor allem Informationen über den Ablauf römischer Brennverfahren erlangen. Modernste Messtechnik sind daher neben traditionellem Handwerk und zahlreichen Versuchen Teil dieses Projektes. Immerhin, so die Aussage des Museumsleiters Willi Kulke, soll hier eine ganze römische Garnisonsziegelei betrieben werden, die Tausende von Ziegeln herstellt.

Tegulae, Imbrices, und Lateres

Betrachtet man allein die 23 verschiedenen Formate von Dachziegeln, Hohlziegeln, Stirnziegeln mit Medusendarstellungen, Ziegelplatten oder Wandziegeln, die in der Garnisonsziegelei in Dormagen hergestellt worden waren und deren größte Exemplare Kantenlängen von 57 Zentimetern und eine Dicke von 9 cm aufwiesen und immerhin rund 50 Kilogramm auf die Waage brachten, so wirkt die Aussage sicherlich nicht untertrieben. Das römische Militär hatte dem Ziegeleihandwerk zweifellos zur Blüte verholfen und dabei das technologische Wissen sicherlich eifersüchtig gehütet. Und so ist es kein Zufall, dass die Römer, als sie um 400 nach unserer Zeitrechnung aus Germanien verschwanden auch die Kenntnisse der Ziegelherstellung mit sich nahmen.

Glücklicherweise für die Archäologen aber hatten sie uns ihre sorgfältig gekennzeichneten Produkte hinterlassen. Jeder Ziegel beispielsweise war mit dem Zeichen der Legion versehen, die die Ziegelei betrieben hatte. Unter anderem dies und andere Informationen haben dazu geführt, dass man heute die Geschichte, die Stationierungen und den Verbleib der meisten römischen Legionen ab dem ersten vorchristlichen Jahrhundert im ganzen römischen Reich recht gut nachvollziehen kann.

 

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