Japan – Entstehung einer Kultur

Dass die Japanische zu einer der geheimnisvollsten Kulturen dieser Erde gehört, ist durchaus kein Zufall. Denn obwohl es sich bei Japan um eine historisch relativ isolierte Inselgruppe handelt, haben sich hier die unterschiedlichsten kulturellen Einflüsse miteinander vermischt.

Seit Jahrtausenden war Japan ein Land, das von verschiedensten Volksgruppen besiedelt wurde. Archäologische Funde und antropologische Untersuchungen zeigen, daß Einwanderungen aus Sibirien, Malaysia und Nordasien stattgefunden hatten. Trotzdem waren die japanischen Inseln über viele Jahrhunderte hinweg ein relativ abgeschottetes Gebiet, in dem sich nur steinzeitliche Kulturstufen entwickelten und konservierten. So entfaltete sich von ca. 12.000 bis 300 v.u.Z. die sogenannte Jomon- Kultur, eine Gesellschaft von Jägern, Sammlern und Fischern, die seit der späten Jomon-Zeit auch Ackerbau betrieben hatten.

Man darf annehmen, dass es sich hier um eine sogenannte klassenlose Gesellschaft mit einer besonderen Stellung der Frau gehandelt hatte. Denn die archäologischen Ausgrabungen belegen keine Paläste, sondern durchweg Ansammlungen von Wohngruben gleicher Größe. Die besondere Stellung der Frau ergibt sich in den alten Gesellschaften aus der Naturreligion, dem Animismus, bei der alle Natur als belebt, beseelt galt und die natürliche Schöpferkraft weiblich war. Diese Gesellschaften zeichneten sich dadurch aus, dass die Frauen, insbesondere die Mütter, in biologischer und ökonomischer Hinsicht als Autoritäten galten.

Aus der Steinzeit direkt in dei Eisenzeit

Im zweiten und ersten vorchristlichen Jahrhundert überquerten schließlich große Scharen mongolischer Einwanderer die Koreastraße und versetzten den japanischen Vorbewohnern einen gewaltigen Kulturschock. Historisch gesehen wurde das steinzeitliche Land von einem Tag auf den anderen in die Eisenzeit geworfen. Es gab keine signifikanten Übergänge in Form von Kupfer- und Bronzezeit. Die ursprünglich ansässigen steinzeitlichen Sammler und Jäger wurden durch die Einwanderer übergangslos mit hochentwickeltem Ackerbau (Reisanbau, Terrassen etc.) und Eisenzeittechnologie konfrontiert.
Etwa 300 v u.Z hatte sich in Japan eine neue kulturelle Epoche herausgebildet, die sogenannte Yayoi-Zeit. Sicherlich existierte weiterhin noch das „Mutterrecht“, andererseits aber nahmen die Siedlungsdichte und damit der Grad der gesellschaftlichen Organisation zu. Waren es zum Ende der Jomon-Zeit noch etwa mehr als ein Dutzend Wohngruben, die eine Siedlung darstellten, so fanden die Archäologen im urzeitlichen Siedlungsgebiet Kugahara, heute ein Teil Tokyos, bereits mehr als tausend Wohngruben aus der Yayoi-Zeit. Die nun hauptsächlich vom Reisanbau bestimmte Landwirtschaft war zumindest Anfangs noch Domäne der Frau.

Staatenbildung

Schließlich kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Siedlungen, zu Bündnissen und Eroberungen, bis im 2. Jh. im zentraljapanischen Yamato und im Norden der Insel Kyushu zunächst kleinere, territorial geschlossene Staatengebilde entstanden. Yamato war schließlich das Staatenbündnis, das am Ende mit Kaisertum und patriarchaler Gesellschaftsordnung die politische Einigung Japans durchsetzte.

Das zumindest noch teilweise matriarchale Gegenmodell befand sich in Yamatai, einem Gebiet auf der Insel Kyushu mit Himiko als Königin über Dutzende kleiner Staatsgebilde. Himiko wird in der japanischen Chronologie nicht erwähnt, wir wissen von ihr vor allem aus chinesischen Berichten des 3. Jahrhunderts. Die japanische Chronik stellt für das 3. Jahrhundert die Vorherrschaft des Staates Yamato und des von der Sonnengöttin Amaterasu abstammenden japanischen Kaisers fest.

So eindeutig, wie es die offizielle japanische Chronik suggerieren möchte, ist die Vorherrschaft der Yamato und des Patriarchats aber nicht. Denn es wird sogar noch für das 4. und 5. Jahrhundert die Auseinandersetzung der Yamato-Kaiser mit den rebellischen Kumasu auf Kyushu beschrieben, die wahrscheinlich mit den Yamatai der Himiko identisch waren.

Konfliktbewältigung auf japanisch

Der Konflikt zwischen den Gesellschaftsordnungen wurde in Japan aber letztendlich nicht, wie in anderen Kulturen, durch ideologische und physische Vernichtung gelöst, sondern durch Adaption. Er wurde nicht aufgelöst, sondern ausgehalten, er wurde nicht bewältigt, sondern eher verdrängt. Er wurde nicht in gut und böse differenziert, sondern zusammengeformt. Mit der matriarchalen und animistischen Tradition wurde letztendlich sehr pragmatisch umgegangen.

Man hatte sich einerseits auf eine patriarchalische Ordnung verständigt, akzeptierte aber andererseits die Existenz der belebten und beseelten Natur (Shintoismus). Man akzeptiert die Macht der Frauen und praktiziert die Herrschaft der Männer. Noch bis ins Jahr 646 trugen die Kinder stets den Namen der Mutter und noch im 11. Jahrhundert existierte die sogenannte Besuchsehe, bei der der Mann schließlich in die Sippe der Frau einheiratete. Es war ein langer Prozess zur vollständigen Etablierung des Patriarchats in der japanischen Gesellschaft, auch, wenn seit dem erwähnten Jahr 646 durch Kaiserliche Erlasse und Gesetze die Unterordnung der Frau unter den Mann (nach dem konfuzianischen Leitsatz „Die Frau möge auf ihren Mann schauen, als wäre er der Himmel“) formal festgeschrieben worden war.


Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Archäologie, Ethnologie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.