Mykene – rätselhafte Kultur

Das geheimnisvolle Mykene mit seinen Kriegern und Helden, die sich nicht zuletzt aufmachten, um gen Troja zu ziehen und die Schmach des Raubes der schönen Helena durch den Königssohn Paris auszugleichen, ist nicht nur seit dem klassikbegeisterten 19. Jahrhundert ein Faszinosum. Auch für die Staaten des klassischen Griechenland war die von Homer beschriebene mykenische Welt Teil ihrer historischen Identität.

Farbrekonstruktion des trojanischen Paris als Bogenschützen aus dem Westgiebel des Aphaia- Tempels in Ägina

Farbrekonstruktion des trojanischen Paris als Bogenschützen aus dem Westgiebel des Aphaia-Tempels in Ägina

Längst ist die mythologisch verklärte Geschichtsschreibung der griechischen Bronzezeit durch archäologisch-wissenschaftliche Erkenntnisse ersetzt worden. Und diese sind mindestens ebenso geheimnisvoll und spannend.

Die friedliche Invasion

Seit ca. 2000 v.Chr. drangen in mehreren Wellen indoeuropäische Volksgruppen vom Dnjepr, entlang der Donau, über die Gegend um das heutige Belgrad in Griechenland ein. Namen wie Jonier, Arkader und Äolier bezeichnen die jeweiligen Einwanderungsgruppen. Sie gliederten sich meist friedlich in die Siedlungen der Urbevölkerung ein, denn die ansässigen Bauern waren den kleinen Hirtensippen sowohl zahlenmäßig als auch kulturell überlegen.

Macht- und Palastzentren

Scheinbar plötzlich, etwa ab Mitte des 16. Jahrhunderts, mit der Einwanderung einer kleinen Kriegergruppe, der späteren Achäer, wohl aus der Schwarzmeerregion kommend, wurde aus der kleinen unbedeutenden Burg Mykene ein bedeutendes und reiches Machtzentrum, das dem ganzen Kulturkreis heute seinen Namen gibt. Etwa im 14. vorchristlichen Jahrhundert wurde Mykene mit den eindrucksvollen zyklopischen Mauern zu einer gewaltigen Festung ausgebaut. Weitere Macht- und Palastzentren entstanden. Hier seien nur Tiryns, Pylos, Midea, Theben und Athen genannt. Interessant ist, dass die in dieser Zeit stattfindende Entwicklung von einer Bauernkultur zu einer Kriegs- und Handelskultur ganz offensichtlich von den ursprünglichen Einwohnern unter der Führung der achäischen Einwanderergruppe getragen wurde.

Stadtplanung und Bronzehandwerk

In die Zeit der Palast- und Burgengründungen fällt ein umfangreicher soziokultureller Wandel. So wurden die Palast- und Befestigungsanlagen nicht mehr wie vorher üblich an das Gelände angepasst, also eher zufällig entwickelt, sondern nach einem spezifischen Planungskonzept errichtet. Das Bronzehandwerk begann eine griechische Eigenständigkeit zu entwickeln und sich neben der verbesserten Qualität auch in ihrer Formgebung und Verbreitung weiterzuentwickeln. In der Spätphase der mykenischen Zeit ist eine Verbreitung von Metallgegenständen über weite Bevölkerungsschichten feststellbar, während diese in den Anfängen als Kostbarkeiten der Führungselite vorbehalten waren. Im Mykenischen Zeitalter breitete sich das Bronzehandwerk über ganz Europa, bis in den Norden aus.

Wirtschaft und Handel

Die Machtzentren waren die Basis einer straff organisierten Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, über die man aufgrund zeitgenössischer Schrifttafeln recht gut unterrichtet ist. Keinen Aufschluss geben die Dokumente jedoch über den Handel. Archäologische Funde zeigen aber, dass zumindest die oberen Gesellschaftsschichten an einer Form von Handel, vielleicht Tauschhandel, teilhatten. So fand man mykenische Töpferwaren und Öle in Sardinien, Sizilien, Spanien sowie an zahlreichen Orten von Syrien bis Ägypten.

Andererseits belegt der Fund eines vor der Südtürkei auf Grund gelaufenen Schiffes, dessen Ladung vermutlich für ein mykenisches Machtzentrum bestimmt war, auch den Import hochwertiger Waren. So fanden sich zahlreiche Kupferbarren, Zinn, Elfenbein, kobaldblaue Glasbarren, Ebenholz, Gewürze sowie mehr als einhundert kanaanitische Amphoren mit Harz, das zur Herstellung von Parfums und Weihrauch geeignet war.

Der Untergang der mykenischen Kultur

Kaum 200 Jahre dauerte die mykenische Kultur. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung wurden die Machtzentren zerstört. Es ist immer noch offen, ob der plötzliche Untergang der mykenischen Kultur durch innere Konflikte und Kriege oder durch Erdbeben verursacht worden war.


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