Tudor Warships (2) – Die Marine Elisabeth I

Es waren der Seefahrer Hawkins und die genialen Schiffbaumeister Mathew Baker und Richard Chapman, die aus den Erfahrungen der elisabethanischen Staatspiraten wie Drake und Raleigh und dem taktischen Konzept Heinrich VIII, das sich in der Mary Rose verkörperte, einen neuen, revolutionären Schiffstyp entwickelten.

Angus Konstam beschreibt in seinem Buch Tudor Warships (2) die Entwicklung der Tudor-Schiffe unter Elisabeth I zu einem eigenständigen englischen Typus, der sich schließlich in der sogenannten elisabethanischen Galeone ausdrückte, die zur konzeptionellen Basis der mächtigen britischen Flotten des Empires der folgenden Jahrhunderte werden sollte.

Bereits Heinrich VIII hatte auf  die Schiffsartillerie gesetzt. Während die Spanier ihre hochbordigen Armada- Galeonen noch 1588 mit an Bord schwer zu handhabenden Feldgeschützen bestückt hatten waren bereits die unglücklich untergegangene Mary Rose und ihre Schwesterschiffe mit speziell entwickelten bronzenen Schiffsgeschützen ausgestattet.

Auseinandersetzung der taktischen Konzepte

Die Taktik des Enterkampfes war es, die den Galeonen der Spanier mit ihren hohen Vorder- und Achterkastellen und den gut ausgebildeten und disziplinierten Soldaten an Bord, die Vorherrschaft auf den Meeren gesichert hatte. Auch die Artillerie diente hier letztendlich ausschließlich dem Nahkampf, also der Dezimierung der Besatzung des gegnerischen Schiffes. Daher reichte es völlig aus, die Kanonen nur einmal, direkt vor dem Entern, Bord an Bord mit dem feindlichen Schiff abzufeuern. Die Engländer hatten mangels Masse und professionell ausgebildeter Soldaten im Nahkampf keine Chance.
Konstam stellt aber auch klar, dass das neue taktische Konzept, mit schnellen, gut armierten Schiffen, den Nahkampf zu vermeiden und den übermächtigen Gegner auf Distanz zu zermürben, zumindest 1588 bei dem Versuch, die spanische Armada von einer Landung abzuhalten, nicht aufgegangen war. Es waren andere Faktoren, die am Ende zum Scheitern der spanischen Invasion führten.

Die elisabethanische Galeone

Und trotzdem, so zeigt Konstam auf, war das taktische Konzept zusammen mit den Innovationen im Schiffbau zukunftsweisend. Die Rümpfe der elisabethanischen Galeonen wurden schlanker, die Unterwasserschiffe schärfer und die Kastelle niedriger. Alles zusammen erhöhte die Stabilität und Manövrierfähigkeit erheblich. Der neu durchdachte Querschnitt des Rumpfes bot nun der Schiffartillerie nicht nur mehr Platz, sondern trug durch den niedrigeren Schwerpunkt noch zur Stabilität des Schiffes bei. Die Folge: die Galeonen konnten mehr Artillerie mit längerer Reichweite tragen und zudem fast gänzlich auf Feuerwaffen für den Nahkampf, wie Hakenbüchsen oder Drehbassen verzichten.

Die Tudorflotte: Neubauten, Umbauten und Mietschiffe

Aus den detaillierten Beschreibungen der Flottenbau- und Umbauprogramme im „Tudor Warships (2)“ geht aber auch hervor, das die Navy Elisabeth I noch weit entfernt war von der stehenden Flotte des späteren Empire. Immerhin, relativ wenigen Neubauten standen zahlreiche Umbauten und Modernisierungen von Schiffen gegenüber, die bereits in der Flotte Heinrich VIII gedient hatten. Und im Konfliktfall wurden nach wie vor zusätzliche Schiffe angemietet.

Wie bei Ospreys Serien üblich, ist das Buch hervorragend bebildert und mit sehr aussagekräftigen Illustrationen von Tony Brian ausgestattet. Tabellen mit den Schiffen und ihrer Bewaffnung sowie Steckbriefe exemplarischer Schiffe runden das Buch über Elisabeths Navy ab.

Angus Konstam; Tony Bryan: Tudor Warships (2) – Elisabeth I´s Navy. Osprey Publishing 2008. Taschenbuch, 48 Seiten. Euro 12,99.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Rezension, Schifffahrtsgeschichte

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