Training und Pflege von Pferden in Vorderasien

Als Waffe hatte das Pferd in den vorderasiatischen Kulturen eine herausragende Bedeutung. Entsprechend intensiv war auch die fachliche Auseinandersetzung mit diesem Tier. Die Ausbildung und das Training von Streitwagenpferden war eine hochanspruchsvolle Angelegenheit und gehörte in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends vor unserer Zeit mit Sicherheit zum gut gehüteten militärischen Geheimnis der großen Reiche die über Streitwagenheere verfügten.

Ägyptischer Streitwagen, Abzeichung vom Palatst von Ninive von  Joseph Bonomi 1853

Ägyptischer Streitwagen, Abzeichung vom Palatst von Ninive von Joseph Bonomi 1853

Das Spezialwissen, das für die Entwicklung der Streitwagenwaffe benötigt wurde, ist uns wenigstens zum Teil überliefert. Da ist zunächst die Sphinx- Stele von Amenophis II zu nennen, auf der unter anderem die Behandlung von Streitwagenpferden beschrieben wird. Amenophis II war ein sehr sportlicher König, der sich eben auch mit Pferdezucht und Streitwagen fahren beschäftigte. Dabei ging es nicht nur um Krieg. Wie ein Ausschnitt aus einer anderen Stele des König Thutmosis IV belegt, ergötzten sich die Pharaonen an der Jagd von Löwen und Stieren vom Streitwagen aus. Das Pferd war nicht nur in Ägypten zum königlichen Accessior geworden.

Tontafeln über Training und Pflege von Pferden

Sehr detailliert  geben allerdings vor allem Keilschrifttexte, darunter vor allem das sogenannte Kikkuli- Traktat aus dem anatolischen Hattuscha über Training und Pflege von Pferden Auskunft. Dieses Werk umfasste vier oder fünf große Keilschrifttafeln, deren Fragmente heute in den Museen von Ankara, Istanbul und Berlin aufbewahrt werden. Offensichtlich waren an dem inhaltlich zusammenhängenden Werk mehrere Verfasser beteiligt, denn die Texte weisen fehlerhaftes Hethitisch und Fachbegriffe verschiedener Sprachen wie Indoarisch, Hurrisch und Luwisch auf.

Die Tatsache, dass nicht nur ägyptische, sondern auch hethitische oder assyrische Texte zum Thema Pferd ähnlichen Inhalts gefunden worden sind, zeigt, dass es bereits in der damaligen Zeit durchaus gewisse Standards und gegenseitige kulturelle Durchdringungen gegeben haben muss. Nur wenige der Texte sind so vollständig und damit umfassend wie die Kikkuli-Schriften, aber Vergleiche von Passagen gleichen Themas zeigen durchaus ein gemeinsames Grundverständnis gegenüber dem Pferd. Denn es wird immer wieder deutlich, dass großer Wert auf das Eingehen auf die und das Verständnis der Pferdepsyche gelegt wird.

Präzise Anweisungen zur Ausbildung und Pflege von Streitwagenpferden

Insgesamt ist den Texten aber die verhältnismäßig eintönige Aufzählung der Trainingsabläufe gemeinsam. Da geht es um den Aufbau von leichten Bewegungs- und Geschicklichkeitsübungen bis zur schwierigsten Dressur. Da geht es um Anschirren, Abspannen, Füttern und Pflegen und alles genauestens vorgegeben. Die Dauer und Abstände von Stallstehzeiten werden ebenso festgelegt, wie die Länge der Galoppier, Trab oder Schrittstrecken oder die genauen Futtermengen und –arten. Wann darf getränkt werden und wann nicht, wie ist der Wechsel von Belastung und Entspannung.

Sehr differenziert wird beispielsweise mit dem Begriff Tränken umgegangen. Da gibt es das Tränken, das Wasser geben, das zu Saufen geben, das satt saufen lassen und anderes mehr. Leistungsabhängige Futtermischungen von Kraftfutter, werden ebenso beschrieben wie das Einölen, Abtrocknen, Salbungen und Veterinärangaben.

Viele der Anweisungen und Kenntnisse klingen, von der stilistisch ein wenig ungewohnten Ausdrucksform abgesehen, erstaunlich modern und könnten entsprechend übersetzt aus einem Lehrbuch zur Ausbildung zum Pferdepfleger oder Pferdewirt stammen. Andere Texte, die eher kultischen Charakter haben und Ritualbeschreibungen darstellen, die ein Heilpriester studieren und beherrschen sollte, um den Segen der Götter über Vieh- und Pferdehöfe zu erhalten, gehören wohl eher in das Reich der Esotherik.

 

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