Dr. Anders Franzén – Pionier der Unterwasserarchäologie

Am 8. Dezember 2008 jährt sich zum 15. mal der Todestag des Entdeckers der schwedischen Kriegsschiffe des 17. Jahrhunderts Vasa und Kronan. Als Franzén am 23. Juli 1918 in Stockholm das Licht der Welt erblickte, stand sein Werdegang scheinbar fest. Wie sein Vater sollte er Arzt werden und studierte daher nach dem Abitur im Jahre 1936 Medizin.

Ein Jahr später, nach dem Tod seines Vaters, begann sich Franzén systematisch seiner Leidenschaft, der Erforschung alter Schiffe, zuzuwenden. Franzén beschloss also Schiffbau zu studieren, musste aber, dies verlangten die Zulassungsbestimmungen, eine mindestens einjährige seemännische Praxis nachweisen. So heuerte er als Maschinist auf einem Frachter an und ging neun Monate auf Südamerikafahrt. Drei Monate Arbeit auf einer Werft und anschließend Wehrdienst folgten, bis er sich 1940 an der Königlich Technischen Hochschule, Fachrichtung Schiffbaukunst, immatrikulieren konnte. Nach dreijährigem Studium arbeitete er als technischer Leiter bei der Ölgesellschaft BP, was er seiner Erfindung während des Studiums verdankte: der Treibstoffgewinnung aus Holz.

Entstehung der Sporttaucherei und die ersten Wrackuntersuchungen

Während seiner Studienzeit hatte Franzén aber auch über die Schiffe der schwedischen Großmachtzeit geforscht und dabei festgestellt, dass es nur wenige Hinweise auf die Art ihrer Konstruktion gab. Diese Lücken in der Marinegeschichte zu schließen war sein ehrgeiziges Ziel, als er begann, sich mit den Möglichkeiten der Entdeckung und Bergung bislang unberührter Wracks zu befassen. Seinem Ziel kam die nach dem Krieg in Schweden entstandene Begeisterung für das Sporttauchen entgegen und die damit verbundenen ersten Wrackuntersuchungen durch sogenannte leichte Taucher, Ende der vierziger Jahre. Natürlich belegte Franzén bei der Marine einen entsprechenden Tauchlehrgang.

Die Geburtsstunde der Unterwasserarchäologie

1952, im gleichen Jahr, als Jaques- Yves Cousteaus südlich von Marseille begann, in 42 Metern Wassertiefe ein römisches Wrack auszugraben, tauchte Franzén bei der 1676 gesunkenen Riksäpplet und organisierte mit dem Statens Sjöhistorika Museum, der Marine und der Küstenwache weitere Untersuchungen bei den Wracks Riksäpplet und der ebenfalls 1676 gesunkenen Gröne Jägaren. Weitere Wracks folgten und 1956 konnte der von den Museen noch immer mit Misstrauen betrachtete Amateur verkünden, er habe die 1628 gesunkene Vasa gefunden.

Eine aufsehenerregende Bergungskampagne folgte und machte Franzén als Entdecker und Organisator der Bergung des schwedischen Flaggschiffs zum international anerkannten Schiffsarchäologen. Um die Bergung der Vasa besser beeinflussen zu können, wechselte Franzén von der BP zur schwedischen Marine.

Präsenz bei internationalen Konferenzen über Unterwasserarchäologie, Veröffentlichungen, spezielle Museumsführungen für Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und nicht zuletzt die Recherche nach dem Untergangsort des schwedischen Flagschiffs Kronan bestimmten nun seine Arbeit.

Franzén als Forscher am Institut für Schiffbaukunst

1978/79 hatte die schwedische Regierung dem nunmehr Sechzigjährigen in Würdigung seiner Verdienste eine Forscherstelle am Institut für Schiffbaukunst der Königlichen Technischen Hochschule zuerkannt. Damit konnte Dr. h.c. Franzén, der bereits 1972 und 1973 die Ehrendoktorwürde erhalten hatte, seine Suche nach der Kronan verstärken, die schließlich im August 1980 zum Erfolg führte.
Auch der Fund und die Bergung der Kronan war eine wissenschaftliche Sensation, die Franzéns Ansehen als Unterwasserarchäologe noch steigerte und 1983 zu einer weiteren Doktorwürde führte.
Franzén war nun auch Leiter der Arbeitsgruppe Unterwasserarchäologie der Königlich Technischen Hochschule geworden, die auf seine Initiative in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hydrografischen Institut auf dem Vermessungsschiff Atair 1985 mehrere Wracks bei Öland erkundet und dabei vor allem verschiedene Vermessungs- und Ortungstechniken für die Unterwasserarchäologie erprobt hatte.
Zwei Jahre später wehte die schwedische Flagge auf dem ehemaligen deutschen Forschungsschiff.

Franzén als Pionier der Unterwasserarchäologie

Nicht nur die Entdeckung und Bergung der Vasa macht den 1993 verstorbenen Anders Franzén zu einem der bedeutendsten Pioniere der Unterwasserarchäologie. Als Gründungsmitglied der 1972 ins Leben gerufenen Meeresforschungsgesellschaft betrieb und förderte er sein Leben lang Literatur- und praktische Forschung bei der Suche nach Schiffswracks. Und als Ingenieur war er immer auf der Suche nach neuen technischen Mitteln zur Lokalisation, Bergung und Konservierung maritimer Funde.

 

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