Die Slawen – die unbekannte Kultur

Dass die Slawen, ebenso wie Kelten, Germanen, Römer oder Griechen zu den indoeuropäischen Völkerschaften gehören, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Und obwohl sie erst spät und dann sehr vehement die Bühne der Geschichte betreten und sich innerhalb weniger Jahrhunderte über Sibirien, Zentralasien, Griechenland und Osteuropa bis über die Elbe ausgebreitet hatten, ist über die ursprüngliche Kultur und Mythologie der Slawen nur sehr wenig bekannt.

Als vor ungefähr 4500 Jahren der große Aufbruch der Vorfahren der indoeuropäischen Völker, also der Völker der sogenannten Kurgan-Kultur aus der südrussisch-kasachstanischen Steppe begann, da waren auch die Vorfahren der späteren Slawen mit dabei. Aber nicht alle Kurgan- Völker, die ihren Namen aufgrund des Brauchs der Grabhügel-Bestattung, der Kurgans, erhalten haben, zogen bis in die entlegensten Winkel der damaligen Welt. Während ein Teil der indoeuropäischen Steppenvölker nach Indien, Vorderasien, Nord- und Mitteleuropa gezogen waren, siedelte sich ein anderer Teil im Gebiet der heutigen Westukraine an, das Wohngebiet der ersten Slawen. Hier gab es riesige Laubmischwälder und Sümpfe, die Schutz vor den Angriffen der wilden iranischen und später innerasiatischen Reiterkrieger boten. Und so konnten die Menschen, die sich dort niedergelassen hatten nahezu zweitausend Jahre lang ungestört von den Völkerstürmen im übrigen Eurasien ihre Kultur entwickeln bzw. ihre Traditionen erhalten.

Keine antiken Nachrichten

Von den ersten abendländischen Hochkulturen den Griechen und Römern waren die Slawen durch ihre Nachbarn, den “barbarischen” Germanen, Illyrern, Dakern, Skythen, später den Goten und schließlich den Hunnen so gut abgeschirmt, dass historische, also schriftliche Überlieferungen über die Slawen erst im 6. Jahrhundert n. Chr. einsetzen.

Denn im 6. Jahrhundert geschah etwas unerwartetes. Das Hunnenreich war zwischen 450 und 550 n. Chr. zusammengebrochen und hatte den Jahrtausende alten Sperrriegel mächtiger fremder Völker im Süden und Westen der Slawen aufgebrochen. Der Zusammenbruch des Hunnenreiches hatte in diesen Gebieten, aus denen der Hunnensturm zuvor die Germanenvölker vertrieben hatte, ein Vakuum hinterlassen. Ein sehr starker Geburtenüberschuss bei der slawischen Bevölkerung und eine der periodischen Nässe- und Kältezeiten in Osteuropa scheint ein übriges getan zu haben, um die Slawen in Bewegung zu setzen. Vom 5. bis 9. Jahrhundert breiteten sich die Slawen nach Osten über das heutige Russland, später nach Sibirien und Zentralasien, nach Süden über den Balkan bis nach Makedonien und nach Westen bis weit über die Elbe aus.

Das unbekannte Volk

Trotz der grossen Völker- und Sprachvielfalt, die die Slawen innerhalb weniger Jahrhunderte entwickelt hatten, besitzen sie eine grösstenteils gemeinsame mythologische Tradition. Leider ist aber hierüber nur wenig Authentisches überliefert, denn die Slawen hatten keine eigene Schrift ausgebildet und die Schriftsprache der Slawen kam erst im 9. und 10. Jahrhundert mit dem Christentum, das die heidnischen Bräuche bewusst ignoriert oder fehlinterpretiert hatte. Über kaum eine andere Mythologie wissen wir heute so wenig wie über die der alten Slawen. Selbst über die der Kelten und Germanen, die ja auch keine eigene Schrift entwickelt und deren schriftliche Dokumentation der Mythen und Gebräuche Griechen, Römer und später eben auch die christlichen Mönche übernommen hatten, wissen wir mehr.

Clanstruktur versus Königtum

Vor allem durch die Auseinandersetzungen der Deutschen mit den Slawen ab dem 8. Jahrhundert weiss man einiges über die archaische Sozialstruktur des Volkes, das aus dem Osten kam. Während die europäischen Völker für damalige Verhältnisse moderne Strukturen mit Königtum ausgebildet hatten, waren die Slawen noch immer in Clan-beherrschten Stammesverbänden organisiert. Dies war ein wesentlicher Grund, weshalb es den Deutschen  durch Krieg, systematische Christianiserung und gut organisierter Besiedelung schließlich im 13. Jahrhundert gelungen war, den slawischen Einfluss bis an die Oder und darüber hinaus, zurückzudrängen.


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