Galloglass – über die legendären Söldnerclans in Irland

MacRory, MacSweeney, MacDonnell, MacDougall oder MacCabe sind klangvolle, ehrfurchtgebietende Namen schottischer Söldnerclans, die als sogenannte Galloglass vom 13. bis zum 16. Jahrhundert im Dienste irischer Provinzkönige standen.

galloglassGalloglass ist die anglifizierte Form des gälischen gallóglach und bedeutet so viel wie fremder Diener oder Krieger. Der Autor des Osprey-Buches aus der „Warrior-Serie“, Fergus Cannan, charakterisiert die Söldner als Nachfahren keltisch-nordischer Einwanderer, deren Fähigkeiten sich mangels anderer Erwerbsmöglichkeiten im schottischen Hochland und den Hebriden auf das Kämpfen beschränkten. Cannans Vorfahren waren übrigens selbst in die Ereignisse verwickelt, über die der Autor von „Galloglass 1250-1600, Gaelic Mercenary Warrior“ schreibt. Und nicht nur wenn man auch noch den Namen des Illustrators, Seán Ò’Brógáin, betrachtet, wird die Epoche, in der die schottischen Söldnerclans in Irland eine so wichtige Rolle gespielt hatten, vor dem inneren Auge des Lesers recht lebendig.

Galloglass, Söldner und Landplage

Cannan erweckt in seiner Abhandlung über die bei uns kaum bekannte Geschichte dieser speziellen irischen Kriegs- und Kriegertradition einen typischen Galloglas-Rekruten zum Leben, der in Zusammenhang mit der Beschreibung von Training und Auswahl, körperlicher Erscheinung, Waffen und Kleidung, vom Diener eines Galloglass selbst zum Krieger wird.

Als Krieger im Dienste irischer Kleinkönige aber auch englischer Lords waren die Galloglass bei der normalen Bevölkerung nicht gerne gesehen. Denn der Lohn für die ganz unterschiedlichen Formen der Dienstverpflichtungen bestand vor allem aus Naturalien in Form von Rindern, Unterkunft und Verpflegung die in der Regel von den Untertanen gestellt werden musste.

Galloglas, Vasallen, Mörder und Freiberufler

Die Dienstverhältnisse und der Status der Galloglass waren von Beginn ihrer Söldnertradition recht unterschiedlich, und unterlagen im Laufe ihrer rund 300 jährigen Geschichte natürlich auch gewissen Veränderungen. So entsprach das Dienstverhältnis eines Galloglass als Leibgardist und Führer einer lordschaftlichen Eliteeinheit bereits dem Vasallenstatus, während der klassische freiberufliche ‚Fremdenlegionär’ in der Regel einen Zeitvertrag mit dem Meistbietenden abschloss. In allen militärischen Konflikten Irlands jener Zeit stellten die Galloglass die Eliteeinheiten aller Beteiligten dar. Galloglass waren bei den in Irland üblichen Rinderraubzügen der untereinander konkurrierenden Clans beteiligt, erledigten Mordaufträge oder stellten Vor- und Nachhut bei den relativ seltenen aber unerbittlichen Feldschlachten. Galloglass waren mit ihren charakteristischen Zweihandäxten die ersten in der Schlacht und verließen sie –wenn überhaupt- als Rückendeckung beim Rückzug als letzte.

Galloglass, ein faszinierendes Stück irischer Geschichte

Fergus Cannan gibt in seinem Buch „Galloglass“ nicht nur einen historischen Gesamtüberblick, sondern auch immer wieder detaillierte und anschauliche Informationen über Herkunft, Rekrutierung, Training, Erscheinung, Dienstverhältnisse, Kampftechniken und am Schluss auch Ethos und Selbstverständnis der legendären ‚Kriegerkaste’, deren führende Mitglieder es bin in den Staatsdienst geschafft hatten.

„Galloglass 1250 – 1600, Gaelic Mercenary Warrior“ ist ein Buch, dass nicht nur eine für uns recht unbekannte, faszinierende und sicherlich auch abschreckende Militärgeschichte der grünen Insel beschreibt. Diese Geschichte liefert auch Einblicke zum Verständnis der modernen irisch-schottisch-englischen Konflikte. Neben den prächtigen Illustrationen von Ò’Brógáin besticht das Buch auch durch informative und anschauliche historische Abbildungen und Fotos sowie Karten (vom Autor) zur schottischen Herkunft der Galloglass und ihre Verteilung in Irland. Natürlich darf auch hier die Zeittafel nicht fehlen. Die Quellenangaben im Anhang weisen darauf hin, dass zum Generalthema Galloglass bislang kaum moderne Literatur verfügbar ist. Allein vor diesem Hintergrund dürfte dieses Osprey-Buch etwas Besonderes und möglicherweise ein Geheimtipp für Mittelalterfans und Reenacters sein.

Fergus Cannan, Seán Ó’Brógáin: Galloglass 1250-1600, Gaelic Mercenary Warrior. Osprey Publishing 2010. Paperback, 64 Seiten.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Archäologie, Rezension

2 Antworten zu “Galloglass – über die legendären Söldnerclans in Irland

  1. Hallo Wolfgang,

    das Buch klingt ja wirklich spannend und deine Rezension ist es mir auch wert geflattrt zu werden. Als Historikerin und Schottland-Liebhaberin hast du mich voll erwischt. 😉 Jetzt hätte mich noch der Preis und die Sprache des Buches interessiert. Bei dem Verlagsnamen nehme ich an, dass es ein englischpsprachig ist?

    Liebe Grüße

  2. Wolfgang

    Hallo Shermin, vielen Dank,
    ja, es ist ein englischsprachiges Buch und es kostet 14,30 € bei Amazon ich habe mal die osprey-home angehängt,weil es da noch mehr interessante Literatur (nicht nur) für Dich geben dürfte.
    http://www.ospreypublishing.com/

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