Die Geschichte der HMS Victory

Rund 240 Dienstjahre und eine entsprechend bewegte Geschichte hat das Linienschiff HMS Victory hinter sich, das vor allem durch die Schlacht bei Trafalgar im Jahre 1805 berühmt wurde. Dabei war das Flaggschiff Admiral Nelsons zu jener Zeit bereits eine alte Dame, bei ihrer Kiellegung, rund ein halbes Jahrhundert zuvor, galt sie allerdings als der letzte Schrei der Militärtechnik.

Die Schlacht von Trafalgar. Gemälde von Turner 1822

Die Schlacht von Trafalgar. Gemälde von Turner 1822

1759 war für die Briten ein Jahr der militärischen Siege. Und so war es sicher kein Zufall, dass dem im gleichen Jahr aufgelegten Linienschiff ein Jahr später der Name Victory verliehen wurde. Die Victory war, als sie 1765 vom Stapel gelassen wurde, das damals modernste und mächtigste Schiff der britischen Flotte, in seiner Bedeutung vergleichbar mit einem neuen Schlachtschiff Anfang des 20. Jahrhunderts.

Schätzungsweise 2000 Eichen und etwa ebenso viele Ulmen und Buchen waren bereits 1744 für den Bau des Schiffes gefällt worden. Und wenn man bedenkt, dass der damalige Schiffbau nicht nur gerade Stämme, sondern insbesondere für die Spanten sehr viel Krummholz benötigte, kann man sich leicht vorstellen, dass für den Bau der Victory rund ein Hektar Wald abgeholzt werden musste.

100 Kanonen – Schiff der Extraklasse

Der Kiel mit einer Länge von knapp 60 Metern und einem Durchmesser von mehr als einem halben Meter, war aus sieben Ulmenbalken gefertigt worden. Die Verbindung der einander überlappenden Teilstücke bestand aus jeweils acht, rund drei Zentimeter starken Bolzen.

Bei einem Kriegsschiff dieser Größe war ein stabiler Kiel von besonderer Bedeutung. Denn die vielen schweren Geschütze führten oft dazu, dass sich der Kiel unter der Belastung verbog und damit die Stabilität des ganzen Schiffes beeinträchtigte.

Die ursprüngliche Bewaffnung des Schiffes bestand aus 30 bronzenen Kanonen auf dem unteren Batteriedeck, die jeweils Kugeln von 42 Pfund verschießen konnten, 28 eiserne 24-Pfünder waren im mittleren Batteriedeck aufgestellt und das Obere trug 30 Zwölfpfünder. 12 Sechspfünder waren auf dem Achter- und Vorderdeck verteilt.

Wechselvolle Schiffskarriere

Drei Jahre bevor die Victory vom Stapel lief, war der Friede von Paris unterzeichnet worden. Und statt den Dienst in der aktiven Flotte aufzunehmen, wurde sie wie zahlreiche andere Schiffe der Royal Navy für 13 Jahre in die Reserve versetzt. Eine Rumpfmannschaft sorgte für den Erhalt des Schiffes, bis es 1778 als Flaggschiff des Admiral Keppel in Dienst gestellt wurde und seitdem nahezu ununterbrochen bis heute zahlreichen Admiralen als Flaggschiff diente.

Die Parteinahme Frankreichs in den amerikanischen Unabhängigkeitskriegen für die abtrünnigen britischen Kolonien und die folgende Expansion Napoleons in Europa führte mit Unterbrechungen zu einem fast 30 jährigen Krieg zwischen Frankreich und England in dem die Victory an vielen Kampagnen erfolgreich teilnahm.

Während der für die Briten so wichtigen Seeschlachten bei Abukir gegen die franszösische Flotte 1798 und der Schlacht von Kopenhagen gegen die Dänische Blockade der Ostsee 1801 allerdings diente das in die Jahre gekommene Linienschiff als Lazarettschiff für Kriegsgefangene im Heimathafen Chatham.

Reaktivierung der Victory

Wahrscheinlich wäre die Victory mit dem Ende der napoleonischen Kriege irgendwann abgewrackt worden. Aber der Mangel an gutem Schiffbauholz, nicht zuletzt durch die Abholzung tausender Hektar Wald zugunsten großer Getreidefelder und der Verschwendung guten Linienschiffbauholzes beim Bau kleinerer Fregatten und Korvetten, führte um 1800 zu einer Reaktivierung der Victory.

Zahlreiche Instandsetzungen, Umbauten und Modernisierungen hatten das Erscheinungsbild der Victory verändert, als es 1805 als nunmehr 40 Jahre alter Veteran als Flaggschiff unter Admiral Lord Nelson die britische Flotte in der Schlacht bei Trafalgar anführte. Die schweren bronzenen Zweiundvierzigpfünder waren bereits 1797 durch die üblichen 32-pfünder ersetzt worden.

Die anfänglich offenen, balkonartigen Heckgalerien waren entfernt und der Heckspiegel geschlossen worden. 1780 Erhielt die Victory den inzwischen üblichen Kupferbeschlag des Unterwasserschiffes gegen die gefürchtete Bohmuschel. Und nicht zuletzt hatte das Schiff mit den ockerfarbenen Streifen auf schwarzem Grund, jene Farbgebung erhalten in der sie heute im Portsmouth Historic Dockyard zu besichtigen ist.

Vielleicht hätte die Victory ohne die Schlacht bei Trafalgar nie die nationale Bedeutung für die Briten erhalten, die sie inzwischen hat. Aber die Tatsache, dass der britische Nationalheld Admiral Nelson unter Einsatz seines Lebens mit dem zwar modernisierten aber alten Schlachtschiff unter heftigstem Beschuss die französischen Linen durchbrochen und die Briten damit zum Sieg geführt hat, haben wesentlich zum Mythos Victory beigetragen.

Flaggschiff des britischen Flottenadmirals

1812 wurde die HMS Victory, die Bezeichnung „Her Majesty Ship“ wurde 1789 als Bezeichnung für Kriegsschiffe üblich, außer Dienst gestellt. 1824 wurde sie das Flaggschiff des Hafenadmirals in Portsmouth. HMS Victory wurde im Hafen mehrfach beschädigt, zuletzt durch eine Deutsche Fliegerbombe im Jahre 1941. Die Victory wurde aufwändig rekonstruiert und steht seit 1945 dem Publikum zur Besichtigung offen. Sie ist noch heute das Flaggschiff des britischen Flottenadmirals und hat damit mehr als 240 Dienstjahre hinter sich.

 

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Eingeordnet unter 5 Neuzeit, Schifffahrtsgeschichte

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