Das neue Mary Rose Museum in Portsmouth

Das Wrack der 1982 geborgenen Mary Rose, Heinrich VIII. berühmtes Flaggschiff, das 1545 wenige Seemeilen vor Portmouth in einer Seeschlacht gesunken war, ohne einen Schuss abzufeuern, wird bis 2012 ein nagelneues Museum erhalten.

Bislang konnten die Besucher die imposanten Überreste des Tudor-Kriegsschiffes, eine der wesentlichen Attraktionen der Portsmouth Historic Dockyards, in einer speziellen Schiffshalle hinter einem konservierenden Sprühnebel und bei recht mildem Licht bewundern. Die unzähligen Artefakte, die den eigentlichen Schatz des archäologischen Jahrhundertfundes ausmachen, werden derzeit in einem separaten Gebäude, dem Mary Rose Museum, der Öffentlichkeit präsentiert.

Mit dem neuen Museumsgebäude, das über der alten Schiffshalle errichtet werden wird, während der Prozess der Konservierung der Mary Rose mit einer Polyethylenlösung ungebrochen bis 2011 andauert, sollen 2012 schließlich Schiff und Artefakte in einer gemeinsamen Präsentation zusammengeführt werden. Die Konservierung des Rumpfes wird allerdings erst 2016 abgeschlossen sein. Dann werden, so der Plan, die technischen Apparaturen und Barrieren abgebaut und der Besucher einen ungetrübten Blick auf das dann gut ausgeleuchtete Schiff erhalten.

Präsentation noch nie gezeigter Artefakte

Auch ohne die Zusammenführung des Wracks mit seinen dazugehörigen Artefakten, den mehr als 14.000 Funden, angefangen von Waffen, der Bordapotheke über Werkzeuge, Ausrüstung bis hin zur Ausstattung des Schiffsarztes, wäre ein Museumsneubau notwendig gewesen. Die derzeitige Schiffshalle war nämlich von Anfang an ein Provisorium und musste in erster Linie der Konservierung dienen. Die Realisierung der sehr komplexen und anspruchsvollen Konzeption des zukünftigen Mary Rose Museums, das nicht nur eine lebendige Darstellung des Lebens an Bord eines Tudorzeitlichen Kriegsschiffes beinhaltet, stand noch bis vor kurzem in Frage. Immerhin geht es um die Finanzierung einer Summe von rund 35 Millionen £, von der der Betreiber des Projektes, der Mary Rose Trust, rund 10 Millionen £ bis zum Juli 2009 beschaffen musste, bevor die 21 Millionen £ der staatlichen Lotterie fließen können. Am 24. Juni 2009 konnte der Mary Rose Trust schließlich vermelden, er habe die nötige Summe nahezu eingesammelt und die Lotterie habe daraufhin die 21 Millionen £ fest zugesagt. Das bedeutete grünes Licht für den Bau des neuen Hauses, direkt bei Lord Nelsons Flaggschiff HMS Victory.

Mary Rose Museum als Excellenz-Zentrum für Meeresarchäologie und Konservierung

Das neue Mary Rose Museum, das rechtzeitig zu den olympischen Sommerspielen in London fertiggestellt sein soll, wird neben der Publikumspräsentation der einzigartigen und teils bislang noch nie gezeigten Tudorexponate auch modernste Laboratorien und Werkstätten umfassen und damit, so der Plan des Trusts, seine Position als Zentrum für Meeresarchäologie und Konservierung, kurz, als internationales Excellenz-Zentrum weiter ausbauen. Die Chancen, dass dies gelingt, stehen gut. Schließlich hat das Porthmouth Historic Dockyard und hier vor allem die HMS Victory und die Mary Rose als Publikumsmagneten bereits heute eine spürbaren wirtschaftliche Bedeutung für die Region. Und das attraktive Mary Rose Museum der Zukunft wird, wie der Mary Rose Trust in der Begründung seiner Fördermittelanträge ausführte, voraussichtlich bereits jetzt rund 10.000 Besucher zusätzlich pro Jahr in den historischen Wissens-Erlebnis- und Vergnügungspark bringen. Ausgehend von derzeit jährlich rund 210.000 Besuchern rechnet der Trust für 2011 mit etwa 260.000 Gästen. Mit der Eröffnung 2012 erwarten die Betreiber des Museums weitere 60.000 Besucher zusätzlich.

Tudor-Informations- und Erlebnisprogramm

Obwohl mit dem Museumsbau nun tatsächlich begonnen werden kann, ist die Gesamtfinanzierung noch nicht gesichert. Aber der Trust darf sich der Unterstützung der Verantwortlichen und der Bevölkerung nicht nur in der umliegenden Grafschaft Hampshire sicher sein. Immerhin hat seine Hoheit, der Prince of Wales, seines Zeichens auch Präsident des Mary Rose Trusts den Erfolg des Projektes mit folgenden Worten beschworen: „Es gibt keinen Zweifel, dass das Projekt entgegen aller Widerstände erfolgreich sein wird und die Nation ein sensationelles und großartiges Museum erhalten wird, das zweifellos weltweite Bewunderung auslösen wird.“

Ab September 2009 bis voraussichtlich zum Frühjahr 2013 wird das Tudor-Schiff Mary Rose wegen der Bauarbeiten jedoch nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich sein. Dafür wird im derzeitigen Mary Rose Museum, das übrigens gerade einmal rund 1000 Exponate umfasst, ein umfangreiches Tudor-Informations- und Erlebnisprogramm organisiert.

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Eingeordnet unter Archäologie, Ausstellungen

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