Die Römerschlacht am Harzhorn

Wolfgang Schwerdt

Beschläge römischer Ausrüstung, vom Schlachtfeld am Harzhorn.

Es war ein Glücks- aber kein Zufall, dass die Entdeckung des Schlachtfeldes am Harzhorn in der Nähe des niedersächsischen Kalefeld historisch und archäologisch so aufregend ist. Als nämlich im Sommer 2008 der Northeimer Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne römische Fundstücke zur Begutachtung übergeben wurden, reagierte sie sofort und veranlasste eine sofortige Abschirmung des Fundortes von der Öffentlichkeit und eine ausgiebige Prospektion des Geländes mit Metalldetektoren.

Es ist aber nicht die Zahl der bislang rund 800 Fundstücke oder die Ausdehnung des Schlachtfeldes von rund 2000 Metern Länge, die diese archäologische Stätte zu etwas Besonderem machen. Es ist vielmehr die Tatsache, dass aufgrund der schnellen Reaktion der Bezirksarchäologin und der Kooperation von Archäologie, Verwaltung und Politik eine geradezu ideale archäologische Situation vorgefunden wurde. Die Artefakte lagen noch so im Boden beziehungsweise an der Oberfläche, wie sie vor rund 1800 Jahren dort hinterlassen worden waren. Kein Raubgräber oder Sammler hatte die Gegenstände aus ihrem Zusammenhang gerissen und damit ihre mögliche Aussagekraft entwertet.

Und so ist es auch kein Wunder, dass die hochkarätig zusammengesetzte Ausgräber- und Forschungsgruppe bereits wenige Monate nach Entdeckung, Sicherung und Prospektion des Ortes sowie erster Probegrabungen bereits am 17. April 2009 erste spannende Ergebnisse präsentieren konnte. Durch die Lage, Richtung und Verteilung der Pfeilspitzen von Bogenschützen, der Geschossspitzen von Torsionsgeschützen, Speer und Lanzenspitzen, der Beschlagteile von Wagen des Trosses oder natürlich der Sandalennägel lässt sich zumindest vorläufig die Marschrichtung der römischen Truppen und der Schlachtverlauf modellhaft skizzieren. Dass es sich um eine Schlacht handelte ist aufgrund der Fundsituation klar. Dass ein recht umfangreiches römisches Kontingent beteiligt war ebenfalls. Und dass es sich bei den Gegnern um Germanen handelte, darf man in dieser Gegend zwar ohnehin vermuten, eine jüngst ebenfalls gefundene germanische Lanzenspitze und germanische Keramik scheinen nun aber auch den archäologischen Beleg zu liefern.

Zeitraum der Schlacht am Harzhorn wissenschaftlich abgeklärt

Wolfgang Schwerdt

Der Erkundungsschnitt auf dem Schlachtfeld am Harzhorn

Trotz der optimalen Fundsituation sind derzeit nahezu alle Aussagen über die Ereignisse, die sich vor etwa 1800 Jahren am Harzhorn abgespielt haben, Spekulation. Gesichert erscheint aber derzeit aufgrund von Funden silberner Denare, den Münzen, mit denen üblicherweise die römischen Soldaten bezahlt wurden der Zeitpunkt des Ereignisses. Etwa 235, also das zweite Viertel des 3. Jahrhunderts ergibt der Abgleich der Datierung durch den Münzspezialisten Dr. Frank Berger vom Historischen Museum in Frankfurt/Main und der naturwissenschaftlichen Datierung von Holzüberresten aus Speerspitzen durch das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung.

Die überregionale und hochkarätige Zusammensetzung der Forschungsgruppe zeigt die Bedeutung dieses Fundortes, der sich nicht nur wegen der beschriebenen geradezu jungfräulichen Fundsituation, sondern auch durch die Ergebnisse der Datierung ergibt. In Jener Zeit, also rund 250 Jahre nach der vernichtenden Varusschlacht, hatte kaum jemand ein so starkes römisches Truppenkontingent so tief  im barbarischen Germanien vermutet. Die historischen Quellen, die durchaus römische Expeditionen nach Germanien in dieser Zeit belegen, müssen nun neu interpretiert werden.

Archäologisches Großprojekt

Wolfgang Schwerdt

Eiserne Geschossspitzen vom Schlachtfeld am Harzhorn

Die neuesten Ergebnisse vom Schlachtfeld Harzhorn bestehen aber nicht primär in historischen Erkenntnissen, sondern in der Feststellung der archäologischen Ausgangssituation und der Perspektive der Grabungen. Die Bodenverhältnisse, so ergab der erste, vorbereitende Grabungsschnitt der letzten Wochen, müssen bei der Interpretation der zukünftigen Funderwartungen aber auch der historischen Ereignisse stark berücksichtigt werden. So hat der Kalkstein als Untergrund der teilweise relativ dünnen Deckschicht einen basischen Boden zur Folge und bietet damit gerade für Metallgegenstände wie Geschossspitzen hervorragende Konservierungsbedigungen. An anderen Stellen hat wiederum die Humusschicht für den Untergang der antiken Artefakte gesorgt, sodass sich die bisherigen Funde über das zwei Kilometer lange Schlachtfeld spotartig hinziehen. Fundkonzentrationen liegen wie Inseln im Schlachtfeld, während der Rest der Fläche zunächst ereignislos erscheint. Ausgrabungstechniken, wissenschaftliche Untersuchungsmethoden, historische Forschungen und archäologische Vergleiche werden die Grabungs- und Erforschungskampagne auch zukünftig prägen. Die Zusammensetzung des Forschungsteams aus Dr. Frank Berger, dem Ausgrabungsleiter Prof. Dr. Michael Meyer, vom Institut für prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin, PD Dr. Günther Moosbauer von der Universität Osnabrück und nicht zuletzt den Landes- Bezirks- und Kreisarchäologen sowie Forschungseinrichtungen zeigen dabei, dass am Ort von Roms vergessenem Feldzug auch zukünftig richtig geklotzt werden wird. Bislang handelte es sich bei den Arbeiten nur um erste vorbereitende Maßnahmen für eine auf Jahrzehnte algelegte Grabungskampagne. Bereits im Sommer 2009 wird mit der ersten systematisch Grabung begonnen.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter 2 Antike, Archäologie

Eine Antwort zu “Die Römerschlacht am Harzhorn

  1. Ronny Schmidt

    Das ist aber nur die halbe Wahrheit was dort am Harzhorn passiert. Hier wird gezeigt was dort wirklich vorgefallen ist:

    Viel Spaß bei der Wahrheit

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