Göteborg – ein schwedischer Ostindienfahrer des 18. Jh.

Schwedens Wirtschaft hatte unter den Kriegen gegen Russland und seine Nachbarn in den Jahren 1700 bis 1720 erheblich gelitten. Die Ostindische Handelskompanie sollte mit ihrem gewinnträchtigen Chinahandel zur wirtschaftlichen Erholung des Landes beitragen.

Die 1738 gebaute Göteborg war einer der mächtigen Ostindiensegler, der 1743 zu seiner dritten Chinareise ausgelaufen war. Uber das Schiff liegen keine originalen Bau- oder Konstruktionspläne vor. So weiß man zunächst einmal nur, dass es 40,55 Meter lang und 10,3 Meter lang war, eine Tragfähigkeit von etwa 830 Tonnen aufwies und randvoll mit wertvoller Ladung gefüllt war.

Allein 133 Tonnen Tutanego, eine Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel, fast 3,5 Tonnen Perlmutt, etwa 2 Tonnen Pfeffer, 11,5 Tonnen eines ingwerähnlichen Gewürzes namens Gallingal, 370 Tonnen Tee, 1180 Seidenballen und nicht zuletzt mehr als 600.000 in Kisten, Fässern und Bündeln verpackte Porzellanteile bargen die Frachträume der Göteborg bei ihrer Rückkehr.

Ums Kap der guten Hoffnung nach Java

Über die letzte Reise, die unter keinem günstigen Stern stand, weiß man aus dem Tagebuch des mitreisenden Pfarrers Petter Holmertz. Bereits der Antritt der Reise im März 1743 fand verspätet statt. Die übliche Abfahrtszeit war Dezember/Januar, um auf dem Weg zwischen Java und Kanton nicht gegen den im September einsetzenden Monsun ansegeln zu müssen.

Aber genau das geschah. Einen Monat verbrachte man zunächst in Cadiz, um dort Güter aus Schweden gegen spanisches Silber zu verkaufen, das wiederum für den Handel mit den Chinesen benötigt wurde.

Nonstop ging es dann um Afrika in den indischen Ozean und am 28. August 1743 erreichte man Java. Hier waren nun Reparaturen fällig und der Versuch, schließlich doch noch Kanton zu erreichen scheiterte, weil es nicht gelang, gegen den Monsun anzukreuzen.

Auf Felsen gelaufen, gesunken und Gewinn gemacht

Im Sommer 1744 schließlich erreichte der Ostindienfahrer Kanton und kehrte am 12. September 1745 nach Göteborg zurück.

Warum das Schiff vor der Hafeneinfahrt auf einen Felsen lief und langsam sank, ist bis heute nicht geklärt.

Immerhin konnten im seichten Wasser 1746 rund 30 Prozent der Ladung durch Taucher geborgen werden. Dadurch endete diese Reise trotz des Totalverlustes des Schiffes mit einem Gewinn von rund 14 Prozent.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das Wrack in Vergessenheit geraten. 1864, 1877 und 1906 wurden aber wieder Tauchgänge durchgeführt. Von den dabei geborgenen Tausenden von Gegenständen, allen voran Porzellan landete der größte Teil bei Privatsammlern. Nach diesen eher als Plünderungen zu bezeichnenden Aktionen begannen erst nach der Wiederentdeckung des Wracks 1985 archäologische Kampagnen.

Sporttaucher als archäologische Hilfstruppen

Rund 100 Sporttaucher legten seitdem im Auftrag der Wissenschaft die Wrackreste mit den Ziel der genauen Kartierung und Untersuchung des Schiffes frei. Und natürlich sollte die archäologisch so interessante restliche Ladung geborgen und für die Göteborger Museen gerettet werden.

Die gesamte Grabungsfläche über die ein Gitterwerk von 252 Quadraten mit jeweils 2 mal 2 Metern gelegt wurde, umfasste 1.008 Quadratmeter. Zur genauen Bestimmung der Position jedes einzelnen Fundes wurden drei Einmesspunkte festgelegt. Zwei acht Meter hohe Masten wurden dazu auf dem Grund positioniert, den dritten Punkt bildete der Leuchtturm Hunnebadan.

Systematisch wurden nun ein Grabungsquadrat nach dem anderen mit einem überdimensionalen Staubsauger vom Schlamm befreit und die dabei aufgenommenen Fundstücke kontinuierlich konserviert. Bis 1992 wurde die Fundstelle untersucht. Dabei wurden große Mengen chinesischen Porzellans, Munition, Persönliche Gegenstände der Besatzung, größere und kleinere Teile des Schiffes und nicht zuletzt ein 22 Kilo-Barren von Tuttanego geborgen.

1993, nachdem man rund 420 Quadratmeter ausgegraben, rund 5.000 Funde registriert und ein genaues Bild von der Lage und Anordnung der Wrackteile ermittelt hatte, wurde die Ausgrabungsstätte wieder abgedeckt.

Rekonstruktion der Göteborg

1995 wurde der Kiel für einen Nachbau des schwedischen Ostindienfahrers gelegt. Im Juni 2003 fand in Gegenwart der schwedischen Königsfamilie der Stapellauf der Göteborg statt. Die ersten Fahrversuche des in alten Handwerkstechniken hergestellten Nachbaus, wurden schließlich im Mai 2005 durchgeführt. Die neue Göteborg ist heute eines der größten vollgetakelten, dreimastigen hölzernen Segelschiffe. Während sie oberhalb der Wasserlinie ihrem Original täuschend ähnlich ist, verbirgt sich tief im Rumpf aber auch moderne Antriebstechnik. Denn das Schiff sollte schließlich wieder auf große Fahrt gehen.

So wiederholte 2007 die neue Göteborg die Kantonreise ihrer Vorfahrin, diesmal erfolgreich.

 

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Archäologie, Schifffahrtsgeschichte

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