Die Vereinigte Ostindische Kompagnie

Die Vereinigte Ostindische Kompagnie (VOC), war das erfolgreichste Wirtschaftsunternehmen des 17. Jahrhunderts. Es waren nicht die erfolgreichen Seeschlachten, die Holland zur führenden Seefahrernation des 17. Jahrhunderts machten, sondern sein Schiffbau und der Seehandel.

Nachdem der Seeweg nach Indien um das Kap der Guten Hoffnung von Vasco da Gama erschlossen worden war, hatten die Portugiesen innerhalb weniger Jahre durch eine Kette von Stützpunkten ihren Handel mit Ostindien abgesichert. Der ostindische Handel, der Indonesien, China und sogar Japan mit einschloss, war so lukrativ, dass er die Begehrlichkeiten anderer Handelsnationen geradezu herausforderte. Zu den ersten, die den Portugiesen den Ostindienhandel erfolgreich streitig machten, gehörten die Holländer.

Handelsgesellschaft mit hoheitlichen Rechten

1602 schlossen sich mehrere kleine miteinander konkurrierende Handelsgesellschaften der Provinzen Holland und Zeeland zusammen, um gemeinsam im Rahmen der Vereinigten Ostindischen Kompagnie (VOC) den lukrativen Ostindienhandel zu betreiben. Von den sogenannten Generalstaaten, einem Gremium aus Vertretern der drei Stände Klerus, Adel und Bürger erhielt die Kompagnie umfassende Privilegien. So war die Handelsgesellschaft ermächtigt, Land in Besitz zunehmen und dort souveräne Rechte auszuüben. Dazu gehörten die Gesetzgebung, die Rechtsprechung, der Abschluss von Verträgen und nicht zuletzt die Kriegsführung.

Generalstaaten der sieben Provinzen

Holland war in jener Zeit ein Bündnis von sieben recht souveränen und untereinander gleichberechtigten Provinzen, deren ständische Abgeordnete für die gemeinsame Verteidigung und Außenpolitik zuständig waren. Die Übertragung hoheitlicher Rechte auf die Kompagnie stellte vor diesem Hintergrund einen unschätzbaren Vorteil für die expansiven Handelsaktivitäten dar.

Denn Entscheidungen des Rates der Generalstaaten mussten einstimmig getroffen werden, wobei alle Provinzen bei den Abstimmungen gleichberechtigt waren. In den Englisch-Holländischen Konflikten, bei denen es natürlich um Handelsrivalitäten ging, erwies sich die Ratskonstruktion als gravierendes Problem, das letztendlich zum Sieg der Engländer führte.

Der schnelle Aufstieg der VOC

1619 also gerade 17 Jahre nach der Gründung wurde in der Stadt Batavia, heute Jakarta, der Hauptsitz der Ostindischen Kompagnie gegründet und 1665 hatten die niederländischen Kaufleute die Portugiesen fast vollständig aus Ostindien vertrieben und sich das Monopol in der gesamten Region gesichert. Dabei hatte die Kompagnie auch die Briten aus Malaysia und von den Molluken verdrängt.

40 Kriegsschiffe, 150 Handelsschiffe und 10.000 Soldaten umfasste die Organisation der parastaatlichen Handelsorganisation im Jahre 1669. Und die Dividenden, die die Kompagnie erwirtschaftete lagen im 17. Jahrhundert zwischen 12 und 63 Prozent. Während ihrer rund 200 jährigen Geschichte betrieb die Gesellschaft insgesamt 1772 Schiffe, die zusammen 4879 Reisen unternahmen.

Jedes Jahr schickte die Handelsgesellschaft etwa 30 Schiffe nach Ostindien, viele davon waren auf gesellschaftseigenen Werften gebaut worden. Einige davon waren für den Verkehr im ostindischen Raum vorgesehen, andere wiederum, die sogenannten Retourschiffe, sollten nach Holland zurückkehren.

Die Kompagnie als private Militärmacht

Die Tatsache, dass die Ostindische Kompagnie eigene Kriegsschiffe betrieb, lag vor allem daran, dass die Generalstaaten den Überseehandel der Kompagnie nicht mit einer nationalen Flotte schützen konnten. Zum einen war diese mit den holländisch-englischen Rivalitäten in der Heimat ausreichend beschäftigt, zum anderen konnte sich die Ständeversammlung der sieben Provinzen kaum auf ein gemeinsames Flottenbauprogramm und schon gar nicht auf eine einheitliche und konsequente Marinestrategie gegenüber England verständigen. Militärisch war die Kompagnie letztendlich auf sich allein gestellt.

In diesem Zusammenhang mag es wiederum verwundern, dass die Kompagnie ihre weiträumigen ostindischen Interessen mit gerade einmal 40 Kriegsschiffen durchsetzen konnte. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Ostindienfahrer selbst schwer bewaffnete Handelsschiffe waren und sich in der Regel recht gut selbst verteidigen konnten.

So verfügte beispielsweise die Batavia von 1628, eines der größten Retourschiffe der Kompagnie, mit 32 Kanonen über die Kampfkraft eines größeren Kriegsschiffes seiner Zeit.

Betrachtet man vor diesem Hintergrund noch einmal die gesamten Schiffszahlen, so wird deutlich, welchen militärischen Nachdruck die Handelsgesellschaft ihrem Monopolanspruch verleihen konnte.

Das Ende der Holländischen Ostindischen Kompagnie

Am Ende war es die Schwäche Hollands gegenüber den aufstrebenden Seefahrernationen mit ihren mächtigen Kriegsflotten und eigenen staatlich privilegierten und unterstützten Ostindischen Handelskompagnien und nicht zuletzt die Korruption innerhalb der Kompagnie selbst, die 1799 nach Verlust der ostindischen Besitzungen an die Briten zum Bankrott führten.

 

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Schifffahrtsgeschichte

Eine Antwort zu “Die Vereinigte Ostindische Kompagnie

  1. Wer Zeugnisse jener Zeit besichtigen will, muss gar nicht so weit fahren. Häfen wie Amsterdam und auch die heute bedeutungslosen Städte am IJisselmeer wie Hoorn und Lelystad bieten viele Sehenswürdigkeiten der „goldenen Zeit“. Hoorn war damals einer der wichtigsten Häfen der Nederlande, heute gerade mal ein Wochenendziel. Der Maler Rembrandt hat – gänzlich unüblich für Künstler – zu Lebseiten ein Vermögen nur damit gemacht, dass er die reichen Kaufmannsleute und ihre übergewichtigen Frauen gemalt hat.
    Seefahrt hängt immer von sicheren Häfen ab. Das Ijisselmerr war eine der sichersten Regionen in ganz Europa. Durch den Damm ist es heute ein Binnensee mit einer Schleusenverbindung zur Nordsee.

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