Die Farben der Antike

Paris

Paris

Wenn man ehrfürchtig durch die musealen Hallen mit marmorweißen klassischen antiken Skulpturen wandelt, so prägt dies natürlich auch die Vorstellung vom Leben und den Menschen in der antiken Welt. Kaum vorstellbar, dass ausgerechnet die Menschen, die sich offensichtlich an hehrer Kunst, an den vollkommenen Formen der aus edlem Marmor herausgearbeiteten Skulpturen ergötzen konnten, die Urväter unserer Kultur und Künste, verheerende Kriege untereinander führen, Zerstörung und Elend über ihre Mitmenschen bringen konnten.

Aber die Wirklichkeit sah anders aus. Raub, Krieg und Handel gingen Hand in Hand, bildeten die ökonomische Grundlage der Gesellschaft unserer Kulturheroen. Und für die marmornen Skulpturen wurde nicht der edelste, sondern der zweckmäßigste Werkstoff verwendet. Bunt waren die Götter- und Heldenstatuen und die Friese, die die Giebel der Tempel und öffentlichen Bauten zierten, knallbunt sogar.

Die Comics der Antike

Denn die Skulpturen und Friese waren im Grunde hervorragend gearbeitete plastische Comics des Altertums. Informationen, zentrale Botschaften sollten sie dem Betrachter bereits aus der Ferne vermitteln und ohne kräftige Farben hätten die Kunstwerke diese Funktion nicht erfüllen können. Und wenn wir die in teilweise unglaublich leuchtender Farbenvielfalt wissenschaftlich rekonstruierten Skulpturen anschauen, die beispielsweise in der Wanderausstellung „Bunte Götter“ zu bewundern sind, dann stellt sich unter anderem die Frage: wo hatten die antiken Maler denn nur diese Farben her?

„Tuschkasten der Antike“

Sowohl aus Analysen an antiken Resten von Farbpigmenten als auch aus der reichhaltigen zeitgenössischen Überlieferung kennt man den „Tuschkasten der Antike“ sehr genau. Es sind vor allem mineralische Naturpigmente, im Grunde also zerriebene Steine, die den Skulpturen ihre farbliche Aussagekraft verliehen. Drachenblut oder prosaischer betrachtet Zinnober, also Quecksilbersulfit, war einer der wichtigsten und teuersten Farbstoffe, die sowohl in reiner Form als auch unter andere Rotpigmente gemischt, einen kräftigen, leuchtenden Farbton garantierten. Zumindest kurzzeitig. Denn das UV- Strahlungsempfindliche Pigment kann schnell in eine schwarze Verbindung des Quecksilbersulfats umschlagen. Rot stand aber, ebenso wie andere Farben, in verschiedenen Tönen zur Verfügung. Als Beispiele seien hier nur die verschiedenen Eisenoxide genannt, zu denen auch der Hämatit oder Blutstein gehört. Man kann sich vorstellen, welche Abstufungen innerhalb der einzelnen Farben schließlich durch Mischen erreichbar waren, einer sehr differenzierten Bemalung der Skulpturen standen letztendlich nur die Fähigkeiten und Erfahrungen der Künstler entgegen.

Farben aus der Steinzeit

Ocker, das ist ein Pigment, das bereits für steinzeitliche Höhlenmalereien verwendet wurde und als sehr leicht zu verarbeitende Farbe selbstverständlich auch auf die antiken Skulpturen aufgetragen wurde. Blau und Grün, die „Geschwister“ Azurit und Malachit, Natursteine, die recht unterschiedliche Farbnuanchen aufweisen können. Der Indigoblau, Ultramarin, Kobaltblau oder Türkis leuchtende Stein zerfällt letztendlich zum grünen Malachit. Solche chemischen Prozesse können bei einigen Naturpigmenten, man denke auch an das Zinnober, noch nach dem Farbauftrag geschehen, sodass die Skulpturen im Laufe der Jahre durchaus ihren Farbton oder sogar die Farben ändern können.

Die farbige Giftküche der Antike

Immerhin verwendeten die antiken Meister auch synthetische Farben, wie das sogenannte Agyptisch Blau, eine zerstoßene Glasfritte, in diesem Fall eine farbechte Verbindung aus Kalk, Quarzsand und Kupfererz. Vielleicht hat der geneigte Leser ja schon bei der orangeroten Quecksilberverbindung Zinnober aufgemerkt, aber auch an dem leuchtenden Gelb und Orange der Antike, dem hochgiftigen Schwefelarsenik wird deutlich, dass der Begriff Naturfarbe nicht unbedingt auch gesund bedeutet. Auch Bleiweiß übrigens gehört in die farbige Giftküche der Antike.

Sterben für die bunten Götter

Der antike Geograph Strabo hatte um die Zeitenwende den Abbau des Arsengelbs in den anatolischen Minen beschrieben. Wegen der hohen Sterblichkeitsrate wurden hier nur Strafgefangene eingesetzt. Dass die Bemalung nicht nur der Skulpturen, sondern auch der Gebäude übrigens nicht nur  in der Antike selbstverständlich war, wird durch die Herkunft der Pigmente untermauert. Denn viele der Farbstoffe lagen eben nicht vor der Haustür, ja waren nicht einmal in Griechenland zu finden wie die anatolischen Farbminen zeigen. Zinnober wurde in Istrien und Andalusien abgebaut, Azurit und Malachit wurde zwar auch in den Silberminen bei Athen abgebaut aber auch aus dem Sinai, aus Italien und Spanien importiert.

Seit Beginn des 5. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung ist auch die Verwendung von organischen Farbstoffen nachgewiesen. Ausgekocht konnte beispielsweise die Krappwurzel zum Stofffärben verwendet werden, um den teuren Farbstoff der Purpurschnecke zu ersetzen.  Mit verschiedenen Substanzen versetzt, konnte aus dem violetten Farbsud Pigmente gewonnen werden, die zu Farben von Rot über Violett bis Rosa verarbeitet werden konnten.

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Eingeordnet unter 2 Antike, Archäologie

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