Die Antike und der Wald

Die verkarstete und erodierte Landschaft Attikas, und der ägäischen Inseln ist nicht Ergebnis natürlicher Landschaftsentwicklung, sondern menschlicher Eingriffe in antiker und vorantiker Zeit. Bereits Mitte des 4. Jahrhunderts vor Christus beklagte Platon ökologische Sünden seiner Zeitgenossen, deren Folgen noch heute sichtbar sind.

Thomas Cole, sizilianische Landschaft

Thomas Cole, sizilianische Landschaft

Der römische Dichter Lukrez beschreibt in seiner Kulturentstehungslehre die Folge der wachsenden Bevölkerung und des damit zunehmenden Bedarfs an Ackerfläche und Weideland folgendermaßen: „Von Tag zu Tag zwang man die Wälder mehr, sich in die Berge zurückzuziehen und unten am Fuße für bebautes Land Platz zu lassen.“

Für die Menschen im Altertum bedeutete die Waldrodung ein Fortschritt, ja sogar einen Sieg gegen die Natur. Eratosthenes aus dem 3. Jahrhundert vor Christus beispielsweise stellte fest, dass die Ebenen der Insel Zypern einst von dichtem Wald bewachsen waren. „Abhilfe geschaffen dagegen“, so die Formulierung des griechischen Gelehrten, hatten erst die Bergbauaktivitäten und dann die Rodungen zur Gewinnung von Schiffbauholz. Jeder, der ein Stück Land rodete, so beschrieb Eratosthenes, erwarb daran das Eigentumsrecht, ein Mittel, um der nachwachsenden Bäume Herr zu werden.

Bevölkerungswachstum führt zu verstärkter Waldrodung

Der Anstieg der Bevölkerungszahlen führte aber nicht nur zu mehr und mehr Bedarf an Ackerbaufläche, sondern auch zu einem steigenden Holzbedarf. Brennholz und Bauholz holte man, allein wegen der Transportprobleme, zunächst aus den der Siedlung oder Stadt nächstgelegenen Wäldern. Man vermutet, dass beispielsweise die beiden stadtnahen Erhebungen Athens bereits im 7. und 6. vorchristlichen Jahrhundert weitestgehend abgeholzt waren. Ansonsten dürften die Erhebungen Attikas noch im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung von beachtlichen Wäldern bedeckt gewesen sein.

Wälder für Flotten abgeholzt

Das gewaltige Flottenbauprogramm des Themistokles in den achtziger Jahren des 5. vorchristlichen Jahrhunderts bedeutete aber für den Holzbedarf in Griechenland eine neue Dimension. Mehr als 200 Kriegsschiffe wurden innerhalb weniger Jahre gebaut. Vor allem aber mussten die Schiffe aufgrund ihrer geringen Lebensdauer etwa alle 20 Jahre ersetzt werden. Ganze Flotten mussten während der Materialschlachten im Peloponnesischen Krieg (431 – 404 vor Christus) aus dem Boden gestampft werden. Athens Wälder reichten hierfür bei weitem nicht aus. Das Schiffbauholz wurde schließlich  aus dem Norden Griechenland, aus Thessalien und Makedonien importiert.

Ausbeutung der Natur als Prinzip

Athen und die Griechen waren nicht die einzigen Kulturen mit hohem Holzbedarf. Griechen, Assyrer, Perser machten sich über die Wälder des Libanon her, die Römer plünderten die küstennahen Wälder ihres ständig wachsenden Einflussbereiches. Plündern ist dabei nicht umgangssprachlich gemeint. Denn tatsächlich verschwendete keine der antiken Kulturen einen Gedanken daran, mit der immer wichtiger werdenden Ressource Wald sorgsam umzugehen. Radikale Ausbeutung ohne Wiederaufforstung, ohne Nachhaltigkeit in der Bewirtschaftung war das Prinzip, dem auch zahlreiche Wälder Italiens zum Opfer fielen.

Wälder als Brennholz für römische Bäder

Als sich Rom im Rahmen des ersten punischen Krieges als Seemacht etablierte, begann dies mit einer Flotte von einhundert Schiffen die in rund 60 Tagen gebaut worden sein sollen. Hunderte weiterer Einheiten folgten. Es heißt, dass rund 700 Penteren durch Sturm, Schiffbruch und Kämpfe im punischen Krieg verloren gegangen seien.

Der Holzverbrauch Roms war natürlich nicht nur durch die Flotte bedingt. Auch in Italien benötigte man für die steigende Bevölkerungszahl Ackerland, für die aufwändigen öffentlichen Bauten der Kaiserzeit Bauholz und für die zahllosen Thermen das nötige Brennholz. Allein in Rom gab es im 4. Jahrhundert elf große Badepaläste und 856 kleinere Bäder, die mit Holz und Holzkohle betrieben wurden.

Dafür, dass Brennholz in dieser Zeit in Italien wohl knapp wurde, spricht, dass man begann, es aus Afrika zu importieren.

Trotz Raubbau relativ geringe Unmweltschäden

Die hemmungslose Ausbeutung der Wälder in der Antike hat aber nicht zu dem heute sichtbaren Kahlschlag in der Mittelmeerregion geführt, wohl aber zu irreversiblen Umweltschäden, die bis in unsere Zeit sichtbar sind. Dort, wo die Wälder abgeholzt wurden, erodierte der Boden, der nun seinen natürlichen Schutz verloren hatte. Die fruchtbare Erde wurde durch den Ackerbau schnell ausgelaugt und vom Regen weggespült, eine verkarstete Steinwüste blieb zurück. Diesen Prozess hatte übrigens schon der griechische Philosoph Platon sehr treffend beschrieben.

Es gibt aber Berichte aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit, dass in Mittelmeerregionen, die heute fast baumlos sind, noch reiche Waldbestände existierten.

 

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter 2 Antike, Archäologie

2 Antworten zu “Die Antike und der Wald

  1. gundolf gaukele

    „Es gibt aber Berichte aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit, dass in Mittelmeerregionen, die heute fast baumlos sind, noch reiche Waldbestände existierten.“ schade, hier haette ich gerne einen verweis auf die quelle gesehen. leute, nehmt euch ei nbeispiel an wikipedia.

    • Hallo Herr Gaulke,
      gerne verweise ich auf eine der Quellen zu diesem Beitrag: Karl-Wilhelm Weeber: Smog über Attika, Umweltverhalten im Altertum. Artemis 1990.
      Es gibt viele gute Gründe, Wikipedia zu nutzen und es gibt für ein journalistisches Geschichtsmagazin durchaus Gründe, sich nicht in jeder Hinsicht ein Beispiel an Wikipedia zu nehmen, einfach weil ein journalistisches Magazin kein Online-Lexikon ist, Leute!
      Aber die jeweils klar und direkt ausgewiesenen Autoren der Artikel (Leute, nehmt euch ein Beispiel an GeschiMag 😉 ) sind selbstverständlich immer gern bereit, ihre Leser bei Bedarf über Quellen zu informieren und Inhalte zu diskutieren.
      Mit besten Grüßen
      Wolfgang Schwerdt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s