Versicherungen und Sterbekassen im alten Rom

Die Zusammenhänge zwischen Arbeit und Gesundheitsgefährdung sind schon in der Antike erkannt worden. Darauf verweisen bereits die Mythologien der Römer, Griechen und Germanen, deren vergötterte Schmiede hinkten, humpelten und Lähmungserscheinungen zeigten.

Die Legierungszusätze der Bronze, wie Arsen oder Wismut beispielsweise hatten tatsächlich jene Krankheitserscheinungen zur Folge, die allen Götterschmieden der Bronzezeit gemeinsam waren. Schließlich inhalierten die Bronzeschmiede die leicht verdampfenden giftigen Metalle bei ihrer Arbeit in großen Mengen.

Hinweise auf die Kenntnis von Berufskrankheiten ergeben sich aber nicht nur aus der Mythologie. So stellte Plato (4. Jahrhundert vor Christus) fest, dass der Körper eines Handwerkers durch seine Berufstätigkeit deformiert werden konnte, der antike Arzt Hippokrates beschrieb die Bleikolik eines Grubenarbeiters. Der römische Historiker Plinius der ältere, der antike Verfasser eines achtbändigen Werkes zur Medizin, Celsus und der griechische Arzt Galen wussten von Berufskrankheiten der Bergleute, Gerber, Tuchwalker und Lastenträger und Martial erwähnte Augenschäden bei Schwefelarbeitern.

Gesetz zum Schadenersatz per Volksentscheid

Trotz der Kenntnis von Berufskrankheiten gab es bei der sozialen Sicherung keinen Unterschied zwischen Berufskrankheit, Krankheit, Unfall, oder sonstigen Schäden. Die wohlhabenden beziehungsweise freien Bürger waren ohnehin in das soziale Netz der Familiengemeinschaft eingebunden. Und da die Arbeit in den klassischen antiken Gesellschaften in der Regel durch Sklaven geleistet wurde, galt zunächst der Grundsatz, dass die Folgen eines Unfalls oder anderen Schadens immer vom Betroffenen selbst zu tragen seien.

Das Prinzip des persönlichen Risikos änderte sich grundlegend, als sich zum Ende der punischen Kriege in Rom ein schnell zunehmendes, mittelloses aber stimmberechtigtes Proletariat aus römischen Bürgern entwickelte. Etwa um 286 vor Christus entstand per Volksentscheid ein Gesetz, das erstmals dem Geschädigten Schadenersatz vom Schädiger zusprach. Darüber hinaus wurde die Masse der verarmten Arbeiter nach dem bekannten Prinzip des „Brot und Spiele“ mit staatlichen Zuwendungen versehen, ein Versuch, soziale Unruhen von vornherein zu vermeiden.

Die ersten Krankenkassen

Aus den für das römische Reich lebenswichtigen Berufsgruppen der Seeleute und Bäcker, bildeten sich schnell zahlenmäßig starke Gilden, die ihre Mitglieder auch gegen Krankheit und Unfall zu schützen versuchten. Weniger wohlhabende Bürger schlossen sich zu Krankenkassenvereinen und Sterbekassenvereinen zusammen.

Die Leistungen der zunächst freiwilligen, zu Beginn des Kaiserreiches, etwa 27 vor Christus, in Zwangsgenossenschaften umgewandelten Zusammenschlüsse muteten recht modern an. Immerhin wurde bei Unfall oder Krankheit Ersatz des Verdienstausfalls durch Geld und Lebensmittel auf unbestimmte Dauer geleistet, Arzt und Arzneikosten übernommen, besondere Vereinsärzte unterhalten, sowie Gaben für Hinterbliebene und Waisen bis zum berufsfähigen Alter gewährleistet.

Die Einrichtungen standen unter staatliche Aufsicht, das Mitbestimmungsrecht der Mitglieder war festgeschrieben und auch die Beiträge und zu gewährenden Leistungen waren nach Höhe und Dauer klar geregelt.

Klöster und Ritterorden als Ersatz für Genossenschaften

Die Genossenschaften verloren mit der Christianisierung und der Auflösung des römischen Reiches zunehmend ihre Bedeutung. Krankenversorgung wurde zur vornehmlichen Aufgabe der kirchlichen Einrichtungen, der Klöster und Ritterorden, wofür diese nicht nur Spenden sondern auch staatliche Gelder erhielten.

 

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5 Kommentare

Eingeordnet unter 2 Antike

5 Antworten zu “Versicherungen und Sterbekassen im alten Rom

  1. Gino

    Hallo Wolfschwerdt,
    ein toller Artikel. Ich befasse mich gerade für eine Hausarbeit mit sozialen Absicherungen und will auch die Zeit vor dem Mittelalter beleuchten. Kannst Du mir einige Quellen nennen, die Du für diesen Beitrag genutzt hast?
    Liebe Grüße,
    Gino

    • Hallo Gino,
      leider kann ich Dir nicht helfen 😦
      Dieser Beitrag ist in den 80er Jahren als Hörfunkbeitrag für den damaligen Sender RIAS Berlin entstanden. Ich habe ihn für GeschiMag überarbeitet. Das für diesen Beitrag vor allem zugrunde liegende Buch habe ich nicht mehr (es muss so etwas wie eine Festschrift von einem Wohlfahrtsverband gewesen sein) ich glaube es war irgendetwas mit 2000 Jahre Wohlfahrt oder so ähnlich. Tut mir leid, dass ich Dir da nicht weiterhelfen kann.
      Mit besten Grüßen
      Wolfgang

      • Gino Bergner

        Hallo Wolfgang,
        danke für die Antwort. Nach Sichtung eures Impressums gehe ich davon aus, dass eure Artikel durchaus als wissenschaftliche Quelle herhalten könnten. Würdest Du mir die Erlaubnis erteilen, aus diesem Artikel zu zitieren? Ich würde gemäß der wissenschaftlichen Vorschriften Urheberschaft benennen.
        Liebe Grüße,
        Gino

      • Selbstverständlich gerne.
        Viel Erfolg,
        Wolfgang

  2. Gino Bergner

    Hab vielen Dank!
    Euch im Blog weiterhin gute Gedanken! Es sind tolle, wissenswerte und vor allem leicht verständliche Artikel!
    Liebe Grüße!
    Gino

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