Die polynesiche Kultur – 40.000 Jahre Seefahrt

Polynesien, das sind zahllose Inseln, die sich in den unendlichen Weiten des pazifischen Ozeans zu verlieren scheinen. Namen wie Osterinsel, Hawaii und Neuseeland stehen für das riesige polynesische Dreieck mit erstaunlich einheitlicher Kultur.

Nachdem vor rund 60.000 Jahren aufgrund des gesunkenen Meeresspiegels die indonesischen Inseln einerseits und Australien und Neuguinea andererseits, miteinander verbundene Landmassen bildeten, besiedelten die ersten Menschen Indonesien, aus dem heutigen China kommend, Australien und Neuguinea. Das war vor etwa 40.000 Jahren. Auf welche Weise diese Jäger und Sammler die noch verbliebenen Meerengen von ca. 50 bis 60 km zwischen Indonesien und Australien/Neuguinea überwanden, ist nicht bekannt. Allgemein wird von einfachen Flößen ausgegangen.

Etwa 6000 bis 3000 vor unserer Zeitrechnung, als der Meeresspiegel längst wieder gestiegen war und sich die uns heute bekannte Inselwelt herausgebildet hatte, erfolgte eine zweite Einwanderungswelle, auf die Inseln östlich von Neuguinea bis hin zu den Salomonen. Ohne Zweifel waren für diese Besiedlung bereits hochseetüchtige Boote erforderlich.

Vorstoß in den Pazifik

Als etwa 1500 v.u.Z. die Protopolynesier in den Pazifik vorstießen und ganz Melanesien von Neuguinea bis Samoa und Tonga besiedelten und hier die sogenannte Lapidakultur ausprägten, da müssen Bootsbau und Schiffahrt bereits einen recht ausgereiften technologischen Standart aufgewiesen haben. Die biologischen, sprachlichen und technologischen Quellen dieser ozeanischen Kultur dürften auf den östlichen Inseln Südostasiens liegen. Denn bereits seit etwa 4000 v.u.Z hatte die Entwicklung des Reisanbaus in Südchina zu einer Besiedelung Taiwans über die Philippinen bis zu den Inseln Zentral- und Ostindonesiens geführt.

Und es ist klar, dass die Lapida-Leute sich kulturell gravierend von den Siedlern von vor 40.000 Jahren unterschieden haben mussten. Allein die Besiedelung Melanesiens verlangte die Überwindung von hunderten von Kilometern offener See. Boote, die diese Aufgabe zu bewältigen in der Lage waren, konnten nicht von Jägern und Sammlern gebaut, ja nicht einmal erdacht werden. Ackerbau und Viehzucht, Vorratswirtschaft sowie eine sesshafte gut durchorganisierte Gemeinschaft waren notwendige Voraussetzung für solche Unternehmungen. Und die ozeanische Besiedelung erforderte Zeit. Viele Generationen tasteten sich Schritt für Schritt in die Weiten des Pazifik vor. Auf diese Weise wurde schließlich auch Mikronesien von ca. 1000 v.u.Z. bis 100 n.u.Z. von Melanesien aus besiedelt.

Die Polynesier

Der erste Vorstoß in die polynesische Inselwelt erfolgte ca. 150 v.u.Z. zu den Marquesasinseln. Dabei mussten nicht mehr hunderte, sondern weit über tausend Kilometer offener See bewältigt werden. Etwa 400 n.u.Z. erreichten die nun als Polynesier zu bezeichnenden Menschen Hawaii und die Osterinsel und etwa um 1.000 n.u.Z. fand von den Gesellschaftsinseln aus die Besiedelung Neuseelands statt.

Trotz der geradezu unermesslichen Ausdehnung des polynesischen Dreiecks mit den Eckpunkten Neuseeland, Hawaii, Osterinsel hatten sich die Polynesier eine erstaunlich einheitliche Kultur erhalten. Dies liegt sicher zum einen daran, dass die Kommunikation per Seeweg zwischen den Inseln ständig aufrechterhalten wurde, zum anderen aber die insgesamt isolierte Lage andere kulturelle Einflüsse und Untermischungen (wie dies in Melanesien und Mikronesien der Fall war) verhinderte und damit konservierend wirkte. Natürlich gab es von Inselgruppe zu Inselgruppe allein aufgrund der Umweltbedingungen unterschiedliche technologische und biologische Entwicklungen, trotzdem ist Polynesien kulturell verhältnismäßig homogen.

Ergebnis Jahrtausende währender Bootsbautradition

Als vom 16. bis 18. Jahrhundert die europäischen Expeditionen Schritt für Schritt den pazifischen Raum erforschten, da stießen sie auf die Kanus der Inselbewohner, mit denen diese noch bis in das 18. Jahrhundert hinein die ganze pazifische Inselwelt besiedelten. Die unterschiedlichsten Auslegerboote und Doppelrumpfkanus wurden von den erstaunten Europäern teilweise gut beschrieben. Uns sind Konstruktion und Bauweise der Boote allein deshalb sehr gut bekannt, weil diese zum Teil noch in alter Tradition Anfang des letzten Jahrhunderts gebaut wurden und zudem entweder als Original oder als authentischer Nachbau in vielen Variationen die Völkerkundemuseen zieren.

Wie aber die Wasserfahrzeuge aussahen, mit denen die Menschen vor etwa 40.000 Jahren Australien erreicht hatten, oder jene, mit denen die Menschen von Ostindonesien und Neuguinea vor etwa 5 – 8.000 Jahren die weit verstreuten Inseln östlich von Neuguinea besiedelt hatten ist mangels archaeologischer Funde nicht bekannt.


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Eingeordnet unter Ethnologie, Geschichte im Querschnitt, Schifffahrtsgeschichte

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