Sonderausstellung „Die Sprache der Steine“

Chrysokoll und Sodalith, Goldkleber und Schmuckstein

Chrysokoll und Sodalith, Goldkleber und Schmuckstein

Sandalen, brennende Steine und gefräßige Minerale kann der Besucher des Geomuseums der Georg-August-Universität Göttingen ab dem 12. Juni 2009 im Geowissenschaftlichen Zentrum kennenlernen. Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2009 bei dem sich Göttingen als einer von 10 sogenannten Treffpunkten dem Thema Sprache, Kommunikation gewidmet hat, gelang es dem Kustos des Museums, Dr. Mike Reich, mit der Ausstellung „Die Sprache  der Steine“ eine originelle und spannende Verbindung zwischen Sprache und Geologie, letztendlich eine kulturgeschichtliche Präsentation auf die Beine zu stellen.

Sprachliche Kommunikation ist ja auf den ersten Blick nicht unbedingt die Stärke von Gesteinen oder Fossilien, auch wenn den Wissenschaftlern der Stoff aus dem unsere Erde ist, eine ganze Menge über die Geschichte unseres Planeten und der Umwelt verrät. Die kleine Ausstellung präsentiert nun aber keinen erdgeschichtlichen Exkurs, sondern stellt die Gesteine unterschiedlichster Form und Farbe mit Namen und ihren „gesellschaftlichen“ Eigenschaften vor. So beispielsweise den Hämatit, im Volksmund auch Blutstein genannt, der fein zermahlen bereits seit der Steinzeit als knallrotes Farbpigment verwendet wurde. Vermutlich aber kommt der Name nicht von der roten Farbe des Blutes. Vielmehr wurde dem chemisch gesehen relativ schlichten Eisenoxid auch blutstillende Wirkung zugesprochen und galt daher in früheren Zeiten auch als Heilmittel. Chemisch komplexer hingegen ist das Chrysokoll, das zu den Ringsilikaten gehörende Kupfermineral, das auch als Kiesel-Kupfer, Kiesel- Malachit, Berg- Grün oder Kupfer- Grün bezeichnet wird. Während die deutschen Namen ohne Zweifel von der Chemie (Kiesel = Silikat) beziehungsweise seiner grünen Farbe abgeleitet werden können, verrät der wissenschaftliche Name das eigentliche Geheimnis des Minerals. Es war der griechische Philosoph und Naturforscher, der dem grünen „Stein“ im 4. vorchristlichen Jahrhundert den Namen Chysokoll, übersetzt soviel wie „Goldkleber“ verliehen hatte. Tatsächlich wurde der heutige Schmuckstein in der Antike als Klebemittel im Goldschmiede-Handwerk eingesetzt.

Das gefräßige Mineral

Pisolith, der Erbsenstein

Pisolith, der Erbsenstein

Der Ursprung der Namen von Gesteinen, Mineralien und  Fossilien ist so vielfältig wie deren Formen, Farben und Eigenschaften. Wolframit beispielsweise ist, wenn man dem als Vater der Mineralogie geltenden Georgius Agricola folgt, ein gefräßiges Mineral. Bei der Verhüttung von Zinnerzen nämlich fördert das Mineral die Verschlackung des Erzes und verringert damit die Zinnausbeute. Agricola meinte in seinem posthum erschienenen Werk „De re metallica“ 1556 dazu: „Es frisst das Zinn auf, wie der Wolf das Schaf“ und nannte das ungeliebte Material  lateinisch „lupi suma“, also Wolf-Rahm.

Die Namen mancher Steine erklären sich geradezu von selbst, man denke da an den sogenannten Erbsenstein, wissenschaftlich Pisolith (zusammangesetzt aus dem lateinischen „pisum“ für Erbse und dem griechischen „lithos“ für Stein), der tatsächlich aussieht, wie ein Haufen zusammengebackener Erbsen. Andere Gesteine oder Mineralien wurden nach ihren Entdeckern genannt, Aberglaube, Mythen, Brauchtum taten ein Übriges, um dem scheinbar toten Material über seine Bezeichnung teils lustige, teils aber auch geheimnisvolle Eigenschaften und Herkunft zu verleihen.

Dr. Mike Reich mit einem Strickstein, erkaltetes Magma

Dr. Mike Reich mit einem Strickstein, erkaltetes Magma

Reise in die Erdgeschichte

Auch wenn die Sonderausstellung „Die Sprache der Steine“ zu Hintergründen und Bedeutung der Namensgebung unter etymologischen Gesichtspunkten, die bis zum 31.12.2009 zu sehen ist, mit seinen vielleicht 10 Vitrinen recht klein erscheint, sie ist in jedem Fall sowohl für an Volkskunde, Geschichte und Geologie Interessierte Besucher durchaus lohnend. Dies vor allem auch deshalb, weil man bei anschließender Besichtigung auch der anderen Ausstellungen, die in diesem Hause noch zu sehen sind, wie beispielsweise die gerade erst bis zum 15. Oktober verlängerte Sonderausstellung „Stromatolithe –Wie Bakterien die Welt gestalten“ oder aber der Dauerausstellung und des Geoparks durchaus einen ganzen Tag im Geowissenschaftlichen Zentrum verbringen kann. Montags bis Freitags ist das Museum von 8.30  bis 17.30 und am Sonntag von 10 bis 13 Uhr geöffnet, bei freiem Eintritt.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ausstellungen, Geschichte im Querschnitt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s