Geschichte des Deutschen Archäologischen Instituts

Als Forschungsinstitution ist das Deutsche Archäologische Institut (DAI) direkt dem Auswärtigen Amt nachgeordnet. Neben und aufgrund der internationalen wissenschaftlichen Arbeit sollen die Mitarbeiter gleichzeitig zum Dialog und Austausch im Rahmen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik beitragen.

Eine politische Dimension hatte die Arbeit der archäologischen Einrichtung bereits bei seiner Entstehung. 1829 wurde das „Instituto di corrispondenza archeologica” mit der Zielsetzung gegründet, die Denkmäler der antiken Kunst, der Epigraphik und der Topografie bekannt zu machen und zu erforschen. Mit dem Umzug des Initiators der Institutsgründung, Eduard Gerhard von Rom nach Berlin, verlagerte sich 1832 auch die Leitung des Instituts in die Preußische Hauptstadt. Da das Institut in Rom weiterbestand, konnte die nun Berliner Einrichtung bereits auf eine Dependance verweisen. Von Anfang an hatte der preußische Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV die Schirmherrschaft übernommen, ab 1852 übernahm Preußen auch die regelmäßige Finanzierung des Instituts, 1871 konnte sich die Einrichtung preußische Staatsanstalt und 1874 schließlich Reichsinstitut nennen.

Die Römisch Germanische Kommission

Die ebenfalls 1874 gegründete Auslandsabteilung in Athen zeugt von der damaligen Ausrichtung des Instituts auf die klassische Archäologie, ein Feld, in dem sich in jener Zeit alle führenden Mächte Europas und damit wirtschaftliche, politische und kulturelle Konkurrenten des gerade entstandenen Deutschen Reiches tummelten.

1902 wurde vom Archäologischen Institut sicherlich nicht zufällig die Römisch Germanische Kommission in Frankfurt am Main gegründet und damit die inhaltliche Ausweitung der wissenschaftlichen Tätigkeit auf die provinzialrömische Archäologie betrieben.

War bisher die klassische Archäologie naturgemäß vor allem mit Auslandsgrabungen verbunden, erstreckte sich die Tätigkeit des Instituts nun auch auf das „Vaterland“. „Vaterländische Archäologie“ war in jener nationalistisch geprägten Zeit aber vor allem Germanenforschung. Die Mitarbeiter der Römisch Germanischen Kommission, die sich vor allem auf die klassischen Relikte der römischen Eisenzeit in Deutschland konzentrierten, wurden von den „wahren vaterländischen Germanenforschern“ scharf angegriffen und als „Römlinge“ bezeichnet, ein Begriff, der sich an zeitgenössische antikatholische Ressentiments anlehnte.

Ausweitung des Archäologischen Spektrums

Als das Deutsche Archäologische Institut 1929 sein 100. Jubiläum feierte, wurden die bislang unabhängigen archäologischen Einrichtungen Kairo und die türkische Grabungskommission dem Institut als Auslandsabteilungen zugeordnet. Damit hatte sich schließlich das archäologische Spektrum auf die drei damals wichtigsten Zweige der archäologischen Forschung in Deutschland ausgeweitet: die Ur- und Frühgeschichte, die orientalische und die klassische Archäologie.

Politische Instrumentalisierung des Deutschen Archäologischen Instituts

Über die Rolle des Deutschen Archäologischen Instituts zwischen 1900 und 1980 wird derzeit im Rahmen eines sogenannten Clusters am Institut selbst intensiv geforscht. Unter dem Thema Archäologie und Politik, das Deutsche Archäologische Institut zwischen Wissenschaft, Zeitgeist und auswärtiger Kulturpolitik 1900  1980 steht damit auch die NS-Vergangenheit der Staatlichen Einrichtung zur Diskussion. Selbstverständlich kam es zu Konflikten zwischen der völkisch ausgerichteten Vorgeschichtsforschung und dem Wissenschaftlichen Anspruch der Mitarbeiter. Und natürlich gab es auch eine Funktionalisierung des Instituts im Rahmen der Kulturpropaganda gegen die „Feinde“. Die Wissenschaftlichen Untersuchungen hierzu sind aber noch nicht abgeschlossen. Allerdings weist allein die Gründungsgeschichte der Abteilung Madrid im Jahre 1943 auf einen sehr offensichtlichen Zusammenhang zur Unterstützung des Deutschen Reiches von Franco und seinem Regime hin und damit auf eine politische Instrumentalisierung des Deutschen Archäologischen Instituts.

Das Deutsche Archäologische Institut und die Taliban

Dass die Staatliche Archäologische Einrichtung auch eine (kultur-) politische Aufgabe zu erfüllen hat, entspricht durchaus dem institutionellen Selbstverständnis. So hatte das Deutsche Archäologische Institut bereits im Sommer 2002, kurz nach der Vertreibung der Taliban Ausgrabungen in Afghanistan aufgenommen. Dabei, so die dahinter stehende Philosophie, geht es darum, durch die gemeinsame Forschungsarbeit mit örtlichen Wissenschaftlern einen Beitrag zum Verständnis des kulturellen Erbes und der kulturellen Identität der jeweiligen Völker zu erreichen. Besonders wichtig dabei heute: der Dialog mit der islamischen Welt.

Archäologie und politische Strategie

Wenn das Deutsche Archäologische Institut also seit Jahrzehnten umfangreiche Ausgrabungen und Rekonstruktionen inklusive einer touristischen (und damit wirtschaftlichen) Erschließung der alten hethitischen Hauptstadt Hattuscha in Anatolien durchführt, dann nicht nur aus wissenschaftlichen Gründen. Seit 1955, als die Auslandsabteilung in Bagdad und eine weitere 1961 in Teheran gegründet wurde, verfolgte die Bundesregierung mit seinem Forschungsinstitut auch ganz offiziell politisch strategische Ziele.

So sollte einerseits das Ansehen Deutschlands in der Welt wieder verbessert werden, andererseits aber auch im Rahmen der westlichen Bündnisstrategie der kommunistische Einflussbereich eingedämmt werden. Nicht zuletzt sollte durch das wissenschaftlich- kulturelle Engagement auch die internationale Anerkennung der damaligen DDR verhindert werden. Und so ist es kein Zufall, dass das Deutsche Archäologische Institut eben vor allem in Ländern wie Irak und Iran oder Jemen engagiert war und je nach politischen Möglichkeiten auch zukünftig engagiert sein wird.

Aber selbstverständlich sind die durchgeführten Projekte auch wissenschaftlich- archäologisch von höchstem Interesse, wie nicht nur Hattuscha, Göbekli Tepe oder die gerade abgeschlossenen Grabungen im legendären Saba im Jemen zeigen.

 

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