Nachbauten antiker Ruderschiffe

Mit der Lusoria und der Victoria sind in den letzten Jahren zwei römische Kriegsschiffe entstanden, die typisch für die antiken Kreuzer auf Germanischen Flüssen waren. Die Victoria kurvte seit der zweiten Hälfte 2008 anläßlich des Varusjahres durch Europa.

Zuvor allerdings hatte die im Mai 2008 auf den Namen Victoria getaufte Galeere ein wissenschaftliches Testprogramm absolviert. Denn mit dem Nachbau wollte man natürlich nicht nur Werbung für die Veranstaltungen des Jubiläumsjahres der Varusschlacht machen, sondern beispielsweise Geschwindigkeit, Fahreigenschaften und Manövrierfähigkeit dieses Schiffstyps im praktischen Versuch herausfinden.

Originalgetreue Rekonstruktion des drususzeitlichen Römerschiffes

Natürlich ist das Schiff vor diesem Hintergrund eine originalgetreue Rekonstruktion, die mit fachlicher Unterstützung des Mainzer Museums für antike Schifffahrt an der Universität Hamburg gebaut und im März 2008 zu ersten Testfahrten auf verschiedenen Gewässern eingesetzt wurde. Die Rekonstruktion basiert auf Originalfunden, die man 1986 an der Donau in der Nähe von Ingolstadt entdeckte, 1994 barg und anschließend in Mainz konservierte. Wie die Originalfunde misst der Nachbau aus der Drususzeit 16 Meter in der Länge und rund 3 Meter in der Breite. 20 Ruderer, ein Steuermann und ein Bootsführer bringen das Schiff auf eine Geschwindigkeit von knapp sechs Knoten, fast so schnell, wie das Segel.

Römische Schiffe auf allen großen Deutschen Flüssen

Schiffe dieser Art hatten nicht nur Donau, Rhein und Main befahren, also die Grenzen des römischen Imperiums abgesichert. Auch ohne entsprechende Funde weiß man aus den zeitgenössischen Berichten, dass die Römer bei ihren Vorstößen in das freie Germanien kombinierte Land- Seestreitkräfte einsetzen. So segelten römische Flotten von Rhein aus an der norddeutschen Küste entlang, die Weser oder auch Elbe hinauf, um sich mit den von Xanten und Mainz vorstoßenden Marschkolonnen zu treffen.

Das Navis Lusoria auf der Donau

Das von Geschichtswissenschaftlern und Studenten der Universität Hamburg und Bootsbauern der Werft von Jugend in Arbeit gebaute Römerschiff ist nicht der erste Nachbau seiner Art. So hatte einer der Initiatoren des Victoria-Projektes, Prof. Christoph Schäfer, bereits während seiner Hochschullehrerzeit in Regensburg ein ähnliches Projekt mit dem spätantiken römischen Flusskreuzer Lusoria, dem weltweit ersten schwimmfähigen antiken Flusskriegsschiff, organisiert. Navis Lusoria ist ein Schiffstyp, der etwa seit Anfang des 5. Jahrhunderts massiv auf der Donau zum Schutze gegen die drängenden Germanenscharen eingesetzt worden war. Zahlreiche Flotillien waren wie eine Perlenschnur an der Flussgrenze aufgereiht. Allein Zur Absicherung des etwa 600 Kilometer langen moesischen und skythischen Stromabschnitts der unteren Donau waren 225 Schiffe dieses Typs für den Grenzwachdienst eingesetzt.

Zwei Rekonstruktionen des spätantiken Schiffstyps

Auch bei der Rekonstruktion dieses Schiffes konnte man sich auf die kompetente Unterstützung des Mainzer Museums für antike Schifffahrt verlassen. Denn 1982 waren in Mainz die Überreste von vier römischen Schiffen gefunden worden, die nicht nur dem Typ Navis Lusoria zugeordnet werden konnten, sondern auch so umfangreich waren, dass der Schiffskörper nahezu vollständig rekonstruiert werden konnte. Eine Rekonstruktion ist heute im Museum zu besichtigen. Die andere, an der Universität Regensburg 2004 mit Studenten gebaute Rekonstruktion mit einer Länge von 21,7 Metern und einer Breite von 2,8 Metern und 30 Ruderern befährt seit ihrem Stapellauf als lebendig gewordene Geschichte die Donau.

Schneller Kreuzer der Antike

In der Beschreibung der Kämpfe Kaiser Julians gegen die Alamannen werden die auf dem Rhein agierenden Naves Lusoriae (schnelle Schiffe) als nicht besonders groß, dafür aber schnell fahrend beschrieben. Kein Wunder, denn im Vergleich zu ihren Vorgängerschiffen aus der Drusus- Zeit, die mit einem Breiten- Längen- Verhältnis von 1 zu 5,3 bereits sehr schlank waren, wiesen die Lusoriae ein Verhältnis von 1 zu 9 auf. Länge läuft, wissen Seeleute und Schiffbauingenieure gleichermaßen und eine Reisegeschwindigkeit von 6 bis 7 Knoten für das extrem schlanke Schiff mit einem Tiefgang von gerade einmal 44 Zentimetern bei voller Besetzung gilt als sehr wahrscheinlich.

Victoria als Teil der Ausstellung „Imperium Konflikt Mythos“

An den Varus- Feierlichkeiten im Jahr 2009 hatte die Lusoria kaum teilgenommen, immerhin ist sie Vertreter einer späteren historischen Epoche. Die Victoria jedoch war viel beschäftigt,  schließlich ist sie Teil der komlexen und überregional organisierten Ausstellung „Imperium Konflikt Mythos“ zum 2000 jährigen Jubiläum der folgenschweren Niederlage der römischen Legionen in der fast- Provinz „freies Germanien“.

 

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