Museum Schiffshebewerk Henrichenburg

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Das alte Schiffshebewerk Henrichenburg

Als Kaiser Wilhelm II am 11. August 1899 den Dortmund-Ems-Kanal und das Schiffshebewerk Henrichenburg eröffnete, da war dieser Schiffsfahrstuhl, der erstmals statt der bislang üblichen Gegengewichte zum Gewichtsausgleich Schwimmer in tiefen Brunnenschächten verwendete, der Ingenieurskunst letzter Schrei.

Sinn der verschiedenen Gewichtsausgleichstechniken war es, die Antriebskraft, die der Trog mit den darin befindlichen Schiffen zur Bewältigung der gewaltigen Höhendifferenzen, benötigte, so gering wie möglich zu halten. Während bei allen anderen Schiffshebewerken eben Gegengewichte in Form von Eisen- oder Betonblöcken oder einem zweiten Trog als Ausgleich dienten, nutzte der Stettiner Schiffbauingenieur Rudolph Haak die Auftriebskraft stählerner Schwimmkörper. Immerhin konnten somit die damals üblichen Normalkähne von 67 Metern Länge, 8,2 Metern Breite und 2 Metern Tiefgang in ihrem Trog um 14 Meter emporzuheben oder herabzulassen. Gerade einmal 110 Kilowatt, etwa soviel wie ein heutiger durchschnittlicher Mittelklassewagen musste der kleine elektrische Motor leisten, um die mehrere 1000 Tonnen schweren Lasten zu bewegen. Und die gesamte Prozedur, einschließlich Ein- und Ausfahrt, Hebe- oder Senkvorgang dauerte rund 12 Minuten, während auf den reinen Hebevorgang gerade einmal 2,5 Minuten entfielen.

Der Schleusenpark Waltrop

Trotz der großen Leistungsfähigkeit des Schiffsfahrstuhls, musste er schon 1912 durch eine Schachtschleuse ergänzt werden. 1962 über nahm ein neues Hebewerk seinen Dienst, basierend auf der gleichen Auftriebstechnik, wie das Alte. Bis 2005 versah schließlich das neue Schiffshebewerk den Dienst, bis der Schiffsverkehr nur noch über die 1989 als Ersatz für die alte Schleuse in Betrieb genommene neue Schleuse abgewickelt wurde.

Heute sind alle vier Bauwerke Teil des Schleusenparks Waltrop, das alte Schiffshebewerk, wurde 1979 durch umfassende Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten vor dem Verfall und Abriss gerettet und seitdem zum Standort des Westfälischen Industriemuseums ausgebaut.

Das Industriemuseum Schiffshebewerk

Das Industriedenkmal Schiffshebewerk Henrichenburg ist begehbar und erlaubt nicht nur einen Blick auf die imposante Stahlkonstruktion und die weite Kanallandschaft bei Waltrop. Die historische Maschinenhalle dient als Museum, das die Technik und Funktionsweise des Hebewerkes am Modell veranschaulicht und einen Einblick in die Baugeschichte des Dortmund-Ems-Kanals und des Schiffshebewerks bietet.
Der Vorhafen des Hebewerkes  beherbergt allerlei schwimmende Arbeitsgeräte und historische Schiffe, an deren Bord wiederum Ausstellungen zum Thema Geschichte der Binnenschiffahrt zu sehen sind. Und nicht zuletzt findet sich hier auch die Anlegestelle des Ausflugsdampfers „Henrichenburg“.

Von Ausstellungen bis zur Fahrradtour

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Radtour durch die Kanalgeschichte

Die aktuelle Ausstellung unter dem Titel „Im Auftrag seiner Majestät“, die noch bis zum 31. Mai im Hafenmeistergebäude zu sehen ist, befasst sich mit dem Oberbergrat Friedrich Wilhelm von Reden, der 1782 vom Preußenkönig Friedrich II von Oberschlesien ins Ruhrtal geschickt wurde, um dort Informationen über den Steinkohlebergbau zu sammeln. Eine hochinteressante Geschichte, denn damals befand sich der Bergbau im Ruhrtal noch in den Anfängen. Der Besucher erhält durch die zahlreichen Bilder, Pläne und Modelle einen anschaulichen Eindruck vom Ruhrbergbau vor 220 Jahren.

Das Museum bietet aber mehr. Nicht nur Ausstellungen, auch Aktionen Kultur- und andere Veranstaltungen, angefangen vom Filmabend „Kohle Kurs Emden“ mit drei historischen schwarz-weiß Filmen aus den 50er Jahren, über den Rock- und Blues-Abend in der Maschinenhalle am 04.April 2009 bis hin zur Ausstellung „Werften-Schiffe-Häfen“ mit Gemälden von Alexander Calvelli vom 17.05. bis zum 27.09.2009 oder der geführten Radtour am Rhein-Herne-Kanal am 21. Mai 2009. Das Programm des Industriemuseums ist sehr umfang- und abwechslungsreich und es lohnt sich, immer mal wieder einen Blick hineinzuwerfen.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 5 Neuzeit, Ausstellungen, industrielle Revolution

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