Die Fregatte Hermione, ein Symbol der Freiheit

Gilbert_du_Motier_Marquis_de_LafayetteIrgendwann in den nächsten Jahren wird eine französische Fregatte des 18. Jahrhunderts den Atlantik überqueren und verschiedene amerikanische Ostküstenstädte, darunter auch Boston, ansteuern.

„Im Kielwasser La Fayettes“ dürfte vermutlich die nachvollzogene historische Reise des französischen Edelmannes genannt werden, der für die Franzosen ein Symbol für das Streben nach Freiheit geworden ist.

Als nämlich der Marquis de la Fayette 1780 an Bord der leichten Fregatte Hermione im Boston landete, brachte er den Amerikanern nicht nur Geld, sondern auch die militärische Unterstützung der Franzosen gegen die Briten, die letztendlich zur amerikanischen Unabhängigkeit führen sollte.

Seit 1770 bereits hatte sich, ausgehend von Boston, in den britischen Kolonien in Amerika eine Unabhängigkeitsbewegung unter der Führung von Thomas Jefferson etabliert, deren Aktivitäten schließlich 1775 zum Ausbruch des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges geführt hatten.

Dem ambitionierten französischen Adeligen La Fayette, der 1777 mit einer eigenen Truppe nach Amerika gereist war, um sich dort dem Freiheitskampf  der dreizehn abtrünnigen britischen Kolonien anzuschließen, war es 1779 bei einem sechsmonatigen Frankreichaufenthalt gelungen, massive Unterstützung für die Amerikaner einzuwerben. Vorangegangen war allerdings die Kriegserklärung Großbritanniens an Frankreich, ein Ergebnis der 1778 geschlossenen Allianz zwischen der 1777 gebildeten amerikanischen Konföderation und Frankreich gegen Großbritannien.

La Fayette und die amerikanische Unabhängigkeit

Ohne die Überzeugungskraft des idealistischen Freiheitskämpfers La Fayette hätten die Franzosen, allen voran König Ludwig XVI, die Amerikaner sicherlich weiterhin vor allem mit Waffen und Geld unterstützt. Die regulären französichen Truppen, die nun aber ab 1780 in den Krieg auf dem amerikanischen Kontinent eingriffen, sicherten letztendlich mit der britischen Kapitulation bei Yorktown 1781 die amerikanische Unabhängigkeit, die schließlich am 3. September 1783 mit dem Frieden von Paris bestätigt wurde.

La Fayette, der als ausgebildeter und erfahrener Offizier am sogenannten Virginia-Feldzug, der mit der Schlacht bei Yorktown geendet hatte, maßgeblich beteiligt gewesen war, wurde von den Franzosen triumphal gefeiert. Ludwig XVI ehrte den Marquis sogar mit der Einberufung in die Notabelnversammlung, einer Gruppe hochrangiger, privilegierter Berater des Königs. Als Staatsbankrott und Aufklärung jedoch zur französischen Revolution führten, spielte auch hier La Fayette eine herausragende, teilweise jedoch nicht unumstrittene Rolle als Befehlshaber der bürgerlichen Nationalgarde.

Rekonstruktion der Fregatte Hermione

Es war aber vor allem die Rolle La Fayettes im amerikanischen Bürgerkrieg, die 1997 die Initiatoren des Hermione- Projektes zum Nachbau der 1778 in Rochefort auf Kiel gelegten und bereits 11 Monate später vom Stapel gelaufenen Fregatte veranlasst hatten. Die Hermione war aber nicht nur das Schiff, mit dessen Hilfe La Fayette den Amerikanern die Kunde von der militärischen Unterstützung durch die Franzosen überbracht hatte. Sie repräsentiert auch das goldene Zeitalter des französischen Schiffsbaus. Denn die Französische Marine in 18. und 19. Jahrhundert war zwar alles andere als erfolgreich gewesen und so mancher französische Neubau hatte nahezu unvermittelt, von den Engländern gekapert, die Reihen der Royal Navy verstärkt, die französischen Schiffskonstruktionen jedoch galten als hervorragend.

Rochefort, Werft und Heimathafen der Hermione und ihrer drei Schwesterschiffe Courageuse, Concorde und Feé ist als vom Marineminister Colbert im 17. Jahrhundert eingerichtetes Marinearsenal heute einer der vier Standorte des Nationalen Marinemuseums Frankreichs. Und hier, auf dem historischen Arsenalgelände ist 1997 auch der Kiel des originalgetreuen Nachbaus der sogenannten 12er- Fregatte Hermione gelegt worden. Die 12er – Fregatten, genannt nach ihren 26 Kanonen, die Kugeln von 12 (französischen) Pfund, also etwa 5 bis 6 Kilogramm Gewicht verschießen konnten, gehörten zu den leichten Fregatten. Schnell und wendig hatten sie vor allem die Aufgaben der Nachrichtenübermittlung, Erkundung oder des Geleitschutzes zu bewältigen.

Mit der Hermione im Kielwasser La Fayettes

Der Nachbau des rund 44 Meter langen und 11,5 Meter breiten Schiffes findet auf historischem Gelände unter den Augen der Öffentlichkeit statt. Auf Laufstegen können die Besucher den Bauplatz durchstreifen und Schmiede oder Zimmerleute bei der Arbeit und das Schiff kontinuierlich wachsen sehen, ohne dabei die Arbeiten zu stören. Geführte Touren bringen die interessierten Gäste noch näher an das Geschehen. Und zu sehen gibt es einiges. Sei es, dass wie 2008 das gewaltige Gangspill, die Ankerwinde in den Schiffsrumpf gehievt wurde, sei es, dass wie in den folgenden Jahren, die Masten gesetzt und die Artillerie an Bord installiert wurde. Mitte 2012 hat der Stapellauf stattgefunden und nach Fertigstellung und ausgiebiger Erprobung des Schiffes ist eine Atlantiküberquerung „im Kielwasser La Fayettes“ geplant, bevor die Hermione in ihrem Heimathafen Rochefort als Museumsschiff zahllosen Besuchern wieder Einblick in die französische Schiffbaukunst des 18. Jahrhunderts gewähren wird. Eine bilderreiche Dokumentation des Baus der Hermione findet man auf der Hermione Projektseite.

 

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Archäologie, Schifffahrtsgeschichte

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