Das vergessene Volk der Hethiter

Mit dem Buch „Die Hethiter, das vergessene Volk“ hat Waltraud Sperlich ein populärwissenschaftliches Standardwerk über das indoeuropäische Volk in Vorderasien abgeliefert.

Bis zum Anfang de 20 Jahrhunderts waren die Hethiter im Dunkel der Geschichte verschwunden, obwohl sie als Großmacht des 2. vorchristlichen Jahrtausends zeitweise nicht nur die Ägypter, sondern auch die Assyrer und Babylonier in den Schatten stellten.

Waltraud Sperlich schildert auf eine sehr authentische Art die Wiederentdeckung der zweifellos einzigartigen Kultur. Der Leser begleitet die ersten Archäologen, die zwar hethitische Artefakte bereits Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten, diese aber nicht zuzuordnen wussten. Die Funde der hethitischen Schrifttafeln, die Entdeckung der hethitischen Sprache erlebt der Leser ebenso hautnah mit, wie den Beginn der systematischen archäologischen Erforschung der hethitischen Hauptstadt Hattusa.

Hethiter, die Exoten im bronzezeitlichen Orient

Im Plauderton, engagiert und fesselnd schildert die Autorin den Aufstieg und den Untergang des außergewöhnlichen Großreiches. Außergewöhnlich allein deshalb, weil die hethitischen Großkönige zumindest nach Außen eher auf Diplomatie denn auch Krieg setzten. Im Innern gab es auch Intrigen und Morde. Familiengeschichten um Macht und Herrschaft, aber auch die erste staatliche Verfassung überhaupt oder die Ablehnung der Todesstrafe machte die Kultur der Hethiter zu etwas Exotischem im damaligen Orient.

Die Macht des Wortes und der 1000 Götter

Das Buch liest sich spannend und leicht, basiert aber immer auf wissenschaftlich- archäologischen Fakten. Selbst lockere Formulierungen sind oft den schriftlichen Hinterlassenschaften der Hethiter entlehnt, die sich durchaus ironischer Formulierungen zu bedienen wußten. Ganz offensichtlich war für die Hethiter die Macht des Wortes und natürlich der 1000 aus den verschiedenen Kulturen zusammengewürfelter Götter wirkungsvoller als das von den Gegnern gefürchtete Militär. Zitate und die Aussagen von anerkannten Archäologen, Wissenschaftlern und Forschern bilden immer die inhaltliche Grundlage von Sperlichs Ausführungen.

Mit dem ausführlichen und authentisch wirkenden Besuch des inzwischen weitgehend ausgegrabenen Hattussa und einem Ausblick auf noch zu erwartende archäologische Entdeckungen stellt das Buch schließlich eine umfassende und runde Bestandsaufnahme über das vergessene Volk der Hethiter dar, die auch bei weiteren archäologischen Entdeckungen und Erkenntnissen noch für Jahre ihre grundsätzliche Bedeutung beibehalten wird.

Waltraud Sperlich: Die Hethiter, das vergessene Volk. Thorbecke 2003. Hardcover, 105 Seiten. Euro 24,90.

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