Der Untergang der HMS Victoria

Kaum drei Wochen nachdem der Signalfähnrich des britischen Schlachtschiffes HMS Victoria, John Bagget, den Untergang seines Schiffes am 22.6.1893 überlebt hatte, beschrieb er in einem bewegenden Brief an einen Freund die Ereignisse des Unglücks, bei dem die Hälfte der 715 Besatzungsmitglieder des Flaggschiffes der britischen Mittelmeerflotte vor Tripoli umgekommen waren.

HMS_Victoria_(1887)„Mir schien es,“ so Bagget in seinem Brief, „als breche ein Pflug die Erde auf, als sie (die HMS Campertown) durch das Oberdeck kam.“ Tatsächlich hatte sich der Rammbug des Schlachtschiffes HMS Campertown bei einem missglückten Wendemanöver der zwei Divisionen von Admiral Sir George Tryons Mittelmeerflotte in die Seite der HMS Victoria gebohrt, die innerhalb von nur 13 Minuten gesunken war. Der Admiral, den das Kriegsgericht für das Unglück verantwortlich gemacht hatte, war auf der Brücke geblieben und Bagget „sah den Admiral mutig seinem Untergang ins Gesicht sehen.“

John Bagget und der Untergang der HMS Victoria

Der Brief des Signalfähnrichs wird nun der Öffentlichkeit im Royal Naval Museum im Portsmouth Histocic Dockyard im Rahmen einer Ausstellung zum „Victoria- Unglück“ präsentiert. Gedenkposter und Gedichte, die nach dem Unglück 1893 veröffentlicht worden waren, illustrieren das Geschehen ebenso wie Fotografien der HMS Victoria und der Tragödie selbst. Denn nicht nur von dem Schiff selbst, sondern auch von seinem Untergang gibt es fotografische Dokumente.
Neben den Unterlagen des Kriegsgerichtsverfahrens stellt der Brief einen authentischen Erlebnisbericht des Ereignisses dar. Nachdem das Museum das Zeitdokument auf einer Auktion ersteigert hatte, machten sich zunächst einmal die Wissenschaftler über das Schriftstück her. Vermutlich, so das Ergebnis der Untersuchung, stammt das Papier aus dem Jahre 1890, der Brief darf aufgrund der Untersuchungsergebnisse als echt gelten. Und auch über den Fähnrich sammelten die Forscher des Museums einige Informationen. Geboren 1866 in Gloucestershire, trat John Bagget 1881 im Alter von 15 Jahren in die Royal Navy ein. Kaum ein Jahr, nachdem der Fähnrich den Untergang der HMS Victoria überlebt hatte, verpflichtete er sich für weitere 12 Jahre bei der Navy.

Admiral Sir Georg Tryon und die HMS Warrior

Auf den ersten Blick erscheint die Präsentation des Briefes im Royal Naval Museum in Portsmouth nicht zwingend, war die HMS Victoria, die Namensgeberin einer Schiffsklasse, doch im nordenglischen Newcastle upon Tyne gebaut worden. Und auch der Autor des Briefes stammte ja aus Gloucestershire und nicht etwa aus Portmouth oder Hampshire.

Tatsächlich aber gibt es einige überzeugende Verbindungen zur Südenglischen Hafenstadt. So kamen nicht nur viele der Besatzungsmitglieder des Unglücksschiffes aus Portsmouth, hier, im Victoria Park, steht auch der Gedenkstein für die Opfer des Unglücks. Und vor allem: Admiral Sir Georg Tryon hatte von 1861 bis 1864 als Offizier auf der HMS Warrier, dem ersten ganz aus Eisen gebauten Panzerschiff gedient. Die HMS Warrior bildet als restauriertes Original eines Schiffes, das den Kriegsschiffsbau und den Seekrieg revolutioniert hat, neben dem Flaggschiff Admiral Lord Nelsons, der HMS Victory und dem Wrack der Mary Rose, dem Flaggschiff Heinrich VIII. eines der highlights des Portsmouth Historic Dockyard.

Zur HMS Victoria lesen Sie auch HMS Victoria, das Zeitalter der Experimente

 

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 5 Neuzeit, Ausstellungen, Schifffahrtsgeschichte

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