Varus – Vertrauter, Statthalter und Feldherr des Augustus

Varus war trotz der Niederlage gegen Arminius vor 2000 Jahren kein Versager, wie die Sonderausstellung IMPERIUM zum Jubiläumsjahr im Römermuseum Haltern im Jahr 2009 nachgewiesen hatte.

Statue des Augustus, Antikensammlung Göttingen. Foto: Wolfgang Schwerdt

Statue des Augustus, Antikensammlung Göttingen. Foto: Wolfgang Schwerdt

Als loyalen und erfolgreichen Feldherrn und Statthalter des Augustus präsentierte das Römermuseum in Haltern in Zusammenhang mit der Sonderausstellung IMPERIUM als Teil des Ausstellungsprojektes IMPERUIM KONKLIKT MYTHOS vom 16.05. bis zum 11.10.2009, den Verlierer der „Schlacht im Teutoburger Wald“, Publius Quinctilius Varus. Und tatsächlich dürfte Varus seinem Kaiser Augustus in den verschiedenen Regionen des Römischen Imperium hervorragende Dienste erwiesen haben. Varus war sicherlich kein „Guter“ in unserem heutigen, moralischen Sinn, aber war er hinsichtlich seiner für Rom und Kaiser nützlichen Fähigkeiten durchaus gut.

Es war kein Zufall, dass Varus von Augustus mit der „Eingemeindung“ des ein wenig schwierigen Germanien beauftragt worden war. Denn der um 47/46 vor Christus als Sohn des Quästors, des höchsten Finanzbeamten in Rom, geborene Publius Quinctilius, war durchaus begabt. Im zarten Alter von 25 Jahren bekleidete Varus bereits das Amt eines Schatzmeisters in Achaia. Und irgendwie musste er bereits damals dem Augustus aufgefallen sein. Denn weder Varus Ehe mit der Tochter des engsten Augustusvertrauten Agrippa, noch die spätere Heirat mit Claudia Pulchra, Großnichte des Augustus und Enkelin der Schwester des Kaisers, hatte ausschließlich mit romantischer Liebe zu tun. Das Machinstrument Ehe, also die Familiäre Anbindung der römischen Führungselite durch eine gezielte Heirats- und Nachfolgepolitik war eine der Stärken des Kaisers, unter dem Rom seine größte Macht und Ausdehnung entfaltet hatte. Unter dem Titel „“ thematisierte die Ausstellung in Haltern auch diesen Aspekt des „Goldenen Zeitalters“ Roms.

Varus als persönlicher Berater des Kaisers

Zwischen 22/21 und 19 vor Christus hatte der Finanzbeamte Varus den Kaiser Augustus auf seiner Reise durch den Osten des römischen Imperiums begleitet. Der hatte damals in Sizilien, Griechenland, Kleinasien und Syrien zu tun und zumindest zeitweise diente Varus bei den mit der Reise verbundenen geschäftlichen Angelegenheiten dem Kaiser als persönlicher Finanzberater. Die Aktivitäten, die Varus in diesem Zusammenhang  entfaltete, hatten sich in Skulpturen und Inschriften in den östlichen Provinzen niedergeschlagen, die dem kaiserlichen Vertrauten huldigten und damit die frühesten archäologischen Nachweise der Person des Varus darstellen.

Varus als Kommandeur im Alpenfeldzug

Als Augustus im Jahre 15 vor Christus seine Stiefsöhne Tiberius und Drusus auf einen Feldzug in das nördliche Alpenvorland schickte, da war auch Varus als Kommandeur der 19. Legion, die zu den Truppen des Tiberius gehörte, dabei. Am Erfolg des Feldzuges, durch den der gesamte Alpenraum und das Gebiet zwischen Rhein, Inn und Donau, als Schutzzone gegen die marodierenden Kelten in nur einem Sommer erobert werden konnte, hatte Varus mit seiner 19. Legion einen erheblichen Anteil. Und so war es kein Wunder, dass der Sohn des römischen Finanzbeamten sehr schnell den nächsten Karriereschritt unternehmen konnte.

Varus der Statthalter Syriens

Im Jahre 13 vor Christus übernahm Varus zusammen mit Tiberius das Konsulat. Wenige Jahre später war er Prokonsul der Provinz Afrika und 7/6 vor Christus wurde er von Augustus zum Statthalter von Syrien ernannt. Das war beileibe kein schlechter Job, denn Syrien war eine der reichsten und wichtigsten Provinzen Roms, aber auch eine der politisch kompliziertesten. Vier Legionen standen dem nun mächtigen Varus für das Gebiet des heutigen Syrien, der Türkei und des Libanon zur Verfügung. Aber er machte kaum Gebrauch von seiner militärischen Macht und setzte stattdessen erfolgreich auf seine diplomatischen Fähigkeiten. Dabei kontrollierte er als politischer Berater des König Herodes von Judäa auch das benachbarte Königreich. Und als es nach dem Tode des Herodes im Jahre 4 vor Christus und einen eigenmächtigen Beutezug des römischen Finanzbeamten Sabinius, der das Vermögen des Herodes beschlagnahmte, den Tempelschats in Jerusalem plünderte und den Tempel selbst niederbrannte, zum Aufstand in Judäa gekommen war, schlug Varus diesen mit zwei Legionen kurzerhand nieder. Und dann statuierte der Statthalter ein Exempel nach römischer Manier – 2000 Juden wurden ans Kreuz genagelt.

Varus, der Statthalter Germaniens

Trotz seiner unbestreitbaren Erfolge war Varus sicher nicht unumstritten. Gerüchte machten die Runde, „er verachte das Geld nicht“ und „er habe das reiche Syrien als armer Mann betreten und ein armes Land als reicher Mann wieder verlassen“, so jedenfalls berichtet Velleius, Zeitzeuge und Kollege des Varus in seiner „Historia Romana“. Egal, ob nun weggelobt oder befördert, Varus Erfahrung in der Verwaltung und Kontrolle machtpolitisch und kulturell komplizierter Gebiete machten ihn durchaus zu einem geeigneten Kandidaten für die Aufgabe, das rechtsrheinische Germanien in eine römische Provinz zu überführen. Als Statthalter in Germanien stand ihm übrigens wieder seine 19. Legion, nun in Haltern stationiert, zur Verfügung, die Legion, mit der er so erfolgreich im Alpenfeldzug agiert und die er dann, zusammen mit zwei weiteren im Jahre 9 nach Christus in das Verderben geführt hatte.

 

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