Kronan – Flaggschiff Karls XI

Der Fund und die Bergung der Kronan steht der wissenschaftlich-archäologischen Bedeutung der berühmten Vasa kaum nach. Aber die Geschichte um die Enddeckung und Bergung des Flaggschiffes Karls XI. von Schweden ist nicht so spektakulär.

Der Fund und die Bergung des schwedischen Flaggschiffs Kronan ist wie Fund und Bergung der Vasa dem Wrackforscher Andres Franzén zu verdanken. Nach unermüdlicher Kleinarbeit in Form von Studien historischer Dokumente und Seekarten sowie zahlreichen Tauchgängen konnte Franzén 1980 mit der Entdeckung des seiner Zeit größten schwedischen Kriegsseglers aufwarten. Das Flaggschiff Karls XI war 1676 nach einem misslungenen Wendemanöver und aufgrund unglücklicher Umstände auf offener See explodiert, und hatte dabei mehr als 850 Menschen in den Tod gerissen.

Manövrierfehler führt zum Untergang der Kronan

128 Kanonen auf drei Decks, rund doppelt so viel wie die Vasa, trug das 1665 bis 1672 in Stockholm vom Engländer Francis Sheldon gebaute Schiff. Als der in der Schiffsführung unerfahrene Admiral Lorentz Creutz, der gleichzeitig Kapitän der Kronan war, mit der schwedischen Flotte die Insel Öland von den Dänen befreien wollte, erteilte er einen verhängnisvollen Wendebefehl. Trotz heftigen Windes wurde das Manöver ohne Reffen der Segel ausgeführt: Die Kronan krängte, Wasser drang durch die unteren Geschützpforten in den Rumpf ein und zudem drückte der Wind das Schiff immer stärker auf die Seite.

Möglicherweise durch eine umgefallene Laterne explodierte kurz darauf das Pulvermagazin und sprengte das stolze Schiff auseinander.

Kronan als wissenschaftliche Fundgrube

Als Franzén das Wrack 1980 lokalisierte, war klar, dass es hier keinen vollständigen Schiffsrumpf wie bei der Vasa zu bergen gab. Trotzdem war das Interesse der Archäologen an diesem Fund außerordentlich groß.

Denn während die Vasa auf ihrer Jungfernfahrt weder materiell noch personell vollständig ausgerüstet war (immerhin fehlten allein die 300 Seesoldaten mit ihrer Ausrüstung), war die Kronan ein Schiff in vollem Einsatz gewesen. So ist es kein Wunder, dass in den ersten acht Jahren der Bergungsarbeiten durch das Kalmar läns museum rund 17 000 Gegenstände aus dem zerstörten Rumpf geborgen worden waren, ein Vielfaches dessen, was die Vasa zu bieten hatte.

Das Bild, das sich durch die Funde vom Leben zu Wasser und zu Lande aus dem 17. Jahrhundert ergibt, ist bereits heute außerordentlich umfassend. Dabei werden die Untersuchungen des Unterwasserfundortes und die Bergungsarbeiten wohl auch aus heutiger Sicht noch fünf bis zehn Jahre dauern. In den ersten Jahren konnte man neben den archäologisch und historisch interessanten Gegenständen auch einen Goldschatz von über 250 Münzen bergen. Übertroffen wurde dieser Fund noch von dem 1998 gefundenen Silberschatz von rund 6500 Münzen.

Bis heute sind rund 30 000 Objekte geborgen und katalogisiert worden, etwa 80 Prozent der Rumpfstruktur wurde archäologisch untersucht.

Das Kronan-Museum

Für die Zukunft ist geplant, die intakte Backbordseite, die vermutlich im Schlamm gut konserviert wurde, vollständig auszugraben und rekonstruiert und konserviert der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits heute kann man im Kalmarer Provinzmuseum eine Menge über das Leben an Bord der Kronan erfahren. So findet der Besucher neben der Ausstellung von interessanten Fundstücken eine aufgrund der Funde originalgetreue Nachbildung der Admiralskabine, eine Rekonstruktion eines Kanonendecks des Schiffes und eine Tauchglocke aus dem 17. Jahrhundert.

Mit der rekonstruierten Backbordseite wird dem Besucher ein Schiff präsentiert werden, das immerhin eine Wasserverdrängung von 2140 Tonnen hatte (die Vasa verdrängte rund 1400 Tonnen). Mit seinen 60 Metern Länge, 14 Metern Breite und einer Höhe vom Kiel bis zur Großmastspitze von rund 60 Metern war sie ein schönes Beispiel englischer Schiffbaukunst und ein Vorläufer jener legendären englischen 74er, die vor allem im 18. Jahrhundert das Rückrat der englischen Flotte darstellen sollten.

Seit seiner Eröffnung versteht sich die Kronan-Abteilung des Kalmarer Museums als im Wachsen begriffen. Und für den Aufbau der wahrscheinlich unversehrten Backbordseite des Schiffes wird sicherlich noch ein eigenes Gebäude errichtet werden müssen.

 

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Archäologie, Ausstellungen, Schifffahrtsgeschichte, Unterwasserarchäologie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s