Frühe Handelszentren an der Ostsee

Haitabu, das Handelszentrum am Ende der Schlei gehörte zu einem ganzen Netz von mittelalterlichen Häfen und Niederlassungen an den Küsten der Ostsee. Haitabu ist sicherlich eines der bekanntesten mittelalterlichen Handelszentren der Ostsee.

Karte der Insel Birka aus Svecia Antiqua et Hodierna 1690-1710

Karte der Insel Birka aus Svecia Antiqua et Hodierna 1690-1710

Tatsächlich aber wäre Haitabu ohne die Existenz der anderen bedeutenden Zentren im Ostseeraum kaum mehr als ein Dorf geblieben, wenn es denn überhaupt entstanden wäre. Für eine mittelalterliche Handelsniederlassung bedarf es mehr als nur eines geschützten Hafens. Die enge wirtschaftliche Verbindung mit dem Hinterland musste die wirtschaftliche Versorgung der wachsenden Bewohnerzahl sichern können. Der Handelsplatz muss an einem Kontenpunkt von Handelswegen liegen, was gewisse natürliche Voraussetzungen, wie beispielsweise schiffbare Flüsse oder geschützte Schiffsländen, aber auch politische Rahmenbedingungen erforderte.

Anfangs, etwa seit dem 8. Jahrhundert handelte es sich wohl um bäuerliche Hofverbände, die vom Handel profitieren wollten und den herumziehenden Händlern, Unterkunft, Verpflegung aber auch handwerkliche Leistungen anboten. Im 9. Jahrhundert begannen sich dann auch die jeweiligen Herrschaften für die entstehenden Zentren zu interessieren. Denn der Schutz und Ausbau dieser blühenden Wirtschaftszentren versprach auch den jeweiligen Herrschaften einen Anteil am Profit.

Netzwerk der mittelalterlichen Handelszentren an der Ostsee

Dass die Entwicklung solcher Zentren, vor allem aber die Ansiedelung von Fernhandelskaufleuten eine lohnende Sache war, zeigt ein Beispiel aus den Fränkischen Reichsannalen über das Jahr 808. Der dänische König Göttrik hatte in diesem Jahr kurzerhand das im Land der slawischen Obdoriten gelegene Reric (östlich von Lübeck) überfallen, es geplündert und die dort ansässigen Kaufleute nach Haitabu verschleppt, um sie hier neu anzusiedeln. Aber auch Haitabu war ein Ort herrschaftlicher Begehrlichkeiten. Es wurde nicht nur einmal von Norwegern und Slawen geplündert und niedergebrannt.

Am Netzwerk der Handelszentren in der Ostsee waren nicht nur die Dänen und Obdoriten beteiligt. Auch die Schweden und andere slawische Stämme, wie die Ranen, Pomoranen und Lutizen nahmen ebenfalls am Seehandel auf der Ostsee teil. Wobei Seehandel immer auch mit einer Portion Seeräuberei verbunden war. Vor allem die Ranen von der Insel Rügen waren als Seeräuber berüchtigt.

Das schwedische Birka, Dirkow und Menzlin der slawischen Wilzen an der Warnowmündung, Ralswiek und Arkona auf der Insel Rügen und natürlich Wollin waren in der Zeit zwischen 800 und 1100 klangvolle Namen.

Das mittelalterliche Handelszentrum Vineta

Wollin, an der Mündung der Divenow gelegen, galt als geradezu sagenhaft reiche Stadt, die in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts nach ihrer größten Blütezeit verlassen wurde. Wollin, auch Vineta genannt, war weltbekannt. Denn hier wohnten Slawen, Griechen und Barbaren, wie zeitgenössische Quellen berichten und Fernhändler aus auch aus Arabien und Spanien waren hier zu Gast. Über zwölf Tore und sogar einen Leuchtturm mit griechischem Feuer soll das Atlantis der Ostsee gehabt haben.

Tatsächlich belegen archäologische Ausgrabungen die Existenz dieses blühenden mittelalterlichen Handelsplatzes. Auch seine herausragende Stellung im Ostsee- und Fernhandel gilt als gesichert, ein Atlantis dürfte es sicherlich nicht gewesen sein.

Aber man sollte den nur scheinbar kleinräumigen Ostseehandel nicht unterschätzen. Tatsächlich wurden hier Waren aus aller Welt umgeschlagen. Arabische Fernhändler, Griechen aus Byzanz, Juden aus Spanien brachten exotische Waren in die Region und speisten die regionalen Produkte wie Salz, Bernstein, Hering, Eisenbarren, Tuche und Stoffe in den Fernhandel ein. Der Ostseeraum war nicht nur ein Tor nach Skandinavien oder in die Nordsee. Denn auch die Landwege und Flussysteme bildeten eine Verbindung zur ganzen damals bekannten Welt. Entlang der russischen Ströme entwickelten beispielsweise die Waräger enge Verbindungen über das Schwarze Meer bis nach Byzanz.

 

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Eingeordnet unter 3 Mittelalter, Archäologie, Schifffahrtsgeschichte

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