Die Römer in Germanien – Literaturnachlese zum Varusjahr

Viele Bücher über die Römer und Germanen sind nicht nur zum Varusjahr erschienen. Bei der Menge der im Rahmen des Jubiläums auf den Markt geworfenen Publikationen soll die hier getroffene Auswahl ein wenig Orientierung in den Bücherdschungel bringen.

englbook1Natürlich sind hier keine Geheimtipps für eingefleischte Römerspezialisten zu erwarten, die haben schon längst gefunden was sie brauchen. Ein wenig unüberschaubar wird es aber für jene Menschen, die angesichts des 2000 Jährigen Jubiläums der Varusschlacht in 2009, nun auch besonders für das Thema Römer in Germanien sensibilisiert worden sind. Hier soll eine kleine Auswahl einerseits und eine gewisse thematische Differenzierung andererseits ein wenig Orientierung verschaffen. Und so wird zunächst einmal mit den Allgemeinen Sachbüchern zum römischen Engagement in Germanien und natürlich der damit verbundenen Varusschlacht begonnen.

IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS

Sicherlich darf der dreiteilige Begleitband zum zentralen Ausstellungsprojekt des Jubiläumsjahres als umfassendstes und solidestes Werk zum Thema gelten. Immerhin befassen sich die Bücher „Imperium“, „Konflikt“ und „Mythos“ aus dem Theiss-Verlag schon allein volumenmäßig intensiver mit den drei Teilaspekten der römisch- germanischen Geschichte, als es selbst dem im gleichen Verlag bereits vorher erschienenen Buch „Die Varusschlacht“ gelingen konnte.

Aber einen Begleitband zu einer Ausstellung darf man ohnehin nicht mit normalen Sachbüchern vergleichen. Die Trilogie Imperium, Konflikt, Mythos ist aufwändig produziert, reichhaltig mit hervorragenden Abbildungen ausgestattet und von Fachleuteteams inhaltlich gefüllt worden, zwar populär aber anspruchsvoll in jeder Hinsicht.

Bücher über Arminius versus Varus

Bücher wie „Arminius versus Varus“ vom Thorbecke Verlag, das sich auch stilistisch an eine breite Leserschaft richtet, oder „Arminius und der Untergang des Varus“ von Klett-Cotta, das sich analytisch der ganzen Komplexität des politischen, militärischen und kulturellen historischen Prozesses jener Zeit widmet, leben vor allem von Text und Stil.

Letztendlich darf man sicherlich sagen, dass sich die Bücher nicht unbedingt in ihrer wissenschaftlichen Korrektheit und Aktualität unterscheiden, sondern in inhaltlicher Tiefe und sprachlicher Ausrichtung. Unter den zahlreichen Büchern, die zum Varusjubiläum auf den Markt gebracht worden sind, sollte man sich daher letztendlich für den Verlag entscheiden, bei dem man sich auch bei seiner sonstigen Sachlektüre gut aufgehoben fühlt. Fachleute sind die Autoren allemal.

Die Flotten Roms auf germanischen Flüssen

Wer sich für besondere Aspekte des Themas interessiert und dabei gerne über den germanischen Tellerrand hinausblickt, für den kann es auf dem Deutschen Buchmarkt manchmal etwas eng werden. Als Beispiel sei hier Militär und Flotte genannt. Für die römischen Flusschiffe wie die Victoria der Drususzeit und die Lusoriae der späteren Jahrhunderte, ihre Konstruktion, Funktion und Aufgabe stehen vor allem die Bücher aus Köhlers Verlagsgesellschaft „Projekt Römerschiff“ und „Lusoria – ein Römerschiff im Experiment“ zur Verfügung, deren Kauf sich aber nur bei echtem Interesse, dann aber richtig lohnt. Und für den Römer- und Schiffahrtsbegeisterten das englischsprachige Buch „The Navies of Rome“ von Boydell Press beinahe ein Muss. Ansonsten findet man fast nur noch schwer zu beschaffende Spezialliteratur, übrigens besonders bei den römischen Lastprähmen, die hinter den schneidigen Kriegsgaleeren leider ein auch literarisches Schattendasein führen..

Literatur zu römische Lager und Armeen

Deutlich entspannter sieht es im militärischen Bereich aus. Hier gibt es vor allem von Verlagen wie Theiss, Philipp von Zabern oder auch Schnell und Steiner, um nur einige zu nennen, hervorragende Schriften, die man beim Durchstöbern der Verlagshomepages problemlos findet. Und trotzdem, irgendwie sind die englischsprachigen Militariabücher einfach anders. Sie sind, wie beispielsweise die Bücher der Osprey- Serie Fortress, unter der man Titel wie „Römische Hilfstruppenlager von 27 vor bis 378 nach Christus“ oder unter „Battle Orders“ das Buch „Die Römische Armee des Prinzipats von 27 vor bis 117 nach Christus“ findet, einfach knackig. Natürlich nicht, was die sperrigen aber sachlichen Titel betrifft. Aber die Bücher sind hervorragend strukturiert und illustriert, kompetent und inhaltlich anspruchsvoll, analytisch und vor allem ohne jeden kriegerischen Pathos.

Reise- Und Wanderführer zu den Römer
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Nun muß man leider feststellen, dass all die bislang angesprochene Literatur den Interessierten Aktivisten leider nicht in die Lage versetzt, einmal andere als die sich medienwirksam präsentierende Veranstaltungsorte und Museen aufzusuchen, will er den Spuren der Römer auch einmal im Feld begegnen. Aber auch hierfür bieten vor allem die oben genannten Sachbuchverlage sehr hilfreiche Bücher.

Ohne hier eine besondere Empfehlung für den Verlag auszusprechen, sollen als Beispiele drei Theissbücher genannt werden. „Die Römer in Baden-Württemberg – Römerstätten und Museen von Aalen bis Zwiefalten“ ist einfach ein Klassiker. Und Wege am Limes 55 Ausflüge in die Römerzeit hat ebenfalls bereits einige Auflagen hinter sich. Neu erschienen hingegen, „Archäologie erleben – 50 Ausflüge in die Vergangenheit“, sehr schön.

Kleine aber feine Römerbücher

Und nun doch noch zwei Geheimtipps. Nein, es handelt sich nicht um unbekannte oder schwer zu beziehende Bücher, es sind nur Bücher, die nicht von den bekannten überregionalen Verlagen herausgegeben worden sind. Da ist zunächst das vom Hann Mündener Heimat- und Geschichtsverein Sydekum herausgegebene hochinteressante und auf mehr neugierig machende, vom Göttinger Kreisarchäologen Klaus Grote geschriebene Büchlein „Römerlager Hedemünden“ und das vom kleinen Kasseler euregioverlag publizierte Werk „Hessen in der Antike – Die Chatten vom Zeitalter der Römer bis zur Alltagskultur der Gegenwart“. Ein wunderschöner Einstieg in die oft verkannte Heimatgeschichte auf höchstem fachlichen Niveau.

 

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