Trevor Bryce und Adam Hook – Hittite Warrior

Osprey Publishing

Foto: Osprey Publishing

Trotz ihrer militärischen Überlegenheit galten die Hethiter als ausgesprochen friedliebend.
Die hethitischen Herrscher setzten, so bestätigt Trevor Bryce, Autor des englischen Buches „Hittie Warrior“, wenn möglich weniger auf das Militär, sondern eher auf geschickte Diplomatie. Trotzdem waren die hethitischen Heerscharen selbst bei den benachbarten Großmächten gefürchtet.

Schritt für Schritt beschreibt der Historiker Trevor Bryce die Probleme, die bronzezeitliche Feldzüge gerade für expansive Reiche wie das der Hethiter mit sich brachten. Immerhin musste die Armee über Hunderte von Kilometern zum Feind marschieren, um den Gegner militärisch nieder zu ringen. Abgesehen von den erheblichen logistischen Problemen, die damit verbunden waren, bedeutete solch ein Heerzug auch die Preisgabe des hethitischen Kernlandes gegenüber anderen Feinden.

Mit 50.000 Mann gegen Ägypten

Die knapp 50.000 Soldaten, die von den Hethitern gegen den Pharao Ramses in der Schlacht von Kadesch ins Feld geführt worden waren, bedeuteten auch die gleiche Zahl fehlender Kräfte in der heimischen Landwirtschaft und im Handwerk. Für die Hethiter war die Frage des Krieges also eine wirtschaftliche, wie Bryce belegt. Die ständige Angriffs- und Verteidigungsbereitschaft der hethitischen Könige durch ein stehendes Heer war eine hervorragende Unterstützung der Diplomatie. Um hier die erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kosten unter Kontrolle zu haben, hatten die Hethiter eine spezielle Struktur des Militärs entwickelt. Ein relativ kleines aber hochprofessionelles stehenden Heer konnte durch das Ausheben weiterer Soldaten im Ernstfall verstärkt, durch eine semiprofessionelle Reserve ergänzt und durch Hilfstruppen der Verbündeten Pufferstaaten, derer sich die hethitischen Könige versichert hatten, allen Anforderungen angepasst werden.

Die Risiken einer militärischen Kampagne

Bryce versorgt den Leser mit übersichtlichen und gut nachvollziebaren Informationen über die Anforderungen an die hethitische Streitmacht und die Lösungen, die die Herrscher hierfür gefunden haben. Natürlich kommt auch die Darstellung der Waffen und Ausrüstung nicht zu kurz, das wirklich Spannende sind aber tatsächlich die dargestellten logistischen, natürlichen und strategischen Anforderungen, der die hethitische Armee ausgesetzt war. Ohne das Verständnis der gesellschaftlichen Verfassung und des hethitischen Königtums sind auch die organisatorischen Lösungsansätze und politisch- historischen Entscheidungen der vorderasiatischen Großmacht nicht zu verstehen. Insofern ist das Buch über das hethitische Militär eine in anderen Arbeiten über das faszinierende Großreich oft vernachlässigte aber notwendige Ergänzung zur Geschichte des bronzezeitlichen Anatolien.

Hittite Warrior, mehr als ein militärgeschichtliches Buch

Neben den solide strukturierten inhaltlichen Kapiteln, bieten die tabellarischen Überblicke, die Fotos und Grafiken und natürlich die prächtigen Farbtafeln von Adam Hook mit Motiven von hethitischen Kriegern, Schlachtszenen, Kriegsgerät und Ausrüstung mit den entsprechenden umfassenden Erläuterungen einen guten informativen background für den Leser. Und wer mehr über die Hethiter erfahren möchte, dem bieten das Kapitel mit Angaben zu archäologischen Orten, Museen oder elektronischen Informationsquellen und selbstverständlich die obligatorischen Literaturhinweise ausreichend Ansatzpunkte zur Vertiefung des Themas.

Trevor Bryce, Adam Hook: Hittite Warrior“. Osprey Publishing 2007. Taschenbuch, 64 Seiten. Euro ca. 13,99.

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Eingeordnet unter 1 Frühzeit, Archäologie, Rezension

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