Knorre, Kogge und Kraweel

Die mittelalterliche Schifffahrt in Nordewesturopa war geprägt von drei wesentlichen Schiffstypen, die in ihrer jeweiligen Epoche konkurrenzlos waren. Es war die Knorre der nordischen Händler, die Kogge der aufstrebenden Hanse und schließlich die Kraweele, die den Abschied vom Mittelalter einläuteten.

Bis in die frühe Hansezeit beherrschten die Wikinger den nordeuropäischen Handel. Hierfür bedienten sie sich der Knorre, die höher, breiter und bauchiger war, als die bekannten nordischen Langschiffe. Die 1962 im dänischen Roskildefjord geborgene große Knorre konnte beispielsweise mit ihren 16,5 Metern Länge, 4,6 Metern Breite und einer Höhe von rund 2 Metern immerhin etwa 15 bis 20 Tonnen an Gütern transportieren.

Gebaut waren diese Schiffe in der geklinkerten Schalenbauweise, eine Technik, bei der zunächst der Rumpf aus einander überlappenden Planken hergestellt wird. Zur Stabilisierung werden anschließend Spanten oder Teilspanten eingepasst.

Das neue Handelsschiff der Hanse

Die Kaufleute des Hansebundes, die im13. Jahrhundert begannen, sich in Nordeuropa zu etablieren, benötigten größere, leistungsfähigere Schiffe. Und so setzte sich beim Städtebund die ebenfalls in geklinkerter Schalenbauweise konstruierte Kogge durch. Trotzdem war die Kogge keine Weiterentwicklung der in ihrer Leistungsfähigkeit an die Grenzen gestossenen Knorre. Sie war entstanden aus der Bootsbautradition der Friesen im Rheinmündungsbebiet, bei denen sich bald nach Christi Geburt all jene Schiffsbautechniken finden, die für die Kogge so typisch sind.

Erst seit 1962, als eine fast vollständige Kogge im Schlick der Weser entdeckt worden war, weiss man recht genau, wie die Hanseschiffe, die nahezu unverändert zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert das Bild der nördlichen Meere geprägt hatten, aussahen.

Mit relativ flachem Boden, steilem Vorder- und Achtersteven und massiven Querbalken, die ein durchgehendes Deck trugen, erreichte die „Bremer Kogge“ immerhin eine Länge von 23 Metern, eine Breite von fast 8 Metern und eine Höhe von insgesamt etwa 7 Metern. Mit einem quadratischen Segel ausgestattet, konnten die Schiffe zwischen 150 und 200 Tonnen Ladung transportieren.

Kogge als Standartyp der nördlichen Meere

Größer war auch nicht nötig. Denn die Schifffahrt in jener Zeit war zwar lohnend, aber gefährlich. Seeräuber und Kriege, raue Wetterverhältnisse, flache Küstengewässer und der notwendige Verzicht auf die Navigation nach den Sternen, machten es sinnvoll, die wertvolle Fracht auf mehrere Schiffe zu verteilen.

Aber natürlich hatte die Konstruktionsweise auch ihre Grenzen. Allein die Kräfte, die durch das große Segel auf die Schiffserbände wirkten, waren enorm.

Die Hansekogge entwickelte sich selbst zu einem Exportartikel. In Nowgorod und Reval im Osten, Brügge im Westen, in London und dem nördlichen Bergen prägte die Kogge das Hafenbild. Und die Handelskriege, die insbesondere zwischen Dänemark und der Hanse brodelten, wurden auf beiden Seiten mit Koggen bestritten.

Eine neue Ära und das Kraveel

Mit der europäischen Entdeckung des Schießpulvers –und damit verbunden der Schiffskanonen- neigte sich die große Zeit der Koggen ihrem Ende zu. Sie waren der viele Tonnen schweren Belastung durch die Geschütze und den Erschütterungen beim Abfeuern der Kanonen nicht gewachsen. Das bedeutete nicht nur, dass sich ein neuer Schiffstyp durchsetzte, sondern auch den Niedergang der Hanse.
Das Kraweel, ein in Gerüstbauweise konstruiertes Schiff mit mehreren Masten begann nun die Meere zu erobern. Das Konzept, auf ein Gerüst aus Kiel und Spanten die Planken auf Stoß, also kraweel, aufzunageln, stammte aus der westeuropäischen Schiffbautradition. Diese Konstruktionsweise hatte nicht nur den Vorteil, wesentlich stabiler zu sein, sondern nun ließen sich durch vorgefertigte Spantenschablonen ganze Serien gleicher Schiffe herstellen. Seit dem 16. Jahrhundert bestellte man nun seine Schiffe in den Niederlanden und in Flandern.

Kraveele, u.A. auch bekannt unter den Typbezeichnungen Karavelle oder Galeone, läuteten letztendlich auch die Neuzeit ein. Es waren Kraveele, mit denen Kolumbus und viele andere nun die neue Welt oder den Seeweg nach Indien entdecken konnten. Und erst mit Kraweelen konnten die neu entstehenden Nationalstaaten wie Spanien, England, Portugal und Holland ihre Herrschaftsansprüche zur See und auch in den Kolonien durch mächtige Kriegsflotten durchsetzen.


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Eingeordnet unter 3 Mittelalter, Schifffahrtsgeschichte

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