Die fränkische Herrschaft in Deutschland

Ein Reich wie das der Franken ohne städtische Verwaltungszentren und ohne entwickelte Verkehrsinfrastruktur zu beherrschen und zu verwalten, erforderte eine ganz spezielle Organisation in Form von Adelshöfen, Klöstern, Pfalzen und Reisekönigtum.

Das Gebiet von den Pyrenäen bis zur Elbe mit insbesondere im östlichen Reichsgebiet recht aufsässigen Stämmen wie Friesen, Sachsen, Bajuwaren oder Alamannen, das war das Frankenreich unter den Karolingern.

Im Bereich der ehemals römischen Provinzen, also der linksrheinischen Gebiete wie Gallien war die städtische Infrastruktur weitestgehend zusammengebrochen, im „Freien Germanien“, das die Römer nie zu einer Provinz machen konnten, hatte diese Struktur gar nicht erst existiert.

Von Karl Martell bis Karl dem Großen

Natürlich gehörten zur Ausdehnung und Beherrschung des nach dem Zusammenbruch Westroms entstandenen Frankenreiches auch Kriege und Schlachten.

Karl Martells Kriege wie 717 gegen die Friesen, 724 gegen die Sachsen, 725 gegen die Alamannen, Sweben und Bajern belegen dies ebenso, wie die Sachsenfeldzüge seines Sohnes Pippin zwischen 753 und 757 oder die 772 von Pippins Sohn Karl dem Großen begonnenen 32 Jahre währenden Sachsenkriege.

Das eigentliche Geheimnis der fränkischen Erfolgsgeschichte sind aber nicht die zahllosen militärischen Auseinandersetzungen und siegreichen Schlachten, die militärischen Unterwerfungen unwilliger, widerspenstiger oder offen feindlicher Stämme und Herrscher.

Es ging letztendlich um die materielle Inbesitznahme, die Verwaltung und Organisation, der eroberten oder zu erobernden Gebiete und damit um die Errichtung einer kolonialen Infrastruktur.

Die Vasallen des Königs

Fränkische Adelige erhielten vom König Ländereien in den eroberten Gebieten als Lehen. Ursprünglich gingen diese Ländereien übrigens durchaus in das Eigentum des Adligen über, erst später wurde das Lehen nur verliehen. Trotzdem erwartete der König natürlich Gegenleistungen, sei es die Gefolgschaft im Kriege, sei es den Schutz und den Betrieb der Königspfalzen, üblicherweise in Eigenwirtschaft des Königs stehende landwirtschaftliche Höfe. Diese Höfe dienten dem König als Station auf seinen ständigen Reisen durch das Land. Es darf aber auch davon ausgegangen werden, dass auch die Lehnsherren in der Pflicht standen, den König bei Bedarf auf ihren Höfen Unterkunft zu bieten.

Dieses ständige Umherziehen des Königs im Reich hatte gute Gründe. Denn der Zusammenhalt des Reiches war ohne die Präsenz des Königs kaum denkbar. Es galt die Vasallen, die nicht nur die Aufsicht über die Königsgüter hatten, sondern auch die Abgaben (wie Zölle und Marktabgaben) für den König einzogen, direkt und persönlich bei der Stange zu halten, zu kontrollieren.

Und so zogen die Könige mit ihrem mehrere Hundert Menschen umfassenden Hofstaat durch das Reich, sprachen Recht, verwalteten, organisierten. Letztendlich war der Hofstatt, dem natürlich die Leibgarde, vor allem aber für Unterbringung, Verpflegung und Verwaltung zuständige Amtsmänner und nicht zuletzt schreibkundige Kirchenleute angehörten, ein mobiler Verwaltungsapparat.

Den Lebensmitteln hinterhergewandert

Es war aber nicht nur das Kontrollbedürfnis, das die Könige beziehungsweise Kaiser bis ins 13. Jahrhundert hinein durch das Reich ziehen ließen. Die Produktivität der damaligen Landwirtschaft ließ es einfach nicht zu, einen so umfangreichen Hofstaat auf Dauer am gleichen Ort zu versorgen. Und angesichts der noch unterentwickelten Verkehrstrukturen vor allem im östlichen Frankenreich war die funktionierende Versorgung einer zentralen, stationären Verwaltungsstelle aus entfernteren Regionen kaum denkbar.
Mit dem Reisekönigtum wurden also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die königliche Präsenz und Kontrolle überall im Reich war gewährleistet und gleichzeitig wurde die jeweils regionale Landwirtschaft nicht über Gebühr strapaziert.

An die Ausstattung der Reisestationen waren in der Regel erstaunlich wenig Ansprüche gestellt. Nur die großen, zentralen Königspfalzen wie Speyer, Worms oder Aachen, die Orte, an denen die Könige länger vereilten, verfügten über als Palast bezeichnete, ausreichend feste Gebäude, für die Unterbringung, eine steinerne Kirche und steinerne Wirtschaftsgebäude. Befestigungen kamen erst später, vielleicht im 10. oder 11. Jahrhundert, hinzu.

Letztendlich waren die Reisestationen, die im Abstand einer Tagesreise von etwa 30 Kilometern an den großen Überlandstraßen aufgereiht waren, vor allem Gutshöfe, auf deren Gelände bei Bedarf ganze Zeltstädte für den Hofstaat aufgebaut wurden.

Die regionalen Vorlieben der Reisekönige

Betrachten man die Wege, die die Könige zurücklegten, so wird der gewaltige Aufwand deutlich, der mit dieser Herrschaftsform verbunden war. Allein Karl der Große legte während seiner Regierungszeit eine Strecke zurück, die dem Mehrfachen des Erdumfangs entsprach, Heinrich VI zogen zwischen Januar und Dezember 1193 über 4000 Kilometer im Reich umher. Und nicht vergessen sollte man, dass auch die Verwandtschaft der Könige immer unterwegs war.

Alle Könige hatten ihre speziellen Routen, Schwerpunktregionen. Die späten Karolinger (8. bis 10. Jahrhundert) waren überwiegend im Westlichen Teil des Reiches unterwegs, während die Ottonen (10. und 11. Jahrhundert) bei ihren Reisen ihre Herkunftsregion Sachsen bevorzugten und die Salier (11. und 12. Jahrhundert) besuchten vor allem ihre rheinfränkischen Stammlande und Sachsen.

Gerade die Konzentration der Reisekönige auf bestimmte Regionen zeigt, dass die Reisetätigkeit allein für die Herrschaftsausübung im gesamten Reich nicht die zentrale Bedeutung hatte.

Macht und Herrschaft des fränkischen Königs- und später des Kaisertums und der Zusammenhalt des gewaltigen Reiches wurden in erster Linie durch die systematische Christianisierung, durch die Inbesitznahme des Landes durch Klöster und durch die geistig- geistliche Inbesitznahme der Bevölkerung durch die christliche Missionierung gewährleistet.

 

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 3 Mittelalter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s