Die Götter der Maya und Azteken

Meso- oder Mittelamerika, die Heimat der der Maya und Azteken, weist eine nahezu unüberschaubare Zahl an Göttern auf. Allein die Azteken verehrten rund 1600 Götter. Die Quellenlage ist schwierig, denn aus der Zeit vor der spanischen Eroberung gibt es nur wenige schriftliche Zeugnisse. 14 sogenannte Codizes der Aztekischen Epoche und gerade einmal vier der Maya-Zeit haben überlebt.

Quetzalcoatl

Quetzalcoatl

Diese Codizes befassen sich hauptsächlich mit Ritualkalendern und Methoden, die Zukunft vorherzusagen, bzw. mit Mythen und Legenden der Azteken und ihrer Nachbarn aus der nachklassischen Periode.

Die wichtigsten Quellen über die Mythologie der Azteken und der späten Maya sind jedoch die Handschriften aus der Zeit nach der spanischen Eroberung.

Als bekanntestes Beispiel für eine Abschrift kann wohl das Popol Vuh gelten, das in Quiche-Maya verfasst ist und aus dem Hochland Guatemalas stammt. Darin wird in drei Abschnitten vom Ursprung der Maya-Welt erzählt, von der Herkunft von Mensch und Korn sowie der mythischen Geschichte des Quiché-Volkes.

Das Wissen um Kultur, Riten und Philosophie der Azteken und Maya kann vor dem Hintergrund der Quellen als weitgehend gesichert gelten. Doch die Religionen und die Götter haben ihren Ursprung in der schrift- aber wenigstens nicht bilderlosen Welt der Olmeken und Tolteken, die diesen beiden Zivilisationen vorausging.

Die gefiederte Schlange

Im Schöpfungsmythos des Popol Vuh taucht die gefiederte Schlange als androgyne, also zweigeschlechtliche Schöpfergottheit auf. In diesem Mythos fallen bereits eine ganze Reihe von Götternamen. Bei genauerer Betrachtung aber reduziert sich diese Vielfalt auf die eine duale Schöpfergottheit Tepeu- Gucumátz, die Grünfederschlange. Diese androgyne Schöpfergottheit findet sich in verschiedener Erscheinungsform in den unterschiedlichen mesoamerikanischen Mythologien.
Schlangen sind in der Bilderwelt Mesoamerikas allgegenwärtig. Sie wurden sowohl mit weiblichen als auch mit männlichen Qualitäten assoziiert. Das Wort Cóatl bedeutet Schlange und findet sich in zahlreichen Namen, nicht nur bei Quetza-cóatl wieder. Coatlícue, die Schlangendame war die oberste Erdgöttin der Azteken und Gattin der Wolkenschlange Mixcóatl. Dieser Mixcóatl übrigens taucht als höchster Gott der Chichimeken wieder auf und ist dort der Sohn der Erdgöttin Itzpapáloti.

Ursprüngliche Schöpfergottheit

Die ursprüngliche Schöpferkraft waren auch bei den mesoamerikanischen Kulturen die alten Muttergottheiten, selbst wenn wie bei den Maya und den Azteken das Patriarchat herrsche und der jeweils höchste Gott ein Männlicher war. Aber die ursprüngliche matriarchale Orientierung und das in Zusammenhang mit der Entwicklung der städtischen Zivilisationen entstandene Patriarchat ist auch hier aus den Mythologien erkennbar. So erfährt in den Anfängen des Popol Vuh die Große Mutter eine eindeutige Verehrung, bis schließlich in einer Geschichte die „Großmutter“ von zwei Jünglingen respektlos ausgetrickst wurde. Die Geschichte endet mit dem kulturgeschichtlich durchaus revolutionären Satz: „sie (die Jünglinge) gingen voran, als erste vor der Ahnin (die alte Göttin mit dem Regenkrug)“.

Animistische Tradition

Aus dem Wissen um die aztekische und die Mayakultur, in der jeder Gott sein Gegenstück findet, schlussfolgern die Wissenschaftler, dass die Dualität ein Grundkonzept des mesoamerikanischen Kulturraumes ist. Und tatsächlich finden sich in den Überlieferungen zahllose Gegensatzpaare, die diese Schlussfolgerung belegen.

Tatsache ist aber auch, dass die einzelnen Götter (und selbstverständlich auch Göttinnen und androgyne Gottheiten) zahllose Manifestationen haben. Und das nicht nur durch den intensiven Austausch und die gegenseitige Beeinflussung, die in Mesoamerika raum- und zeitübergreifend war. Bereits die Schöpfungsgeschichte des Popol Vuh gibt dem ersten Schöpferpaar, das als Einheit angesehen wurde, eine ganze Reihe von Namen Manifestationen und Eigenschaften. Ganz der animistischen Tradition entsprechend wird nicht getrennt, sondern in einer Muttergottheit die universale Vielfalt in seinen verschiedenen Erscheinungsformen und Wirkungsweisen gesehen.

Göttervielfalt

Diese Sichtweise geht schließlich mit fortschreitender Zivilisation und hierarchischer Organisation der Gesellschaft mit seiner Arbeitsteilung und seinen tatsächlichen Gegensätzen in einen Dualismus über. Die alte, sich im ständigen Kulturaustausch und natürlich im Rahmen der Unterwerfung anderer Völker erweiternde Götterwelt, wird angepasst, die ursprüngliche Multifunktion der Gottheiten wird zerlegt und in kleinen Stücken auf immer mehr einzelne Götter verteilt.

Und auch in Mesoamerika geschieht mit der Großen Mutter das gleiche, wie in den anderen Zivilisationen der Erde. Ihre abstrakte animistische und totemistische Natur wird aufgegriffen und zu einem komplexen und konkreten Gesamtwesen entwickelt, das von uns heute in seiner Darstellung als Ungeheuer, als Drache interpretiert wird. Aber so schrecklich diese Wesen auf uns auch wirken mögen, die Übernahme des Drachenbildes durch die männlichen Götter der Maya und Azteken beispielsweise, spricht eher dafür, dass der Inhalt und die Eigenschaften dieser (Schlangen-/Drachen-) Gottheiten eher normal, denn furchterregend und abstoßend gewesen sein dürfte.

Drachenkämpfe

Drachenkämpfe haben auch stattgefunden wie die überlieferte Geschichte von Tepoztécatl zeigt. Es dürfte aber auch auch ursprünglichere Drachenkämpfe in der schriftlosen Frühgeschichte Mesoamerikas gegeben haben, die einfach deshalb nicht mehr überliefert sind, weil ihre Kenntnis bei den späteren Kulturen vorausgesetzt werden konnte. Die eine oder andere blutige Auseinandersetzung zwischen Muttergottheiten und ihren männlichen Nachkommen wird im Popol Vuh durchaus angedeutet und findet sich auch in anderen mesoamerikanischen Mythologien wieder.


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Eingeordnet unter Archäologie, Ethnologie

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